Die Lernenden gestalten drei Kirchenfenster mit exemplarischen Motiven zum Leben der Heiligen Elisabeth.
Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Themen Heilige, Vorbilder, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Armut und Reichtum, Besitz, Konsum, christliche Verantwortung sowie Religion und Kunst. Ein geeigneter Einstieg besteht darin, den Lernenden zunächst die Kirchenfenster ohne Titel und ohne Informationen über Elisabeth zu präsentieren. Genau diese Vorgehensweise wird auch im Material vorgeschlagen. Die Lernenden beschreiben zunächst ausschließlich, was sie sehen. Erst danach formulieren sie Vermutungen über Personen, Beziehungen, Handlungen und mögliche Bedeutungen. Dadurch wird eine vorschnelle Deutung vermieden und die Kompetenz zur bewussten Bildwahrnehmung gefördert. Besonders das moderne Fenster zur Krankenpflege bietet zahlreiche Gesprächsanlässe. Körperhaltung, Blickrichtung, Berührung und räumliche Nähe können untersucht werden. Die Lernenden können überlegen, welche Beziehung zwischen den dargestellten Personen besteht und wie Zuwendung, Fürsorge, Distanz oder Abhängigkeit bildlich dargestellt werden. Anschließend wird die Vita Elisabeths erschlossen. Dabei sollte sie nicht lediglich als idealisierte Heilige präsentiert werden. Das Material eröffnet auch kritische Fragen, denn Elisabeths radikale Selbstaufgabe wird mit dem Einfluss ihres strengen Beichtvaters Konrad von Marburg verbunden. Daraus kann eine anspruchsvolle religionspädagogische Diskussion entstehen: Wo liegt die Grenze zwischen selbstloser Nächstenliebe und problematischer Selbstaufgabe? Muss christliche Nächstenliebe bedeuten, die eigenen Bedürfnisse vollständig zurückzustellen? Was unterscheidet freiwilliges Teilen von religiös oder gesellschaftlich erzeugtem Druck? Eine zweite Erarbeitungsphase kann sich den Werken der Barmherzigkeit widmen. Das Material nennt unter anderem Hungrige speisen, Durstige tränken, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten. Die Lernenden können diese traditionellen Formen christlicher Nächstenliebe auf gegenwärtige Situationen übertragen und moderne Werke der Barmherzigkeit formulieren. Dabei können Fragen nach Einsamkeit, Krankheit, Armut, Wohnungslosigkeit, Ausgrenzung und sozialer Ungleichheit aufgegriffen werden. Für eine biblische Vertiefung bietet sich Mt 25,34 bis 40 an. Die Lernenden können untersuchen, warum die Begegnung mit einem bedürftigen Menschen dort zugleich als Begegnung mit Christus verstanden wird und wie dieser Gedanke Elisabeths Handeln prägt. Besonders ergiebig ist anschließend der im Material angelegte Bildervergleich. Das mittelalterliche Fenster arbeitet mit einer farbigen und stärker feierlichen Bildsprache, während das moderne Fenster von Neo Rauch überwiegend in Rot und Weiß gestaltet ist. Das Material deutet Rot unter anderem als Farbe von Liebe und Lebenskraft. Die Lernenden können untersuchen, wie unterschiedliche Epochen dieselbe religiöse Botschaft darstellen und welche Darstellung sie persönlich stärker anspricht. Dabei sollte die persönliche ästhetische Bewertung immer begründet werden. Eine besonders handlungsorientierte Methode ist das szenische Nachstellen der Bildkompositionen. Das Material schlägt vor, dass jeweils drei Personen die dargestellten Situationen ohne Worte nachstellen und anschließend beschreiben, was sie in ihrer jeweiligen Rolle empfunden haben. Durch einen Rollenwechsel können weitere Perspektiven erschlossen werden. Diese Methode verbindet Kunstbetrachtung mit Perspektivübernahme und emotionalem Lernen. Eine kreative Aufgabe kann daran anschließen: Die Lernenden erhalten den Auftrag, selbst ein Kirchenfenster zu gestalten, das Elisabeths Botschaft in die Gegenwart überträgt. Möglich wären Motive wie Hilfe für Wohnungslose, Besuch einsamer Menschen, Unterstützung Geflüchteter, Pflege kranker Menschen oder Teilen mit Menschen in Armut. Für ältere Lernende eignet sich besonders die Leitfrage des Materials, ob Elisabeths Lebensstil heute einen geeigneten Gegenpol zur Habgier darstellt. Hier kann eine Verbindung zu Konsum, Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit hergestellt werden. Wichtig ist eine differenzierte Urteilsbildung: Nicht Besitz an sich wird problematisiert, sondern die Frage, welchen Stellenwert Besitz erhält und welche Verantwortung Menschen gegenüber anderen übernehmen. Als Abschluss können die Lernenden einen persönlichen Satz formulieren: „Elisabeth fordert mich heute heraus, weil …“ oder „Ein modernes Werk der Barmherzigkeit bedeutet für mich …“. Auf diese Weise verbindet das Medium historische und biografische Bildung mit Bibelarbeit, Kunstbetrachtung, ethischer Reflexion, Perspektivübernahme und der Frage nach der gegenwärtigen Bedeutung christlicher Nächstenliebe.