Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders geeigneten Zugang zur Frage, welche gesellschaftliche Bedeutung biblische Gebote besitzen und wie sich Gottesbeziehung und soziale Verantwortung aufeinander beziehen. Als Einstieg kann der Titel „Du kannst nicht so tun, als ginge es dich nichts an“ ohne weitere Erklärung präsentiert werden. Die Lernenden sammeln Situationen aus Alltag und Gesellschaft, in denen Menschen wegsehen oder Verantwortung übernehmen können. Anschließend können sie Vermutungen formulieren, was ein mehr als zweitausend Jahre alter biblischer Gesetzestext zu solchen Situationen beitragen könnte. Für die Erarbeitung eignet sich besonders eine arbeitsteilige Gruppenarbeit. Die einzelnen Textabschnitte werden verschiedenen Gruppen zugeordnet, die jeweils herausarbeiten, welches Problem angesprochen wird, wer geschützt werden soll, welche konkrete Handlung verlangt wird und welche Begründung der Text dafür gibt. Die Ergebnisse können unter übergeordneten Kategorien wie Armut, Verschuldung, Recht, Flucht, Natur, Tiere und soziale Verantwortung zusammengeführt werden. Besonders ergiebig ist die Beschäftigung mit dem Ideal einer Solidargemeinschaft. Die Aussage, dass es eigentlich keine Armen geben sollte, steht im selben Zusammenhang wie die realistische Feststellung, dass arme Menschen niemals vollständig verschwinden werden. Daraus ergibt sich ein produktiver Gesprächsanlass über den Unterschied zwischen gesellschaftlichem Ideal und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Für ältere Lernende bietet sich eine Aktualisierung ausgewählter Vorschriften an. Sie können überlegen, welche heutigen gesellschaftlichen Regelungen ähnliche Anliegen verfolgen. Dabei sollte nicht vorschnell behauptet werden, moderne Sozialstaatlichkeit lasse sich unmittelbar aus dem Deuteronomium ableiten. Vielmehr können Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden. Das Erlassjahr ermöglicht beispielsweise eine Auseinandersetzung mit Verschuldung, Abhängigkeit und der Frage nach wirtschaftlichen Neuanfängen. Die Vorschrift, einen freigelassenen Menschen nicht mit leeren Händen fortzuschicken, verdeutlicht darüber hinaus, dass Freiheit nach dem Text auch materielle Voraussetzungen benötigt. Das Gebot einer gerechten Rechtsprechung kann genutzt werden, um über Gleichheit vor dem Recht, Bestechung und die Bedeutung unabhängiger Urteile nachzudenken. Besonders einprägsam ist die Aufforderung, der Gerechtigkeit nachzujagen. Einen lebensweltlich zugänglichen Schwerpunkt bietet die Vorschrift zur konkreten Hilfe. Wer sieht, dass ein Tier unter seiner Last zusammenbricht, soll nicht untätig bleiben, sondern helfen. Die Lernenden können daraus Situationen entwickeln, in denen Wegsehen und Eingreifen einander gegenüberstehen, und Kriterien dafür formulieren, wann Menschen Verantwortung übernehmen müssen. Auch die Texte zum Schutz von Fremden, Waisen und Witwen ermöglichen eine ethische Urteilsbildung. Besonders die Vorschrift, einen Schutzsuchenden nicht auszuliefern, ihn selbst einen Wohnort wählen zu lassen und ihn nicht auszubeuten, kann als historischer Text untersucht und anschließend mit heutigen Vorstellungen von Schutz, Menschenwürde und gesellschaftlicher Teilhabe ins Gespräch gebracht werden. Methodisch bietet sich außerdem eine Aktualisierungsaufgabe an, bei der Lernende einen ausgewählten Text zunächst in eigenen Worten wiedergeben und danach ein modernes Beispiel formulieren, das dessen Grundanliegen verdeutlicht. Die Texte über das Vogelnest, den Schutz des Baumbestandes und den Ochsen beim Dreschen erweitern die soziale Perspektive um Fragen der Verantwortung gegenüber Natur und Tieren. Als Abschluss können die Lernenden ein eigenes Regelwerk für eine gerechte Gemeinschaft verfassen und dabei kennzeichnen, welche Gedanken sie aus dem Deuteronomium übernehmen, verändern oder aus heutiger Perspektive kritisch beurteilen. Eine abschließende Diskussion zur Frage „Was geht mich die Not anderer an?“ führt zum Titel des Mediums zurück und ermöglicht eine begründete persönliche Positionierung. Auf diese Weise verbindet das Medium Bibelarbeit mit sozialethischem Lernen, historischer Kontextualisierung, Gegenwartsbezug, Perspektivwechsel und ethischer Urteilsbildung.