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Magazin ZeitspRUng

Magazin ZeitspRUng

Sich an ein Thema heranrappen

Eine kreative Einstiegsmöglichkeit im RU

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel von Nico Hartung, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (2/2020), beschreibt eine kreative Unterrichtsmethode für den evangelischen Religionsunterricht in Jahrgangsstufe 9: den Einstieg in ein theologisches Thema über das gemeinsame Verfassen und Vorrappen eines Textes. Hartung schildert konkret, wie er zwei neunte Klassen eines Berliner Gymnasiums (19 Schülerinnen) zunächst über einen Rap-Beat aktiviert, gemeinsam mit ihnen einen Vierzeiler zu den Begriffen „Schöpfung" und „Diversität" erarbeitet, Rhythmik und Betonung einübt und schließlich die Lernenden eigene Texte produzieren lässt. Die Einheit mündet in einen gemeinsamen „Song", der die Einzelbeiträge aller Beteiligten verbindet. Ergänzend werden konkrete Schülerinnen-Texte sowie Lernziele aus dem Berliner Rahmenlehrplan (LF 3, Jahrgangsstufe 9) abgedruckt.

Das Medium „Sich an ein Thema heranrappen. Eine kreative Einstiegsmöglichkeit im RU“ von Nico Hartung stellt einen praxisorientierten Unterrichtszugang für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 9 vor. Im Mittelpunkt steht Rap als kreative Methode, mit der sich Lernende den theologischen und ethischen Themen Schöpfung, Diversität und gelingendes Miteinander annähern. Ausgangspunkt ist ein instrumentaler Rap Beat, zu dem zunächst gemeinsam Rhythmus, Reime und erste Textzeilen entwickelt werden. Aus Begriffen wie Schöpfung und Diversität entsteht schrittweise ein gemeinsamer Rap, der Gottes Verhältnis zum Menschen und die Vielfalt der Schöpfung thematisiert. Anschließend sammeln die Lernenden in einer Mindmap unterschiedliche Erscheinungsformen von Vielfalt und setzen sich mit der Frage auseinander, was Gott mit dieser Vielfalt zu tun hat. Auf dieser Grundlage verfassen sie eigene Raptexte. Die weitere Unterrichtseinheit greift Fragen nach Nächstenliebe, dem Menschenbild und Diversität als Teil der Schöpfung auf. Abschließend entstehen in Kleingruppen eigene Songtexte, die aufgenommen werden und Impulse für ein gelingendes menschliches Zusammenleben formulieren.

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Das Medium eignet sich besonders für einen lebensweltorientierten, kreativen und produktionsorientierten Religionsunterricht. Rap wird dabei nicht lediglich als motivierendes Beiwerk eingesetzt, sondern als sprachliche und musikalische Ausdrucksform theologischen Nachdenkens. Die Lernenden müssen Begriffe auswählen, Aussagen verdichten, Positionen formulieren und diese sprachlich so gestalten, dass sie in Rhythmus und Reim funktionieren. Dadurch verbindet die Methode religiöse Reflexion mit ästhetischem Lernen und Sprachbildung. Gerade Themen wie Schöpfung, Vielfalt, Menschenbild, Nächstenliebe und gesellschaftliches Zusammenleben können auf diese Weise aus einer jugendkulturell anschlussfähigen Perspektive erschlossen werden.

Als Einstieg empfiehlt sich die im Medium beschriebene gemeinsame Rhythmusübung. Ein instrumentaler Beat wird abgespielt und zunächst durch gemeinsames Zählen erschlossen. Anschließend wird eine Zahl durch einen theologischen Begriff wie Schöpfung ersetzt und nach einem passenden Reim gesucht. Das Verfahren wird mit einem zweiten Begriff fortgesetzt. Im Unterrichtsbeispiel wird Diversität eingeführt und zunächst als Vielfalt beziehungsweise Vielfältigkeit erläutert. Aus den einzelnen Begriffen und Reimen entstehen schließlich vollständige Zeilen. Der Vorteil dieser kleinschrittigen Vorgehensweise besteht darin, dass auch Lernende ohne Erfahrungen mit Rap beteiligt werden können. Niemand muss zu Beginn einen vollständigen Text verfassen. Rhythmus, Sprache und Inhalt entwickeln sich gemeinsam.

