RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
WiReLex | Deutsche Bibelgesellschaft

WiReLex | Deutsche Bibelgesellschaft

Begabung - Hochbegabung

Veröffentlichung:31.3.2026

Der Artikel erschließt (Hoch-)Begabung als religionspädagogisches Desiderat: Stephanie Lerke klärt Begriffe, benennt das Forschungsdefizit im Fach und entwickelt biblisch-theologische sowie fachdidaktische Reflexionshorizonte für einen begabungssensiblen und inklusiven Religionsunterricht.


Products

Im begrifflichen Teil unterscheidet Lerke Begabung (leistungsbezogenes Entwicklungspotenzial als Konstellation aus Fähigkeiten, Persönlichkeit und Umwelt), Talent (sichtbar gewordene, fachspezifisch überdurchschnittliche Begabung) und Hochbegabung (quantitativ definiert, meist mittels IQ-Tests erfasst; verschiedene Modelle: statisch/dynamisch, intellektuell/nicht-intellektuell, Kompetenz/Performanz). Sie stellt Förderstrategien vor: Akzeleration (beschleunigtes Lernen, Überspringen von Klassen) und Enrichment (vertikale oder horizontale Vertiefung, Drehtürenmodell). Dabei betont sie, dass rund 50 % der Hochbegabten nicht durch Leistung oder Tests erkannt werden (Underachiever, Twice Exceptionals, Overexcitabilities u. a.); das Konzept „Förderung auf Verdacht" soll begabungssensible Lernumgebungen für alle schaffen.

Der religionspädagogische Teil stellt zunächst das Forschungsdesiderat fest: Anders als in Germanistik oder MINT-Bereich fehlt eine fachspezifische Definition religiöser (Hoch-)Begabung weitgehend. Theologisch-biblisch entfaltet Lerke Begabung als Gabe Gottes (Schöpfung; Gen 1,31; 1 Petr 4,10) und greift Paulus' Charisma-Konzept auf (1 Kor 12): Alle Gaben sind gleichwertig, aufeinander angewiesen und zum Wohl der Gemeinschaft bestimmt; die höchste Gabe ist die Liebe (1 Kor 13). Mit Hartmut Rosas Resonanzkonzept schlägt Lerke vor, religiöse (Hoch-)Begabung als besondere Resonanzfähigkeit zu verstehen – Affiziert-Sein und Selbstwirksamkeitserfahrung im Leib Christi als Resonanzkörper.

Fachdidaktisch formuliert Lerke vier Forderungen: (1) Offene Lehr-Lernformate (Forschungswerkstatt, Projektarbeit, Forschendes Lernen, Stationenlernen) – mit dem Hinweis, dass diese nicht für alle geeignet sind und bildungsferne Schüler benachteiligen können; (2) adaptive Lernarchitekturen (Schoolwide Enrichment Model, Drehtürenmodell auch für Nebenfächer); (3) erweiterte Leistungsbeurteilung (Portfolios, Kompetenzraster, Lernjournal); (4) begabungssensible Ausbildung von Religionslehrkräften. Als etablierte begabungsfördernde Lernumgebung beschreibt sie das vierdimensionale Aneignungsmodell von Wolfhard Schweiker (basal-perzeptiv / konkret-handelnd / anschaulich-modellhaft / abstrakt-begrifflich) sowie das Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen (Freudenberger-Lötz; Schlag/Schweitzer) als Instrument zur Förderung kognitiver Kreativität und divergenten Denkens.

Text

CC BY-SA

24.4.2026

konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

Menschen & Welt

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.