Der Artikel untersucht den Begriff Widerstand am Beispiel des deutschen Widerstands gegen Hitler und grenzt ihn zugleich von heutigen politischen Selbstinszenierungen ab. Der Autor zeigt, dass Bewegungen wie PEGIDA oder die Querdenker den Begriff Widerstand missbrauchen, wenn sie sich in die Tradition von Menschen stellen, die unter einer Diktatur gegen ein menschenfeindliches Regime gekämpft haben. Darin liegt nach seiner Auffassung eine absichtsvolle Verwechslung, weil Protest gegen eine demokratische Ordnung nicht mit dem Kampf gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gleichgesetzt werden kann.
Im historischen Teil arbeitet der Text heraus, dass Widerstand gegen eine fremde Besatzung in der Geschichte oft breite Anerkennung findet, während Widerstand gegen ein Regime aus dem eigenen Land wesentlich schwieriger ist. Im Nationalsozialismus galt der Feind nicht als äußere Macht, sondern trat als angeblicher Retter des Vaterlandes auf. Deshalb mussten diejenigen, die sich gegen Hitler und seine Herrschaft stellten, nicht nur persönliche Gefahr auf sich nehmen, sondern auch gegen die Zustimmung, Gleichgültigkeit oder Verblendung der Mehrheit handeln. Widerstand bedeutete daher Einsamkeit, gesellschaftliche Isolation und den Verzicht auf Zustimmung.
Der Autor beschreibt, dass sich viele Deutsche an Werte wie Gehorsam, Treue und Unterordnung gebunden fühlten. Diese Prägung erschwerte es, sich gegen die Diktatur aufzulehnen. Selbst Menschen, die vieles ablehnten, hielten oft aus Pflichtgefühl oder aus nationaler Loyalität still. Hinzu kam der wachsende Terror des Regimes, der Kritiker einschüchterte und schweigen ließ. Nach 1945 wurde der Widerstand zudem lange unzureichend gewürdigt. Kommunistischer Widerstand wurde im Westen oft abgewertet, während er in der DDR ideologisch überhöht wurde. Auch konservative Gruppen wie der Kreisauer Kreis oder die Männer des 20. Juli wurden erst allmählich als Widerstandskämpfer anerkannt. Einzelne wie Georg Elser fanden sogar erst sehr spät öffentliche Wertschätzung.
Ein zentrales Thema des Artikels ist die Frage, warum es so wenige Widerstandskämpfer gab und warum ihr Handeln so spät einsetzte. Der Autor verweist darauf, dass die Mehrheit der Deutschen die frühen Rechtsbrüche des Regimes hinnahm. Die Verfolgung politischer Gegner, die Entrechtung der Juden, die Errichtung von Konzentrationslagern und die Gewalt der SA wurden nicht mit öffentlichem Protest beantwortet. Auch nach den Morden des Jahres 1934 blieb breiter Widerspruch aus. Das zeigt nach Ansicht des Autors, wie schnell Rechtsempfinden und politische Moral in der nationalen Begeisterung für die angebliche Erneuerung Deutschlands geschwächt wurden.
Der Artikel betont außerdem die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Gewissen in der deutschen Bevölkerung. Viele Menschen ahnten oder wussten von Verbrechen des Regimes, vor allem vom Judenmord, wollten dieses Wissen aber nicht an sich heranlassen. Daraus entstand eine Form der Verdrängung, in der die Wahrheit zwar vorhanden war, aber nicht anerkannt wurde. Der Text beschreibt verschiedene Phasen der Wahrnehmung des Regimes. Nach den Novemberpogromen, mit Beginn des Krieges, mit dem Überfall auf die Sowjetunion und schließlich nach Stalingrad verdichteten sich in der Bevölkerung die Kenntnisse über die Natur des Regimes und seine Verbrechen. Dennoch führte dieses Wissen meist nicht zu aktivem Widerstand.
Im weiteren Verlauf entwickelt der Autor ein Verständnis von Widerstand als Haltung und als Handlung. Widerstand ist für ihn mehr als innere Ablehnung, Spott oder private Kritik. Erst wenn aus der ablehnenden Haltung eine bewusste Handlung wird, die auf Veränderung zielt und persönliche Gefährdung in Kauf nimmt, kann von Widerstand gesprochen werden. Voraussetzung dafür ist die Bewahrung eigener moralischer Maßstäbe und die Weigerung, sich vollständig anzupassen. Ohne innere Distanz zum Regime ist Widerstand nicht möglich, doch diese Distanz allein reicht noch nicht aus.
