Der Artikel analysiert das Konzept der diversitätssensiblen Bildung, das ursprünglich aus dem Personalmanagement stammt und nun im Bildungsbereich zur Bewältigung gesellschaftlicher Komplexität und Pluralisierung herangezogen wird. Diversität wird nicht als statischer Zustand, sondern als anhaltender Prozess der Vervielfältigung verstanden. Diversitätssensibilität bezeichnet eine pädagogisch-professionelle innere Haltung gegenüber Vielfalt, die Aspekte des Wissens, Könnens und der Haltung umfasst und sich auf Achtsamkeit, Feinfühligkeit, Behutsamkeit und Respekt gründet. Der Artikel differenziert drei konstitutive Ebenen des Diversitätsbegriffs: die deskriptive, normative und pragmatische Dimension. Diversitätssensible Bildung zielt auf die Förderung eigenverantwortlicher Selbstbildung ab und steht dem Nivellieren von Identitätsmerkmalen kritisch gegenüber, während sie zugleich strukturelle Benachteiligungen auszugleichen versucht. Ein zentraler Aspekt ist die gegenseitige Anerkennung als reziproker Prozess nach Butler, der Verschiedenheit nicht aufhebt, sondern wertschätzt. Trotz wachsender theoretischer Aufmerksamkeit seit den 1990er-Jahren zeigt sich in der formalen Bildung ein Rückgang von Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Das Konzept verankert sich in lebenslanges Lernen und bezieht sich auf diverse Bildungsorte und Lebensphasen. Diversitätssensible Bildung verbindet kognitive, emotionale und spirituelle Aspekte und positioniert sich gegen populistische, extremistische und eindimensionale Deutungsmuster. Sie versucht, konstruktiv mit Diversität umzugehen und gleichzeitig die Unzugänglichkeit des Anderen anzuerkennen, um das Recht auf Selbstverfügbarkeit zu sichern.