Die Lehrkraft sollte den Beat zunächst bewusst einfach wählen. Ein deutlich hörbarer Takt erleichtert die Orientierung und ermöglicht es, Wörter und Sätze gemeinsam einzusprechen. Hilfreich ist das Prinzip des Vorrapppens und Nachrappens, das auch im Medium verwendet wird. Dabei gibt die Lehrkraft Betonung und Rhythmus vor und die Lerngruppe wiederholt die Zeile. Unterschiedliche Geschwindigkeiten können anschließend erprobt werden. Auf diese Weise können Unsicherheiten reduziert werden. Zugleich wird deutlich, dass Pausen, Betonungen und Rhythmus ebenso wichtige Gestaltungsmittel sind wie Reime.

Für die inhaltliche Weiterarbeit bietet sich die im Medium vorgestellte Mindmap zum Begriff Diversität an. Die Lernenden sammeln unterschiedliche Formen von Vielfalt und dürfen dabei auf Gedanken anderer reagieren. Anschließend werden unklare oder kontroverse Begriffe gemeinsam besprochen. Methodisch kann diese Phase erweitert werden, indem die gesammelten Begriffe Kategorien wie Aussehen, Herkunft, Sprache, Kultur, Religion, Geschlecht, Fähigkeiten, Interessen, Lebensformen und soziale Erfahrungen zugeordnet werden. Dabei sollte die Lehrkraft darauf achten, dass Menschen nicht auf einzelne Merkmale reduziert werden. Ebenso wichtig ist ein wertschätzender Gesprächsrahmen, da Fragen nach Identität, Geschlecht, Sexualität, Religion oder Herkunft persönliche Bereiche berühren können.

Die auf Seite 36 abgebildete Tafel zeigt anschaulich, wie umfangreich eine solche Sammlung werden kann. Rund um den Zentralbegriff Diversität finden sich zahlreiche gesellschaftliche, kulturelle, religiöse und persönliche Aspekte. Das Tafelbild verdeutlicht damit zugleich, dass Vielfalt nicht auf eine einzelne Dimension begrenzt werden kann. Für den Religionsunterricht bietet sich anschließend eine theologische Fokussierung an: Welche dieser Formen von Vielfalt lassen sich mit dem Gedanken der Schöpfung verbinden? Was bedeutet es, Menschen als Geschöpfe Gottes zu verstehen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Anerkennung, Respekt und Zusammenleben?

Der Übergang von der Sammlung zur individuellen Textproduktion sollte durch klare Arbeitsaufträge unterstützt werden. Das Medium fordert die Lernenden auf, einen kurzen Rap mit vier oder acht Zeilen darüber zu schreiben, was Gott mit der Vielfalt des Lebens zu tun hat. Dabei können sie auf Begriffe der Mindmap und auf den zuvor gemeinsam entwickelten Rap zurückgreifen. Für Lernende, denen Reime oder Formulierungen schwerfallen, können Wortlisten, Reimsammlungen oder Satzanfänge bereitgestellt werden. Andere Lernende können komplexere Reimschemata oder längere Texte entwickeln. Damit ermöglicht die Methode eine gute innere Differenzierung.

Die Präsentation sollte sensibel gestaltet werden. Im Unterrichtsbeispiel werden zunächst alle Texte ohne Beat und Rhythmus vorgelesen. Erst danach können Freiwillige ihren Text tatsächlich rappen. Diese Unterscheidung ist didaktisch sinnvoll, da nicht alle Lernenden gerne vor einer Gruppe musikalisch auftreten. Das Schreiben und die theologische Auseinandersetzung sollten deshalb verbindlich sein können, während das öffentliche Rappen freiwillig bleibt. Alternativ können Texte gemeinsam gesprochen, von mehreren Lernenden präsentiert oder digital aufgenommen werden. Dadurch entstehen unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten.

