Der Grundtext des Forums 4 ("Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft") wurde am 8.9.2022 von der Synodalversammlung mit 82,8% angenommen. Auch die Mehrheit der anwesenden deutschen Bischöfe hat für diesen Text gestimmt. Dennoch ist er völlig unerwartet an der satzungskonformen Sperrminorität einiger weniger Bischöfe gescheitert.
Worum gehts? Die Sexuallehre der Kirche ist zwar nicht unmittelbare Ursache für sexuellen Missbrauch, aber sie bildet einen normativen Hintergrund, der solche Taten offensichtlich begünstigt hat. Deshalb ist eine selbstkritische Positionsbestimmung zur Lehre der Kirche in Fragen von Liebe, Sexualität und Partnerschaft notwendig. Zwischen der kirchlichen Lehre zur Sexualmoral und dem Leben der Menschen klafft seit langem ein tiefer Graben. Eigenverantwortung und (sexuelle) Selbstbestimmung werden nicht genügend ernst genommen.
Das Medium fasst die zentralen Aussagen des Synodalen Weges im Forum IV „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ zusammen. Ausgangspunkt ist die kritische Feststellung, dass zwischen der kirchlichen Sexualmoral und der Lebenswirklichkeit vieler Menschen seit langem eine erhebliche Distanz besteht. Die traditionelle Sexuallehre der Kirche wird dabei nicht als unmittelbare Ursache sexuellen Missbrauchs verstanden, wohl aber als Teil eines normativen Umfeldes, das problematische Entwicklungen begünstigt haben könnte. Das Dokument plädiert für eine Neubewertung christlicher Sexualethik, in der individuelle Verantwortung, sexuelle Selbstbestimmung und die Würde des Menschen stärker berücksichtigt werden. Sexualität wird als positive Gabe Gottes beschrieben, die Freude, Beziehung, Identitätsentwicklung, Kommunikation und Verantwortung ermöglicht. Zudem wird die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten anerkannt und jede Form von Diskriminierung zurückgewiesen. Auch homosexuelle Partnerschaften, wiederverheiratete Geschiedene und andere verantwortungsvoll gelebte Beziehungen werden als Ausdruck gelingender Liebe gewürdigt. Die Aufgabe der Kirche wird darin gesehen, Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen zu begleiten und zu unterstützen.