Didaktisch eignet sich das Medium besonders für Sequenzen, in denen christliche Anthropologie, Menschenwürde und die Frage nach Freiheit in Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen und technischen Deutungen erschlossen werden. Methodisch empfehle ich eine Abfolge in drei Lernbewegungen. Erstens eine problemorientierte Eröffnung über Irritation und Gegenwartsbezug, etwa durch ein kurzes Video eines Roboters in Interaktion oder durch die provokante These Der Mensch ist nur ein Programm. Schülerinnen und Schüler notieren spontan Zustimmung und Widerspruch und markieren, welche Erfahrungen sie mit KI, Robotik oder Neurobildern verbinden. Zweitens eine historisch kritische Klärung, die zeigt, dass Maschinenbilder vom Menschen keine neue Entdeckung sind. Hier bietet sich eine Gruppenarbeit mit arbeitsteilig recherchierten Stationen an Descartes Borelli La Mettrie Vesalius Vaucanson, jeweils mit einem Produkt wie Kurzpräsentation oder Plakat, das nicht nur Fakten sammelt, sondern die Leitfrage beantwortet, welche Hoffnungen und Ängste mit der jeweiligen Position verbunden sind. Wichtig ist dabei der Perspektivwechsel vom Was konnte die Technik damals wirklich zum Was wurde in sie hineingedeutet, damit Schülerinnen und Schüler den Unterschied zwischen empirischer Leistung und weltanschaulicher Überhöhung erkennen. Drittens eine theologisch reflektierte Vertiefung, in der Körperlichkeit, Personsein und Freiheit als Kernkategorien gesichert werden. Dazu passen Lernaufgaben, die bewusst vom Abstrakten ins Konkrete führen. Das Furby Experiment kann hier als kleine qualitative Studie genutzt werden, um zu beobachten, wie schnell Menschen Intentionalität, Gefühl und Beziehung in ein technisches Gegenüber hineinlesen und wie ambivalent Reaktionen zwischen Neugier, Nähe, Unbehagen und Ablehnung sind. In der Auswertung sollten Kriterien gesammelt werden, was für die Lernenden Personsein ausmacht, etwa Ansprechbarkeit, Verantwortlichkeit, leibliche Präsenz, Geschichte, Gewissen, Beziehung, Verletzbarkeit. Diese Kriterien lassen sich anschließend mit dem christlichen Menschenbild verbinden, etwa über die unverrechenbare Würde jeder Person, die nicht von Leistungsfähigkeit oder kognitiver Funktion abhängt, sowie über Freiheit als Fähigkeit zur Selbstprüfung und zum verantwortlichen Handeln. Die Filmsequenz Awakenings eignet sich als sensibler Brückentext, um die Grenze zwischen neurologischer Diagnose und personaler Wirklichkeit zu thematisieren. Didaktisch hilfreich ist eine doppelte Leitfrage Was zeigt der Film über Gehirnfunktionen und was zeigt er über Personsein, das nicht einfach sichtbar wird. Für die Wahrnehmungsexperimente mit optischen Täuschungen empfehle ich eine klare Struktur Beschreibung ohne Deutung, Hypothesenbildung, Austausch, erst dann kurze Sachklärung. So wird erfahrbar, dass Wahrnehmung konstruiert ist und dass wir uns beim Sehen gleichsam selbst beim Sehen zusehen können. Dieser Schritt ist religionspädagogisch wertvoll, weil er die Meta Ebene der Selbstreflexion einübt, die auch für Gewissen, Freiheit und Glaubensreflexion zentral ist. Abschließend kann eine argumentierende Schreibaufgabe stehen, etwa ein kurzer Essay oder ein Streitgespräch als Rollenspiel zwischen einem Neurowissenschaftler, einer Robotikerin, einem Theologen und einer Schülerin, mit dem Ziel, ein tragfähiges Menschenbild zu formulieren, das naturwissenschaftliche Erkenntnisse würdigt, ohne den Menschen auf Technik und Funktion zu reduzieren. Für die Kompetenzorientierung lassen sich dabei Deutungs, Urteils und Dialogkompetenz gezielt anbahnen, und die Kooperation mit Biologie oder Informatik stärkt die interdisziplinäre Glaubwürdigkeit, ohne den Religionsunterricht in reine Sachkunde zu verwandeln.