Besonders wichtig ist die anschließende inhaltliche Reflexion. Ein Rap ist im Religionsunterricht nicht nur hinsichtlich Rhythmus und Reim zu betrachten. Entscheidend ist die darin enthaltene religiöse oder ethische Aussage. Die Lernenden können sich gegenseitig erläutern, welches Verständnis von Gott, Mensch, Schöpfung und Vielfalt in ihren Texten sichtbar wird. Dabei können Aussagen auch kritisch geprüft werden. Fragen wie „Welche Vorstellung von Gott steckt in dieser Zeile?“, „Wie wird Vielfalt bewertet?“, „Welches Menschenbild wird sichtbar?“ oder „Welche Konsequenz für unser Handeln wird formuliert?“ führen von der kreativen Gestaltung zur theologischen Reflexion.

Das Medium ordnet die Unterrichtsidee ausdrücklich der Frage nach einem gelingenden Miteinander in der Jahrgangsstufe 9 zu. Als Kompetenzen werden insbesondere das Wahrnehmen und Deuten sowie das Urteilen und Kommunizieren hervorgehoben. Die Lernenden sollen mithilfe der Regeln einer Rapproduktion den theologischen Begriff Schöpfung reflektieren und mit Diversität in Beziehung setzen. Darüber hinaus sollen sie während der gemeinsamen Produktion unterschiedliche Assoziationen austauschen, abwägen und zu gemeinsamen Ergebnissen gelangen. Damit eignet sich die Methode besonders für kooperative Lernformen. Die gemeinsame Entscheidung über Wörter, Reime und Aussagen verlangt Kommunikation, Begründung und Kompromissfähigkeit.

Für eine längere Unterrichtsreihe können die entstandenen Raptexte als Ausgangspunkt für vertiefende theologische Fragen dienen. Das Medium nennt ausdrücklich die Fragen nach der Bedeutung von Nächstenliebe, nach dem Menschen und danach, ob Diversität Teil der Schöpfung ist. Diese Fragen werden mit der ethischen Perspektive verbunden, wie Menschen handeln sollten, damit ein gelingendes Miteinander möglich wird. Hier können biblische Schöpfungstexte, das Gebot der Nächstenliebe oder weitere Texte zu Menschenwürde und Gemeinschaft einbezogen werden. Die Raptexte dienen dann als erste Positionierungen, die im Verlauf der Reihe überprüft, erweitert oder verändert werden können.

Auf Seite 38 präsentiert das Medium beispielhafte Songtexte aus dem Unterricht. Diese thematisieren unter anderem Akzeptanz von Diversität, Zusammenhalt, Nächstenliebe, Aussehen, Sexualität und die Frage, ob Menschen bestimmte Formen von Vielfalt bislang nicht wahrgenommen haben. Diese Beispiele können in einer anderen Lerngruppe als Analysegegenstand verwendet werden. Lernende können untersuchen, welche theologischen Aussagen darin vorkommen, welchen Aussagen sie zustimmen und welche sie kritisch diskutieren möchten. Dabei ist es wichtig, die Texte als Äußerungen von Lernenden und nicht als verbindliche theologische Aussagen zu behandeln.

Als Abschluss einer Unterrichtsreihe eignet sich die gemeinsame Produktion eines Songs. Kleingruppen entwickeln eigene Texte, überarbeiten sie inhaltlich und sprachlich und nehmen sie anschließend auf. Dabei können verschiedene Rollen vergeben werden. Nicht alle Lernenden müssen rappen. Möglich sind Aufgaben beim Schreiben, Sprechen, rhythmischen Gestalten, Aufnehmen oder Präsentieren. Vor einer Veröffentlichung außerhalb der Lerngruppe müssen Einverständnis, Persönlichkeitsrechte und Datenschutz geklärt werden. Eine Veröffentlichung ist für den Lernerfolg jedoch nicht erforderlich.

Insgesamt bietet das Medium einen niedrigschwelligen und zugleich anspruchsvollen Zugang zu theologischen und ethischen Themen. Seine besondere Stärke besteht darin, dass religiöse Begriffe nicht ausschließlich definiert, sondern sprachlich gestaltet, rhythmisch erprobt und miteinander diskutiert werden. Rap ermöglicht dabei eine Verbindung von Lebenswelt und theologischer Reflexion. Entscheidend ist, dass die kreative Produktion nicht zum Selbstzweck wird. Erst durch die gemeinsame Reflexion darüber, welche Vorstellungen von Gott, Schöpfung, Mensch und gelingendem Zusammenleben in den Texten zum Ausdruck kommen, entfaltet die Methode ihr religionspädagogisches Potenzial.