Anschließend geht der Artikel auf die Schwierigkeiten ein, Widerstand begrifflich zu bestimmen. Nach 1945 prägten politische Interessen die Deutung des Widerstands. In der Bundesrepublik sprach man lange von einem Widerstand ohne Volk, in der DDR wurde der kommunistische Widerstand als einzig legitimer Antifaschismus dargestellt. Der Vorschlag, mit dem Begriff Resistenz auch Formen der Verweigerung und des abweichenden Alltagsverhaltens zu erfassen, setzte sich nicht durch, weil er den Widerstandsbegriff zu weit ausdehnte. Der Autor plädiert dafür, Widerstand im engeren Sinn als Handeln zu verstehen, das aus ethischen, politischen, religiösen, sozialen oder individuellen Motiven auf die Überwindung des Regimes zielt.
Der Artikel stellt danach verschiedene Gruppen und Formen des Widerstands vor. Kommunisten leisteten früh Widerstand, allerdings oft unter hohen Verlusten und mit begrenzter Wirkung. Nichtkommunistische Arbeitergruppen und Gewerkschafter brauchten länger, um sich zu organisieren. Konservative und militärische Kreise wie der Goerdeler Kreis, der Kreisauer Kreis und die Gruppe um Canaris, Beck und Halder begannen erst später, Pläne gegen Hitler zu entwickeln. Christen leisteten meist nicht als Kirchen, sondern als Einzelne Widerstand, etwa Bischof von Galen oder Pastor Paul Schneider. Die Zeugen Jehovas verweigerten sich geschlossen dem Regime und wurden dafür massiv verfolgt. Jugendliche Gruppen wie Edelweiß Piraten, Swingjugend oder die Weiße Rose zeigten ebenfalls oppositionelles Verhalten, wobei die Weiße Rose mit ihren Flugblättern offen zum Widerstand aufrief und dafür mit dem Tod bezahlte.
Besondere Aufmerksamkeit erhält Georg Elser, der schon 1939 allein ein Attentat auf Hitler plante und ausführte, um Krieg und weiteres Unheil zu verhindern. Seine Tat scheiterte nur durch Zufall. Lange wurde sein Handeln verkannt, weil man sich nicht vorstellen wollte, dass ein einzelner Arbeiter aus eigener moralischer Einsicht so weit gegangen war. Auch die Rote Kapelle wird als vielfältige Gruppe von Intellektuellen und Regimegegnern beschrieben, die nicht auf die von der NS Propaganda behauptete kommunistische Spionage reduziert werden darf.
Ein weiterer Abschnitt fragt nach jüdischem Widerstand. Der Autor betont, dass es im Herrschaftsbereich des Nationalsozialismus nur sehr begrenzte Möglichkeiten für jüdischen Widerstand gab. In Deutschland nennt er kleinere Gruppen wie die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau, Chug Chaluzi und die Herbert Baum Gruppe. Außerdem hebt er die Hilfe für verfolgte Juden durch nichtjüdische Menschen hervor, die heute teils als Rettungswiderstand bezeichnet wird. Als singuläres Beispiel offenen öffentlichen Widerstands schildert der Text den Protest in der Rosenstraße, bei dem nichtjüdische Ehefrauen und Angehörige für die Freilassung ihrer jüdischen Männer demonstrierten. Dieser Protest zeigt nach Ansicht des Autors, dass mutige Opposition selbst im Nationalsozialismus möglich war.
Der Beitrag behandelt auch das Nationalkomitee Freies Deutschland und den Bund Deutscher Offiziere, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heraus gegen Hitler wirken wollten. Ihre Appelle blieben jedoch weitgehend wirkungslos. Ebenso wird die Fahnenflucht thematisiert. Tausende Soldaten versuchten, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Dass die Urteile gegen Deserteure später aufgehoben wurden, deutet der Autor als späte Anerkennung, dass auch darin Widerstand liegen konnte.
Am Ende fragt der Text nach den Möglichkeiten und Grenzen deutschen Widerstands. Die entscheidende Frage bleibt, warum so wenige Menschen Widerstand leisteten, warum dies so spät geschah und warum der Widerstand kaum erfolgreich war. Der Autor sieht die Gründe in der Verbindung von Diktatur, Krieg, Pflichtgefühl, Angst, Anpassung und nationalem Denken. Viele Menschen erkannten das Unrecht, hielten aber trotzdem am Gedanken fest, zunächst das Vaterland nach außen verteidigen zu müssen. Die späte Lehre aus dieser Geschichte lautet für den Autor, dass Widerstand gegen Unrecht früh beginnen muss, wenn Demokratie und Menschenwürde bewahrt werden sollen.