Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Paulus, Philemonbrief, Sklaverei in der Antike, Freiheit, Menschenwürde, Gleichheit und christlicher Gemeinschaft. Der szenische Charakter bietet einen emotionalen und zugleich problemorientierten Zugang zu einem sehr kurzen neutestamentlichen Brief. Das Material selbst sieht eine szenische Lesung mit vier Rollen vor, nämlich Erzähler, Onesimus sowie zwei versklavten Personen. Im Unterricht können diese Rollen von Lernenden übernommen werden. Bei einer umfangreicheren Lerngruppe empfiehlt es sich, das Sprechstück auf mehrere Gruppen zu verteilen oder weitere Lernende mit Beobachtungsaufträgen einzubeziehen. Diese können beispielsweise festhalten, wie Onesimus über sich selbst spricht, wie andere über ihn sprechen, welche Vorstellungen von Freiheit auftreten und wie sich seine Haltung im Verlauf der Handlung verändert. Besonders wirkungsvoll ist es, die Lektüre zunächst vor der Rückkehr des Onesimus zu unterbrechen. Die Lernenden entwickeln Vermutungen darüber, wie seine Geschichte weitergehen könnte und welche Entscheidung Paulus treffen sollte. Dadurch wird die Spannung zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der historischen Wirklichkeit der Sklaverei sichtbar. Ein zentraler Arbeitsauftrag kann an die Aussagen des Onesimus anknüpfen, dass er Mensch sein, frei sein und selbst bestimmen möchte. Die Lernenden können daraus ein Begriffsnetz zu Freiheit entwickeln und zwischen äußerer Freiheit, innerer Freiheit, sozialer Freiheit und religiös verstandener Freiheit unterscheiden. Wichtig ist dabei, die historische Sklaverei nicht vorschnell mit alltäglichen Erfahrungen von Unfreiheit gleichzusetzen. Die rechtliche und soziale Verfügung über versklavte Menschen muss in ihrer historischen Eigenart deutlich benannt werden. Für eine weitere Erarbeitungsphase können die Lernenden die Vorstellungen von Paulus und Onesimus untersuchen. Das Sprechstück lässt Onesimus aus der Botschaft des Paulus die Konsequenz ziehen, dass vor Gott alle Menschen gleich seien und daher auch Philemon und Onesimus nicht grundsätzlich voneinander getrennt werden dürften. Diese Aussagen sollten anschließend mit dem tatsächlichen Philemonbrief verglichen werden. So können die Lernenden unterscheiden, welche Aussagen unmittelbar aus dem biblischen Text stammen und welche Elemente zur dramatischen Gestaltung und Interpretation des Mediums gehören. Gerade diese Unterscheidung fördert einen reflektierten Umgang mit biblischen Aktualisierungen. Besonders ergiebig ist die abschließende Rückkehr des Onesimus. Die Lernenden können zunächst darüber diskutieren, ob Paulus angemessen handelt, wenn er Onesimus zu Philemon zurückschickt. Das Sprechstück formuliert selbst die kritische Anfrage, ob trotz aller Rede von Freiheit am Ende nicht doch alles beim Alten bleibt. Anschließend kann untersucht werden, welche Veränderung die Bezeichnung des Onesimus als Bruder bedeutet. In einem Standbild können Lernende die Beziehung zwischen Philemon, Onesimus und Paulus vor und nach dem Brief darstellen. Abstände, Blickrichtungen und Körperhaltungen machen dabei Macht, Abhängigkeit und mögliche Veränderungen sichtbar. Eine weitere Möglichkeit ist ein fiktives Streitgespräch: Eine Gruppe vertritt die Auffassung, der Philemonbrief stelle die Sklaverei grundsätzlich infrage, während eine andere Gruppe argumentiert, Paulus akzeptiere die bestehende Ordnung. Beide Positionen müssen mit Beobachtungen aus dem Text begründet werden. Für ältere Lernende bietet sich eine differenzierte ethische Urteilsbildung an, bei der zwischen der historischen Situation des Textes, seiner theologischen Vorstellung von Geschwisterlichkeit und heutigen Vorstellungen universaler Menschenrechte unterschieden wird. Kreativ kann die Unterrichtseinheit durch einen Brief des Onesimus an Paulus oder durch eine Antwort des Philemon auf den paulinischen Brief vertieft werden. Ebenso können die Lernenden eine zusätzliche Szene entwerfen, in der Onesimus nach seiner Rückkehr mit Philemon über Freiheit und Geschwisterlichkeit spricht. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, aus der Perspektive der Hausgemeinde zu schreiben. Diese Perspektive ist besonders interessant, weil das Medium am Ende ausdrücklich darauf hinweist, dass der Brief nicht ausschließlich an Philemon gerichtet ist, sondern vor der gesamten Hausgemeinde vorgelesen wird. Dadurch wird aus einer scheinbar privaten Angelegenheit eine Frage der gesamten christlichen Gemeinschaft. Als Ergebnissicherung können die Lernenden die Leitfrage beantworten, was sich verändert, wenn ein versklavter Mensch nicht mehr nur als nützlich, sondern als Bruder wahrgenommen wird. So verbindet das Medium historische Bibelarbeit mit Perspektivübernahme, ethischer Urteilsbildung und einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Menschenwürde, Freiheit und der gesellschaftlichen Bedeutung christlichen Glaubens.