Der Artikel beschreibt zunächst die historische Entwicklung der Friedenspädagogik und ihre Bedeutung für die Bundeswehr. Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sollte ein neues soldatisches Selbstverständnis entstehen. Der Soldat sollte nicht mehr bloß als Werkzeug des Staates verstanden werden, sondern als verantwortlicher Staatsbürger in Uniform. Grundlage dafür wurden die Werte des Grundgesetzes wie Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Rechtsstaatlichkeit.
Die Autoren erklären, dass die Innere Führung und der Lebenskundliche Unterricht einen wichtigen Beitrag zur Friedenspädagogik leisten. Ziel ist die Entwicklung einer Persönlichkeit, die Verantwortung übernimmt und moralisch reflektiert handelt. Der Lebenskundliche Unterricht soll helfen, Gewaltbereitschaft zu begrenzen und friedensfördernde Haltungen zu stärken. Dabei geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um Charakterbildung und Selbstreflexion.
Anschließend zeichnet der Artikel die Entstehung des Lebenskundlichen Unterrichts nach. Bereits in den Anfangsjahren der Bundeswehr wurde ein Unterricht eingeführt, der sittliche, geistige und seelische Kräfte fördern sollte. Der Unterricht wurde bewusst teilweise außerhalb militärischer Kontrolle organisiert und von Militärseelsorgern durchgeführt. Dadurch entstand ein demokratischer Freiraum, in dem Lernende offen über moralische Fragen sprechen konnten.
Die Autoren betonen die besondere Bedeutung dieses Freiraums. Der Lebenskundliche Unterricht ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe ohne Leistungsdruck oder Angst vor negativen Konsequenzen. Dadurch können Gewissensfragen, persönliche Erfahrungen und moralische Konflikte ehrlich besprochen werden. Der Unterricht dient somit der freien Persönlichkeitsbildung und der Entwicklung moralischer Urteilskraft.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Menschenführung und Lebenskundlichem Unterricht. Beide Bereiche bilden gemeinsam das Herzstück ethischer Bildung in der Bundeswehr. Die Werte, die im Unterricht vermittelt werden, sollen sich auch im Führungsverhalten und im Alltag der Truppe widerspiegeln. Friedenspädagogik bedeutet dabei, dass Soldaten lernen, Verantwortung für Frieden, Freiheit und Menschenwürde zu übernehmen.
Der Artikel beschreibt außerdem die Entwicklung des Lebenskundlichen Unterrichts von einer christlich geprägten sittlichen Unterweisung hin zu einer verpflichtenden berufsethischen Bildungsmaßnahme ohne konfessionelle Bindung. Trotz dieser Öffnung bleibt die weltanschauliche Sensibilität zentral. Fragen nach Sinn, Leben, Tod, Schuld und Verantwortung können nicht weltanschaulich neutral behandelt werden. Deshalb sehen die Autoren Militärseelsorger als besonders geeignet an, diesen Unterricht durchzuführen.
Zum Schluss formulieren die Autoren eine Definition des Lebenskundlichen Unterrichts. Dieser wird als weltanschaulich sensible Unterrichtung mit ethisch sittlichem Inhalt verstanden, die friedenspädagogische Ziele verfolgt und die Entwicklung verantwortungsbewusster Persönlichkeiten fördern soll. Der Unterricht soll Lernende dazu befähigen, selbstständig moralische Entscheidungen zu treffen und friedensorientiert zu handeln.