Der Artikel beginnt mit einem Blick in die vorkonziliare Messpraxis, in der die Liturgie primär als amtlicher Vollzug des Klerus galt. Schon die Einleitung im alten Messbuch richtet den Blick auf den Priester als denjenigen, auf den es bei der Feier ankommt. Die Gemeinde erscheint höchstens als stumme Andachtsgemeinschaft, während parallel zur Messliturgie private Gebete, Andachten und Rosenkranzformen laufen können. An Beispielen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert wird gezeigt, wie selbstverständlich eine Diastase zwischen priesterlichem Vollzug und volkstümlicher Frömmigkeit wurde. Die Spiritualität des Volkes speist sich dann weniger aus der Liturgie selbst als aus Andachtsformen neben der Liturgie. Diese Diagnose verdichtet der Autor anhand einer Beobachtung aus dem Umfeld der Liturgischen Bewegung: In einer alltäglichen Messe beten einzelne Gläubige sehr unterschiedliche Andachten, die mit dem Ablauf der Messfeier kaum verbunden sind. Die Frage, ob Jesu Auftrag Tuet dies zu einer gemeinsamen Feier führt oder faktisch in ein macht was ihr wollt kippt, benennt die Krise prägnant.
Von hier aus erläutert Zerfaß die Leitidee der Liturgischen Bewegung: participatio actuosa, die tätige Teilnahme aller am liturgischen Geschehen. Der Begriff wurde bereits 1903 von Pius X. verwendet und zielt darauf, dass das geistliche Leben der Gläubigen in der Liturgie selbst gründet. Pius XII. bestätigte später die Anliegen der Bewegung, sodass sie in Sacrosanctum Concilium einfließen konnten. Dass die Eröffnungsliturgie des Konzils selbst noch sehr stark den alten Formen entsprach, dient als Kontrastfolie. Joseph Ratzinger kritisiert damals, dass Tausende Bischöfe und viele Gläubige zu stummen Zuschauern einer Liturgie werden, in der praktisch nur die amtierenden Liturgen und der Chor handeln. Genau hier setzt Artikel 14 von Sacrosanctum Concilium an. Die Kirche wünscht, dass alle Gläubigen zur vollen bewussten und tätigen Teilnahme geführt werden, wie es das Wesen der Liturgie verlangt, und wie es das getaufte Volk Gottes berechtigt und verpflichtet. Zerfaß arbeitet heraus: Die tätige Teilnahme ist nicht ein optionales pädagogisches Extra, sondern wesensnotwendig, weil in der Liturgie das gemeinsame Priestertum der Getauften realisiert wird. Deshalb kann Liturgie nicht so verstanden werden, dass ein Priester stellvertretend für die Gemeinde die Messe liest, während die Gemeinde geistlich irgendwie daneben steht.
Anschließend bündelt der Autor Leitlinien, mit denen das Konzil diese Teilnahme ermöglichen will. Erstens sollen Texte und Riten so geordnet werden, dass die Zeichenhaftigkeit der Liturgie deutlicher hervortritt und die Feier von den Gläubigen leichter erfasst werden kann. Das Konzil spricht von edler Einfachheit, von Knappheit, Durchschaubarkeit und dem Verzicht auf unnötige Wiederholungen. Zerfaß betont, dass damit keine Banalisierung oder pädagogische Verflachung gemeint ist, sondern das Freilegen des Eigentlichen, damit die Liturgie aus sich heraus sprechen kann. Zweitens hebt das Konzil die liturgische Rollenteilung wieder hervor. Gegen eine Praxis, in der der Priester selbst dann alle Texte leise mitsprach, wenn andere Dienste sie vortrugen, gilt: Jeder soll nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und den Regeln zukommt. Drittens eröffnet das Konzil der Muttersprache einen weiteren Raum. Obwohl Latein nicht abgeschafft werden sollte, kam es de facto rasch zu weitgehender Volkssprache. Begründet wird dies mit dem paulinischen Gedanken, dass man nur zu einem Gebet Amen sagen kann, das man versteht. Zugleich verschweigt Zerfaß nicht die kulturellen Folgekosten und Spannungen, etwa im Blick auf den Gregorianischen Choral. Dennoch deutet er die schnelle Abkehr vom Latein auch als Zeichen eines realen Leidensdrucks, weil die Sprache zum Symbol mangelnder Zugänglichkeit geworden war.
