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Nordkirche

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Wie siehst du das?

Dialogisches Lernen mit Wimmelbildern in Schule und Gemeinde

Veröffentlichung:10.3.2026

Das Heft Rudi für alle – Wie siehst du das? (Heft 5 der Reihe „RUdi – Religionsunterricht dialogisch") ist ein religionspädagogisches Unterrichtsmaterial des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Nordkirche (PTI Hamburg), erschienen in 1. Auflage September 2025. Es stellt vier großformatige Wimmelbilder als Impulsmaterial für dialogisches Lernen vor: „Was darf ich hoffen?", „Gott und Göttliches", „Pfade zur Menschlichkeit" und „Weihnachten". Jedes Bild ist von einem differenzierten Aufgabenangebot begleitet, das sich an verschiedene Zielgruppen richtet: Grundschule, Sekundarstufe I und II, Berufsschule sowie Konfirmandenarbeit und Jugendgruppen. Die didaktische Grundlage ist der „Dialogische Religionsunterricht für alle" (Rudidaktik), der von den Erfahrungs- und Verstehenshorizonten der Lernenden ausgeht und Dialog als Ansatz, Haltung und Methode versteht. Ergänzt wird das Heft durch digitale Kreativaufgaben mit iPads (M2), eine Freiarbeitscheckliste (M4) sowie eine bildübergreifende Aufgabe zu 16 wiederkehrenden Figuren und Motiven in allen vier Wimmelbildern (M12). Das Heft ist für Schule und Gemeinde konzipiert und richtet sich an alle Altersgruppen von 6 bis 26 Jahren.


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Klassenstufe und Zielgruppenstruktur

Das Heft ist explizit für die Altersspanne 6–26 Jahre konzipiert und bietet für jede Schulstufe eigene, aufeinander abgestimmte Aufgabenblätter. Für die Grundschule (M3) stehen spielerisch-entdeckende Zugänge im Vordergrund: Gedankenreisen durch Rudiland, Perspektivübernahme durch Figurengeschichten, thematisches Sortieren von Szenen sowie kreative Nachgestaltung durch Zeichnen, Rollenspiel und Standbild. Für die Sekundarstufe I (M5) wird das Spektrum um analytische Aufgaben erweitert: Szenen werden gezielt auf Gerechtigkeit und Hoffnung hin untersucht, Diskussionen zum Hoffnungsbegriff werden angebahnt, und kreative Produkte wie Comics oder Hoffnungsgeschichten entstehen. Die Sekundarstufe II (M6) arbeitet auf einem konzeptionellen Niveau: Schüler*innen definieren Begriffe, formulieren Streitfragen zu gesellschaftlichen Themen im Bild, entwickeln Biografien von Figuren und erarbeiten eigenständig Projekte oder Ausstellungskonzepte zur Frage „Was kann ich tun?". Die Berufsschule (M7) betont den Lebensweltbezug junger Erwachsener: Szenen werden auf ihre Relevanz für den eigenen Alltag hin befragt, eigene Handlungsmöglichkeiten reflektiert und zusätzliche Motive selbst erfunden und ins Bild eingetragen. Für Konfirmandenarbeit und Jugendgruppen (M8) wird ein mehrstufiges Gruppenformat vorgeschlagen: Nach einem Warming-up (Spiele zur Einstimmung) folgen Kleingruppenarbeit mit Lupenfokus, gemeinsames Schreiben einer Hoffnungsgeschichte und schließlich die Produktion und Präsentation von PaperClip-Erzählvideos (90–120 Sek.). Dieses Format eignet sich besonders für Projekttage, Konfi-Wochenenden und Jugendgottesdienstvorbereitung.

Thematische Verortung im katholischen RU

Das Heft stammt aus dem evangelischen Kontext der Nordkirche, ist aber im katholischen Religionsunterricht ohne inhaltliche Abstriche vollständig einsetzbar. Alle vier Wimmelbilder greifen Themen auf, die im katholischen Lehrplan zentral verankert sind. Das Bild „Was darf ich hoffen?" bietet Einstiegspunkte in die Eschatologie, die Reich-Gottes-Botschaft Jesu sowie die Sozialethik (Armut, Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung). „Gott und Göttliches" ist geeignet für Unterrichtseinheiten zur Gottesfrage, zu Gottesvorstellungen und zur Theodizee, aber auch für interreligiöse Begegnungen. „Pfade zur Menschlichkeit" bietet Anknüpfungspunkte an die christliche Ethik (Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Menschenwürde), die Befreiungstheologie und die Caritas-Tradition. Das Weihnachtsbild eignet sich nicht nur für Unterrichtseinheiten zur Weihnachtsgeschichte im engeren Sinne, sondern auch als Ausgangspunkt für Gespräche über Inkarnation, Solidarität, Fest und Alltag sowie die Spannung von Freude und Leid. Für den konfessionellen RU kann die Lehrkraft ausgewählte Bibelstellen oder Katechismustexte ergänzend einsetzen – das Heft setzt jedoch explizit kein Begleitmaterial voraus und funktioniert als eigenständige Unterrichtsgrundlage.

