Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Sekundarstufe II und für vertiefende Unterrichtseinheiten zu Paulus, Römerbrief, Rechtfertigung, Reformation, Bibelübersetzung, Hermeneutik sowie zum Verhältnis von Christentum und Judentum. Wegen des wissenschaftlichen Anspruchs sollte der umfangreiche Beitrag nicht vollständig gelesen, sondern in ausgewählten Textabschnitten erschlossen werden. Als Einstieg eignet sich das im Medium angeführte Beispiel aus 1 Kor 7 besonders gut. Die Lernenden erhalten die unterschiedlichen Übersetzungen zunächst ohne weitere Erklärung und formulieren, welches Verhalten Paulus jeweils zu empfehlen scheint. Erst anschließend erfahren sie, dass beide Wiedergaben aufgrund der sprachlichen Ausgangslage möglich sind. Auf diese Weise entsteht unmittelbar die Leitfrage, ob eine Bibelübersetzung jemals ausschließlich Übersetzung oder immer zugleich Interpretation ist. Danach kann Röm 3,21 bis 31 in mehreren Bibelübersetzungen untersucht werden. Die Lernenden markieren unterschiedliche Formulierungen und ordnen ihnen mögliche Bedeutungsverschiebungen zu. Besonders ergiebig ist die Beobachtung, dass das für die reformatorische Rechtfertigungslehre bedeutsame Wort „allein“ in Luthers Wiedergabe von Röm 3,28 kein entsprechendes Wort im griechischen Text besitzt. Das Material stellt deshalb die Frage, ob Luther damit den Gedanken des Verses angemessen verdeutlicht oder bereits einen zusätzlichen theologischen Akzent setzt. In einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit können anschließend die drei Schlüsselbegriffe dikaiosyne, pistis und nomos untersucht werden. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Gerechtigkeit und der Frage, ob von „Gerechtigkeit vor Gott“, „Gerechtigkeit Gottes“, „rettender Treue“ oder „rettender Zuwendung“ gesprochen werden sollte. Eine zweite Gruppe untersucht pistis und vergleicht die Möglichkeiten Glaube, Vertrauen und Treue. Dabei lässt sich besonders die Alternative zwischen „Glaube an Jesus Christus“ und „Glaube Jesu Christi“ beziehungsweise „Vertrauen Jesu Christi“ herausarbeiten. Das Medium macht deutlich, dass sich dadurch die theologische Perspektive erheblich verändert, weil einmal der menschliche Glaube und ein anderes Mal die Gottesbeziehung Jesu oder seine vertrauensvolle Zuwendung zu Menschen in den Mittelpunkt tritt. Eine dritte Gruppe untersucht nomos und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Wendung „Werke des Gesetzes“ zu verstehen. Neben der geläufigen Übersetzung werden im Beitrag unter anderem „Vorschriften des Gesetzes“, „Gesetzesregelungen“ und „Gesetz der Werke“ diskutiert. Die Ergebnisse können auf einem gemeinsamen Schaubild festgehalten werden, auf dem jeweils griechischer Begriff, mögliche deutsche Wiedergaben und theologische Konsequenzen miteinander verbunden werden. Besonders wichtig ist eine religionspädagogisch sensible Vertiefung zum Verhältnis von Judentum und Christentum. Das Medium warnt davor, aus einer scharfen Gegenüberstellung von Glaube und Gesetz ein Bild des Judentums als Religion menschlicher Selbsterlösung oder bloßer Leistungsfrömmigkeit abzuleiten. Vielmehr wird die Tora als Gabe Gottes und als Ausdruck des Bundes verstanden, wobei das Leben nach der Tora Ausdruck einer gelebten Gottesbeziehung ist. Die Lernenden können deshalb untersuchen, wie Übersetzungen nicht nur einzelne Wörter erklären, sondern auch Bilder anderer Religionen prägen können. Dies eröffnet zugleich Möglichkeiten für interreligiöses Lernen und eine kritische Auseinandersetzung mit antijüdischen Deutungsmustern. Eine weitere Vertiefung bietet der Vergleich von Röm 1,17 und Röm 3,21 bis 31. Die Lernenden können verschiedene Möglichkeiten der Formulierung „aus Glauben zum Glauben“ vergleichen und prüfen, ob menschlicher Glaube, das Vertrauen Jesu oder die Treue Gottes gemeint sein könnte. Methodisch eignet sich dafür eine Übersetzungswerkstatt, in der Gruppen auf Grundlage verschiedener vorgegebener Bedeutungen eigene deutsche Übertragungen erstellen und jede Entscheidung begründen. Anschließend werden die Fassungen verglichen, ohne vorschnell eine einzige Lösung als richtig festzulegen. Entscheidend ist vielmehr die Erkenntnis, dass sprachliche Entscheidungen theologische Folgen besitzen. Als Ergebnissicherung können die Lernenden eine begründete Stellungnahme zur Aussage verfassen, dass Bibelübersetzung immer auch Bibelauslegung ist. Alternativ können sie eine kommentierte eigene Übersetzung eines ausgewählten Verses erstellen und erläutern, welches Gottesbild, Menschenbild und Verständnis von Glaube darin zum Ausdruck kommt. So fördert das Medium exegetische Kompetenz, Sprachsensibilität, hermeneutisches Denken, theologische Urteilsfähigkeit und einen reflektierten Umgang mit unterschiedlichen Bibelübersetzungen.