Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe II und für Unterrichtseinheiten zu Bibelverständnis, Bibelübersetzung, Paulus, Römerbrief, Exegese und Hermeneutik. Der fachwissenschaftliche Text sollte dabei vorzugsweise in ausgewählten Abschnitten eingesetzt und durch konkrete Übersetzungsvergleiche ergänzt werden. Einen motivierenden Einstieg ermöglicht die Frage, ob eine vollkommen neutrale und eindeutige Übersetzung überhaupt möglich ist. Die Lernenden können zunächst einen kurzen einfachen Satz mit mehreren Bedeutungsmöglichkeiten in andere Formulierungen übertragen und anschließend vergleichen, welche Bedeutungsnuancen durch ihre Entscheidungen hervorgehoben oder abgeschwächt werden. Daran lässt sich die im Beitrag verwendete Vorstellung des Übersetzens als eines Hinüberbringens von einem Ufer zum anderen anschließen. Anschließend können verschiedene deutsche Bibelübersetzungen derselben Passage aus dem Römerbrief miteinander verglichen werden. Die Lernenden markieren Unterschiede, ordnen diese sprachlichen Kategorien zu und formulieren Vermutungen darüber, welches Verständnis des Textes durch die jeweilige Übersetzung nahegelegt wird. Besonders geeignet ist die Arbeit mit dem Begriff nomos. Zunächst sammeln die Lernenden Bedeutungen des deutschen Wortes Gesetz und vergleichen diese mit den im Medium genannten Möglichkeiten Gesetz, Ordnung und Prinzip. Dadurch wird unmittelbar erfahrbar, weshalb eine feste Zuordnung eines Wortes der Ausgangssprache zu genau einem deutschen Begriff problematisch sein kann. In einem nächsten Arbeitsschritt können die drei kulturellen Verstehenshorizonte des Römerbriefs arbeitsteilig erschlossen werden. Eine Gruppe untersucht die griechische Sprachwelt, eine zweite die jüdische Prägung des Paulus und eine dritte den römischen Lebenskontext. Die Ergebnisse können anschließend in einem Schaubild zusammengeführt werden. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, dass biblische Texte in konkreten historischen und kulturellen Zusammenhängen entstanden sind und Übersetzung deshalb auch historische Kontextualisierung verlangt. Methodisch eignet sich außerdem eine Übersetzungswerkstatt. Die Lernenden erhalten einen kurzen biblischen Text in mehreren deutschen Fassungen und entwickeln auf dieser Grundlage eine eigene Übertragung. Zu jeder wichtigen Entscheidung verfassen sie eine kurze Begründung. Im anschließenden Vergleich sollte weniger danach gefragt werden, welche Übersetzung richtig ist, sondern welche Bedeutung eine bestimmte Übersetzung hervorhebt und welche Aspekte dadurch möglicherweise zurücktreten. Für leistungsstärkere Lerngruppen können zusätzlich die im Beitrag genannten Zentralbegriffe nomos, pistis und dikaiosyne untersucht werden. Dabei wird deutlich, dass theologisch bedeutsame Begriffe wie Gesetz, Glaube und Gerechtigkeit nicht vorschnell als eindeutig verstanden werden dürfen. Auch die Sprachspiele des Paulus bieten einen produktiven methodischen Zugang. Die Lernenden können zunächst mit deutschen Wörtern experimentieren, die je nach Zusammenhang verschiedene Bedeutungen besitzen, und anschließend überlegen, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn ein solches Wortspiel in eine andere Sprache übertragen werden soll. Dadurch lässt sich die im Beitrag beschriebene sprachliche Kunst des Paulus konkret nachvollziehen. Als Ergebnissicherung können die Lernenden die Aussage „Jede Bibelübersetzung ist auch Bibelauslegung“ erläutern und anhand eines selbst gewählten Beispiels begründen. Eine weiterführende Diskussion kann danach fragen, welche Folgen diese Erkenntnis für den persönlichen Umgang mit der Bibel hat. Die Lernenden können etwa beurteilen, ob im Religionsunterricht grundsätzlich mehrere Bibelübersetzungen herangezogen werden sollten und welche Chancen ein Übersetzungsvergleich für das Verständnis schwieriger Bibelstellen bietet. Das Medium unterstützt damit einen reflektierten Umgang mit biblischen Texten und fördert neben bibelkundlichen und exegetischen Kompetenzen besonders Sprachsensibilität, Perspektivbewusstsein und hermeneutische Urteilsfähigkeit.