Didaktische Grundlage: Rudidaktik und dialogischer Religionsunterricht

Die theoretische Grundlage des Heftes ist die sogenannte Rudidaktik, die von den Autorinnen Andreas Gloy und Dennis Graham entwickelt wurde und sich auf Martin Bubers dialogische Philosophie (Ich-Du-Beziehung) stützt. Der Kern dieser Didaktik ist die Überzeugung, dass religiöse Orientierung nicht durch Wissensvermittlung entsteht, sondern durch einen gemeinsamen Suchprozess der Lerngruppe. Die Lehrkraft versteht sich dabei nicht als Vermittlerin von Inhalten, sondern als „Konstruktionshelferin", die ein vertrauensvolles Unterrichtsklima sichert, in dem Schülerinnen als Expert*innen ihrer eigenen Erfahrungen ernst genommen werden. Dialog wird in diesem Rahmen als dreifache Größe verstanden: als didaktischer Ansatz (Ausgangspunkt sind Fragen der Lernenden), als Haltung (Offenheit, Wertschätzung, Mut zur Kontroverse) und als Methode (Gespräch, Perspektivwechsel, kooperative Deutungssuche). Für den katholischen RU ist diese Grundlage besonders anschlussfähig an das Konzept der Korrelationsdidaktik sowie an den Ansatz des Theologisierens mit Kindern und Jugendlichen.

Methodischer Mehrwert der Wimmelbilddidaktik

Wimmelbilder eignen sich als niedrigschwelliger, inklusions- und differenzierungsfreundlicher Einstieg, weil sie keinen Lesetext voraussetzen und Lernende mit unterschiedlichen sprachlichen, kognitiven, religiösen und kulturellen Voraussetzungen gleichermaßen aktivieren. Die Bilder sind bewusst mehrdeutig gestaltet: Szenen können von verschiedenen Lernenden unterschiedlich gedeutet werden, ohne dass eine Interpretation als „richtig" ausgewiesen wird. Gerade diese Offenheit erzeugt genuine Gesprächsanlässe, weil unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinander stehen und kommuniziert werden müssen. Die Wimmelbilder funktionieren dabei auf mehreren Bedeutungsebenen gleichzeitig: Eine jüngere Schülerin sieht im Bild zunächst konkrete Szenen (Tiere, Fahrzeuge, Spielende), während ältere Lernende dieselben Szenen auf gesellschaftliche oder religiöse Fragen hin lesen können. Diese Mehrschichtigkeit macht die Bilder für alle Altersgruppen tragfähig. Zudem ist der spielerische Einstieg über das Suchen und Entdecken motivational wirksam: Schüler*innen kommen von sich aus ins Gespräch, ohne dass eine Lehrkraft thematisch einleiten muss.

Aufgabenstruktur und methodische Dreigliederung

Alle Aufgabenblätter folgen einer bewährten methodischen Dreigliederung: Suchen und Wahrnehmen → Analysieren und Diskutieren → Kreativ sein und Gestalten. Diese Struktur ermöglicht sowohl einfachere beobachtende Zugänge für schwächere Lernende als auch anspruchsvollere analytische und kreative Bearbeitungsformen für leistungsstarke Schülerinnen – und damit echte Binnendifferenzierung ohne zusätzlichen Aufwand. Die Wahrnehmungsphase wird häufig durch spielerische Einstiege eröffnet (z. B. „Ich sehe was, was du nicht siehst"), die niederschwellig und sprachunabhängig funktionieren. Die Analysephase führt zu gesteuertem Diskutieren, etwa durch Streitfragen, Begriffsklärungen oder strukturierte Plenumsgespräche. Die Gestaltungsphase bietet maximale Produktoffenheit: Schülerinnen können schreiben, zeichnen, spielen, filmen oder präsentieren – je nach Lerngruppe und Ausstattung.

