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Loccumer Pelikan

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Alter und neuer Rassismus

Veröffentlichung:16.1.2026

Das Medium „Alter und neuer Rassismus“ von Harmjan Dam entfaltet einen religionspädagogisch fundierten Unterrichtsentwurf für die Klassen 9/10, der das hochaktuelle Thema Rassismus systematisch mit kirchengeschichtlichen, theologischen und ethischen Perspektiven verbindet. Ausgangspunkt ist die gesellschaftliche Gegenwart, in der Rassismus nicht nur als individuelles Vorurteil, sondern als strukturelles Problem demokratischer Gesellschaften sichtbar wird. Der Entwurf reagiert bewusst auf aktuelle Diskurse, politische Entwicklungen und zivilgesellschaftliches Engagement und verortet den Religionsunterricht als Lernraum, in dem historische Tiefenschärfe, christliches Menschenbild und ethische Urteilskompetenz miteinander verschränkt werden.

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In der ausführlichen Beschreibung wird deutlich, dass der Entwurf Rassismus nicht isoliert als moralisches Fehlverhalten behandelt, sondern als historisch gewachsene, ideologisch begründete und gesellschaftlich wirksame Denk- und Handlungspraxis. Der Religionsunterricht erhält dabei einen spezifischen Mehrwert: Er erschließt Rassismus aus der Perspektive des christlichen Menschenbildes und der biblisch-theologischen Tradition, in der die Gottebenbildlichkeit aller Menschen, die unantastbare Würde jedes Einzelnen und das universale Gebot der Nächstenliebe zentrale Orientierungsgrößen darstellen. Die biblischen Bezüge – vom Gebot der Gastfreundschaft über die Erfahrung von Fremdlingschaft Israels bis hin zu Jesu Identifikation mit den Fremden – zeigen, dass Ausgrenzung und rassistische Hierarchisierung dem biblischen Zeugnis fundamental widersprechen. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass Abgrenzungen in biblischen Texten nicht ethnisch oder biologisch begründet sind, sondern religiös-kultisch motiviert und damit nicht mit modernem Rassismus gleichgesetzt werden dürfen.

Didaktisch zentral ist die Einsicht, dass eine Auseinandersetzung mit Rassismus ohne historische Dimension verkürzt bleibt. Der Entwurf argumentiert überzeugend, dass kirchengeschichtliche Tiefenschärfe notwendig ist, um gegenwärtige Phänomene einordnen und beurteilen zu können. Zugleich reflektiert er realistisch die Distanz vieler Jugendlicher zur Geschichte und nimmt diese didaktische Herausforderung ernst. Die vorgestellte Dreiteilung kirchengeschichtlicher Zugänge – traditionserschließend, biografisch und ethisch – fungiert nicht nur als theoretischer Rahmen, sondern wird konkret auf das Thema Rassismus bezogen. Dadurch wird Kirchengeschichte nicht als bloße Abfolge vergangener Ereignisse vermittelt, sondern als Deutungsraum, in dem sich Optionen, Brüche, Schuld, Mut und Ambivalenzen christlichen Handelns zeigen.

In der konkreten Unterrichtsreihe über drei Doppelstunden wird diese Konzeption schülernah umgesetzt. Der Einstieg über ein Rollenspiel zu Privilegien ermöglicht einen erfahrungsbasierten Zugang, der eigene Positionierungen, Ungleichheiten und strukturelle Vorteile sichtbar macht und so eine Brücke zur Lebenswelt der Lernenden schlägt. Die anschließende Klärung des Rassismusbegriffs sichert die Ergebnisse begrifflich und verhindert eine bloß emotionale Verkürzung. In der zweiten Doppelstunde wird der historische Horizont geöffnet, indem die Rassenlehre des Nationalsozialismus und ihre Konsequenzen thematisiert werden. Besonders didaktisch wirksam ist die biografische Gruppenarbeit zu fünf unterschiedlichen Personen aus dem kirchlichen Kontext der NS-Zeit. An ihren Handlungsspielräumen, Entscheidungen und theologischen Begründungen wird deutlich, dass christliches Handeln unter diktatorischen Bedingungen nicht eindeutig, sondern von Ambivalenzen, Mut, Anpassung und Schuld geprägt ist. Die Auswahl der Personen – vom ökumenisch engagierten Widerstand über individuelle Hilfe bis hin zur nationalsozialistischen Anpassung – verhindert Heroisierung und fördert differenzierte Urteilsbildung.

Die dritte Doppelstunde führt die Lernenden bewusst zurück in die Gegenwart. Aufbauend auf den historischen und theologischen Einsichten entwickeln die Schüler*innen eigene Ausdrucksformen gegen Rassismus, etwa in Form von Bannern oder Plakaten für Demonstrationen. Dieser gestaltende Zugang verbindet ethische Reflexion mit Handlungsorientierung und stärkt demokratische Beteiligungskompetenzen, ohne zu überwältigen oder politisch zu instrumentalisieren. Religionspädagogisch wird dabei sichtbar, dass christliche Ethik nicht bei Analyse und Kritik stehen bleibt, sondern zur verantwortlichen Positionierung und zum Engagement im öffentlichen Raum ermutigt.

Insgesamt zeichnet sich das Medium durch eine hohe didaktische Klarheit, eine theologisch verantwortete Grundlegung und eine konsequente Kompetenzorientierung aus. Es zeigt exemplarisch, wie Religionsunterricht einen Beitrag zur politischen Bildung leisten kann, ohne seine eigene Perspektive aufzugeben. Durch die Verbindung von Gegenwartsbezug, Kirchengeschichte und ethischer Reflexion befähigt der Entwurf Jugendliche, Rassismus als Unrecht zu erkennen, historisch einzuordnen, theologisch zu bewerten und im eigenen Handeln begründet abzulehnen.

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16.1.2026

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Menschen & Welt

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