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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Womit kann ich dich fesseln?

Die Erzählung von Simson und Delila (Ri 16,4-31)

Veröffentlichung:1.1.2019

Das Medium „Womit kann ich dich fesseln? Die Erzählung von Simson und Delila“ erschließt Richter 16,4 bis 31 vor allem als Beziehungsgeschichte und verbindet die biblische Erzählung mit der Frage, wodurch Menschen in Beziehungen positiv angezogen, gebunden oder auf problematische Weise festgehalten werden. Ziel der Bibelarbeit ist es, eigene Vorstellungen von fesselnden Beziehungen wahrzunehmen, die Beziehungsstruktur zwischen Simson und Delila herauszuarbeiten und über vergleichbare Erfahrungen und Beobachtungen nachzudenken. Die Erzählung wird dabei nicht als historischer Bericht verstanden, sondern in den Zusammenhang der Heldensagen des Richterbuches und der Auseinandersetzungen zwischen Israeliten und Philistern eingeordnet. Im Zentrum steht eine Beziehung, die von Liebe und Anziehung, zugleich aber von Misstrauen, Manipulation, Täuschung, Macht und gegenseitiger Instrumentalisierung geprägt ist. Delila versucht im Auftrag der Philister und zugleich aus eigenem wirtschaftlichem Interesse das Geheimnis von Simsons Stärke zu erfahren. Simson wiederum nimmt ihre Forderung nicht offen auf, sondern täuscht sie zunächst mit falschen Antworten. Das Medium deutet die Beziehung deshalb als von Beginn an gefährdet, weil beide nicht offen miteinander umgehen. Die immer wieder gestellte Frage, womit Simson gefesselt werden könne, erhält dadurch eine doppelte Bedeutung. Sie bezeichnet die tatsächliche Fesselung des starken Helden und zugleich emotionale Bindung, Faszination und Abhängigkeit. Darüber hinaus hinterfragt das Medium die im Text wirksamen Vorstellungen von Frauen und Männern. Delila erscheint als selbständige und unabhängige Frau, wird innerhalb der Erzähltradition jedoch zugleich mit dem Bild der gefährlichen und verführerischen fremden Frau verbunden. Die ausführlichen Hintergrundinformationen zeigen deshalb, dass die Geschichte nicht nur von Liebe und Verrat handelt, sondern auch Vorstellungen von Geschlecht, Stärke, Schwäche, Sexualität und Macht transportiert.