Den theologischen Kern bildet im Beitrag der Zentralbegriff Pascha Mysterium. Zerfaß klärt, dass Mysterium nicht nur Unbegreiflichkeit meint. Vom Neuen Testament her bezeichnet es den Heilsratschluss Gottes, der in Christus, besonders im Gekreuzigten und Auferstandenen, geschichtlich offenbar wird. Die Kirchenväter erweitern dies um die liturgische Dimension: Heilsgeschichte wird im Gottesdienst vergegenwärtigt. Nicht als bloßes Erinnern an Vergangenes, sondern als Eröffnung eines Erfahrungsraums, in den die Feiernden als Zeitgenossen eintreten. Mit Odo Casels Mysterientheologie wird dieses Verständnis im 20. Jahrhundert neu entdeckt und fruchtbar gemacht. Liturgie ist dann mehr als Pflichtübung zur Erlangung von Gnadenmitteln. Sie ist von Gott her Heilsgegenwart, in der das Pascha Mysterium die Existenzbedingungen der Christen transformiert, wie es die Osterpräfation verdichtet. Genau hier liegt der tiefere Grund der participatio actuosa. Wenn die Gemeinde Zeitgenossin des gefeierten Heils ist, kann sie nicht Zuschauerin bleiben, sondern muss als Trägerin des Vollzugs verstanden werden.
Aus diesem Kern ergibt sich der nächste Schwerpunkt: lebendige Tradition. Zerfaß zeigt, dass das Konzil ein dynamisches Traditionsverständnis voraussetzt. Es unterscheidet einen unveränderlichen Teil der Liturgie und Teile, die dem Wandel unterworfen sind, ja sich ändern müssen, wenn sie dem Wesen der Liturgie weniger entsprechen oder sich als ungeeignet erweisen. Gesunde Überlieferung und berechtigter Fortschritt sollen so zusammenfinden, dass die äußeren Formen des Gottesdienstes das Kriterium der tätigen Teilnahme real existierender Menschen erfüllen, ohne das Wesentliche zu verlieren. Gegenüber einem nachtridentinischen Programm der Unwandelbarkeit wird ein Traditionsverständnis betont, das aus der Weite einer vielschichtigen Geschichte schöpfen kann und prinzipiell unabgeschlossen bleibt. Der Autor deutet an, dass Widerstand gegen die Liturgiereform oft mit einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber den weiteren Konzilsoptionen zusammenhängt, etwa gegenüber Dialog mit der Moderne, Ökumene und Religionsfreiheit.
Zum Schluss skizziert Zerfaß die Umsetzung und die Konfliktlinien. Die Reform beginnt 1964, es gibt regional unterschiedliche Experimente und später Konsolidierung durch neue liturgische Bücher. Das erneuerte Missale tritt 1970 in Kraft, die deutschsprachige Ausgabe folgt 1975. Eine kleine, aber laute Minderheit lehnt die Reform weiterhin fundamental ab, prominent vertreten durch Marcel Lefebvre und die Piusbruderschaft. Paul VI. sieht in der alten Messe ein Symbol der Ablehnung des Konzils und weist den Versuch zurück, das Konzil über dieses Symbol zu verurteilen. In der erneuerten Liturgie werden Grundoptionen des Konzils sichtbar, etwa das erneuerte Traditionsverständnis und ekklesiologische Akzente. Signifikant ist die neue Grundperspektive: Die Beschreibung des Normalfalls der Messfeier beginnt nicht mehr mit der priesterzentrierten Formel, sondern mit dem Versammeln des Volkes. Damit wird Kirche im Wortsinn als ekklesia erfahrbar, als Versammlung des priesterlichen Gottesvolkes, das das Pascha Mysterium feiert.