Zur Freiarbeit mit Checkliste (M4)

Die Freiarbeitscheckliste zum Bild „Was darf ich hoffen?" enthält 12 nummerierte Aufgaben zu konkreten Szenen des Bildes: von der Tafel (Lebensmittelhilfe), über Windräder und Tiny-House, bis hin zu Ungerechtigkeit in der Schule und der Frage nach Hoffnung. Die Aufgaben sind bewusst nicht nach Schwierigkeitsstufen geordnet, sondern motivational offen gehalten, sodass Schüler*innen selbst wählen können, womit sie beginnen. Die Checkliste eignet sich als Grundlage für offene Lernphasen, Stationsarbeit oder individuelle Hausaufgaben. Besonders wertvoll ist Aufgabe 11 (Recherche und Kurzvortrag), die fächerübergreifende Kompetenzen fördert, und Aufgabe 12 (Ungerechtigkeit in der eigenen Schule), die den Transfer auf den unmittelbaren Lebensraum anregt.

Digitale Aufgaben: M2 / RUDIGITAL

Das Heft enthält ein eigenes Aufgabenblatt (M2) für die Arbeit mit iPads, das drei Aufgabenformate anbietet. Erstens: ein Hoffnungs-Quiz, bei dem Schülerinnen Szenen des Wimmelbildes in Keynote oder Bookcreator vertonen und mit Buttons versehen. Zweitens: ein Hoffnungs-Comic-Clip, der mithilfe der App Clips im Comic-Heft-Filter produziert wird – technisch sehr einfach, auch für Kameerscheue durch Trickfilm mit Figuren oder Zeichnungen realisierbar. Drittens: eine Sinnfluencerinnen-Story, bei der Schüler*innen im Format einer Social-Media-Story (max. 6 Einstellungen) gerechtes Handeln im Bild aufspüren und dokumentieren. Alle drei Formate sind niedrigschwellig und ohne aufwendigen Videoschnitt realisierbar. Sie sind ausdrücklich nicht für die Veröffentlichung im Internet vorgesehen, sondern für die klasseninterne Präsentation, was datenschutzrechtliche Bedenken ausräumt. In Schulen ohne iPads lassen sich die Formate sinngemäß mit Smartphones oder als analoge Varianten (Plakatgestaltung, Fotogeschichte) umsetzen.

Bildübergreifende Sequenzierung: M12

Das Aufgabenblatt M12 erschließt 16 wiederkehrende Figuren und Motive, die in allen vier Wimmelbildern auftauchen: darunter Katze und Maus, die Friedenstaube mit Ölzweig, ein Kreis religiöser Symbole, der Steinbock, die Figuren Nelli, Rigoberta und Herr Kumpermann, die Hoffnungsschnecke, ein Spatz, ein Fußball, eine Sitzbank, das gelbe Auto, ein Schmetterling, ein Apfelbaum, eine Entenfamilie und Opa Rudi. Zu jeder dieser Figuren werden konkrete Impulsfragen gestellt, die zum Nachdenken, Spekulieren und Erzählen einladen. Dieses Blatt eignet sich hervorragend für eine Abschlusseinheit am Ende einer Wimmelbild-Sequenz, wenn mindestens zwei Bilder bereits bearbeitet wurden. Es fördert vernetztes Denken und metakognitives Reflektieren – Schüler*innen erkennen, dass dieselben Figuren in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen annehmen können.

Einsatz in der Gemeindearbeit und Konfirmandenarbeit

Das Heft ist ausdrücklich nicht nur für die Schule, sondern auch für Gemeinde und Jugendarbeit konzipiert. Das Konfi-Format (M8) ist vollständig ausgearbeitet und erfordert nur einfaches Material (Süßigkeiten zur Gruppenbildung, Wimmelbildausdrucke, Smartphones). Die PaperClip-Methode ist über einen QR-Code in 6,5 Minuten erlernbar. Für Projekttage, Konfi-Wochenenden oder Jugendgottesdienstvorbereitung bietet das Heft ein in sich geschlossenes Format mit Warming-up, Kleingruppenarbeit, kreativem Produkt und Reflexionsimpulsen.

Hinweise zur praktischen Vorbereitung

Die Autor*innen empfehlen für alle Wimmelbilder die Herstellung laminierter A3-Farbausdrucke, die klassenweise wiederverwendet werden können. Das digitale Heft mit allen Wimmelbildern zum Download ist über QR-Codes auf Seite 2 zugänglich (pti.nordkirche.de). Lehrkräfte, die das Heft zum ersten Mal einsetzen, können zunächst mit einem einzigen Wimmelbild und der übergreifenden Aufgabenstruktur (Suchen → Analysieren → Gestalten) beginnen und das Material schrittweise ausbauen.

Bild, Text

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10.3.2026

konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

Unterrichtseinheit

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Lernen über Heterogenität/Inklusion

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