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Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen lebensweltlich anschlussfähigen Zugang zu den Themen Beziehung, Liebe, Vertrauen, Freiheit, Bindung, Macht und Verantwortung. Besonders geeignet erscheint es für ältere Lernende, da Beziehungserfahrungen und Fragen nach Nähe, Distanz und persönlicher Grenzsetzung sensibel behandelt werden müssen. Als Einstieg können die im Medium vorgeschlagenen Gegenstände wie Stricke, farbige Bänder und fast unsichtbare Schnüre verwendet werden. Sie symbolisieren unterschiedliche Formen des Gebundenseins und machen sichtbar, dass Bindung sowohl Geborgenheit und Verbundenheit als auch Abhängigkeit und Einschränkung bedeuten kann. Die Lernenden können Begriffe wie Vertrauen, Liebe, Freundschaft, Geborgenheit, Verantwortung, Eifersucht, Kontrolle, Manipulation, Abhängigkeit und Angst den Symbolen zuordnen und ihre Entscheidungen begründen. Die im Medium vorgeschlagene Körperübung zu Berührung, Festhalten und Fesseln sollte im schulischen Religionsunterricht dagegen nur mit großer Zurückhaltung eingesetzt werden. Das Material selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass körperliche Nähe unterschiedlich wahrgenommen wird, die Beteiligten jederzeit mit einem klaren Stop abbrechen dürfen und ihre Partner frei wählen müssen. Für den schulischen Kontext ist eine symbolische Variante ohne Körperkontakt meist geeigneter. So können Lernende beispielsweise mit Bändern darstellen, welche Verhaltensweisen Menschen miteinander verbinden und welche sie einengen. Auf diese Weise bleiben persönliche Grenzen gewahrt. Für die Begegnung mit Richter 16 bietet sich das abschnittsweise Lesen oder das Lesen in verteilten Rollen an, wie es auch das Medium vorsieht. Nach jedem Abschnitt können die Lernenden spontane Gedanken, Fragen und Bewertungen notieren. Diese erste Reaktion ist didaktisch besonders interessant, weil dabei häufig eigene Vorstellungen von Frauen, Männern, Liebe und Partnerschaft sichtbar werden. Statt solche Reaktionen sofort zu bewerten, können sie anschließend gemeinsam untersucht werden. Danach markieren die Lernenden mit unterschiedlichen Farben Aussagen über Delilas Handeln und Simsons Handeln. Ergänzend notieren sie vermutete Absichten und Folgen. Genau dieses Vorgehen schlägt das Medium vor, um die Tiefenschicht hinter dem sichtbaren Verhalten zu erschließen. Daraus kann ein Beziehungsbild entstehen, in dessen Mitte Simson und Delila stehen und um sie herum Begriffe wie Liebe, Geld, Geheimnis, Vertrauen, Täuschung, Druck, Macht, Stärke und Schwäche angeordnet werden. Anschließend können Verbindungslinien eingezeichnet werden. So wird sichtbar, welche Faktoren die Beziehung bestimmen und an welchen Punkten Kommunikation scheitert. Besonders ergiebig ist die Frage, ob Simson und Delila ausschließlich als Täter oder Opfer beschrieben werden können. Delila manipuliert Simson und nutzt seine Liebe für ihre Ziele, während Simson Delila seinerseits nicht ernst nimmt und mit falschen Angaben täuscht. Damit eröffnet der Text die Möglichkeit, problematische Beziehungsmuster zu untersuchen, ohne vorschnell nur einer Figur die Verantwortung zuzuschreiben. Für eine vertiefende ethische Reflexion können die Lernenden Kriterien für eine gelingende Beziehung entwickeln. Offenheit, Ehrlichkeit, gegenseitiger Respekt, Vertrauen, Freiwilligkeit, Freiheit, Verlässlichkeit und die Achtung persönlicher Grenzen können anschließend mit der Beziehung von Simson und Delila verglichen werden. Dabei lässt sich herausarbeiten, an welchen Stellen diese Kriterien verletzt werden. Die wiederkehrende Aussage, mit der Delila Simsons Liebe infrage stellt, eignet sich besonders zur Auseinandersetzung mit emotionalem Druck. Lernende können überlegen, weshalb die Forderung nach einem Liebesbeweis problematisch werden kann und wie Menschen eigene Grenzen in einer Beziehung verständlich formulieren können. Das Medium ermöglicht außerdem eine kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterbildern. Die Hintergrundinformationen zeigen, dass Delila innerhalb einer Tradition der gefährlichen fremden Frau dargestellt wird und dass spätere Deutungen häufig Simson als tragischen Helden und Delila als verführerische Verräterin wahrgenommen haben. Lernende können deshalb untersuchen, welche Eigenschaften der Text Simson und Delila zuschreibt, welche Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit darin sichtbar werden und ob diese Vorstellungen aus heutiger Perspektive überzeugen. Wichtig ist dabei, problematische Verallgemeinerungen über Frauen oder Männer ausdrücklich als Gegenstand kritischer Reflexion zu behandeln und nicht zu reproduzieren. Auch Simsons Stärke bietet einen theologischen Zugang. Seine Haare stehen im Zusammenhang mit seinem Dasein als Nasiräer und werden zum sichtbaren Zeichen einer Kraft, die letztlich in Gott gründet. Mit dem Verlust der Haare verliert Simson seine außergewöhnliche Stärke und wird verwundbar. Daraus ergeben sich Fragen danach, was Menschen eigentlich stark macht, ob Schwäche grundsätzlich negativ ist und weshalb Vertrauen immer auch Verletzlichkeit voraussetzt. Gerade die Beobachtung des Mediums, dass Simson sich danach sehnen könnte, gegenüber dem Menschen, den er liebt, nicht ständig stark sein zu müssen, eröffnet einen differenzierten Zugang zu Vorstellungen von Männlichkeit und Stärke. Als Ergebnissicherung können die Lernenden zwei Begriffsfelder zu Beziehungen gestalten, eines zu Bindung als Verbundenheit und eines zu Bindung als Verstrickung. Alternativ können sie einen inneren Monolog aus der Perspektive Simsons oder Delilas schreiben oder einen Dialog entwerfen, in dem beide offen aussprechen, was sie im biblischen Text verschweigen. Die persönliche Vertiefung sollte freiwillig bleiben. Das Medium selbst betont bei seiner Besinnungsphase, dass jede Person nur so viel von sich mitteilen soll, wie sie selbst möchte. So eingesetzt verbindet das Medium Bibelarbeit, Beziehungslernen, ethische Reflexion, geschlechtersensibles Lernen und theologisches Nachdenken und ermöglicht eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wann Bindung Menschen stärkt und wann sie zu Abhängigkeit, Kontrolle und Macht über andere wird.

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