Klassenstufe: Jahrgangsstufe 9 (explizit im Text angegeben; die Methode eignet sich grundsätzlich auch für Klasse 8 oder 10, sofern die Themenkomplexe Schöpfung, Diversität und Nächstenliebe im Lehrplan verankert sind).

Thematische Verortung im katholischen RU: Obwohl der Artikel aus dem evangelischen Kontext stammt, lässt sich die Methode nahtlos in den katholischen Religionsunterricht übertragen. Einschlägige Lernbereiche sind u. a.: Schöpfungstheologie und Schöpfungsverantwortung, Menschenwürde und Gottebenbildlichkeit, Nächstenliebe als ethisches Handlungsprinzip, Kirche und Gesellschaft (Umgang mit Vielfalt, Inklusion).

Methodischer Mehrwert: Der Rap-Ansatz verknüpft ästhetisch-kreatives Lernen mit theologischer Begriffsarbeit. Die rhythmische Struktur zwingt Schüler*innen dazu, theologische Inhalte auf das Wesentliche zu verdichten und sprachlich präzise zu formulieren – eine anspruchsvolle kognitive Leistung, die im traditionellen Unterrichtsgespräch oft ausbleibt. Gleichzeitig senkt das musikalische Element die Hemmschwelle zur Beteiligung, besonders bei thematisch sensiblen Inhalten (Diversität, Sexualität, Identität).

Phasenmodell der Stunde (übertragbar):

Die im Artikel beschriebene Struktur folgt einem klar nachvollziehbaren Ablauf: Aktivierung über Beat und gemeinsames Zählen → angeleitete Reimfindung zu Schlüsselbegriffen → gemeinsames Einüben von Rhythmik und Betonung → Mindmap zur Begriffsvertiefung → individuelle Textproduktion → Präsentation und gemeinsamer Abschluss-Song. Diese Abfolge lässt sich als Planungsschema für eigene Stunden direkt übernehmen.

Differenzierung: Der Artikel benennt offen, dass manche Schüler*innen beim Reimen und Formulieren Unterstützung brauchen, andere hochkonzentriert selbstständig arbeiten. Lehrkräfte sollten Hilfsgerüste bereithalten (z. B. vorgegebene Reimwörter, Satzanfänge oder ein Wortfeld zu den behandelten Begriffen), ohne den kreativen Freiraum zu stark einzuengen.

Mögliche Stolpersteine: Das Einspielen von Musik im Unterricht erfordert organisatorische Vorbereitung (Box, geeigneter Beat, ggf. Genehmigung bei schulischen Aufnahmen). Wichtig ist zudem, dass die Lehrkraft selbst Freude an der Methode zeigt und ggf. selbst (vor-)rappt – die Vorbildfunktion ist laut Hartung entscheidend für die Aktivierung der Klasse. Im konfessionellen Unterricht empfiehlt sich eine sensible Begleitung, wenn Schüler*innen Themen wie Sexualität oder Gender-Identität in ihren Texten aufgreifen.

Weiterführung: Die Methode eignet sich nicht nur als Einstieg, sondern – wie im Artikel gezeigt – als roter Faden einer ganzen Unterrichtseinheit: Kleingruppen produzieren am Ende eigenständige Songs, die aufgenommen und geteilt werden können. Dies stärkt den Kompetenzbereich „Gestalten und Präsentieren" und fördert kooperatives Lernen.

Bezug zu Lehrplan-Kompetenzen (exemplarisch, katholisch): Wahrnehmen und Beschreiben (theologische Begriffe erschließen), Deuten (Schöpfung und Diversität in Beziehung setzen), Urteilen (eigene Position formulieren und begründen), Kommunizieren (im Abstimmungsprozess unterschiedliche Perspektiven aushandeln), Gestalten (kreative Textproduktion als Ausdrucksform religiöser Reflexion).

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

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