Didaktisch bietet das Medium einen niedrigschwelligen Zugang zum anspruchsvollen Thema Glaubensfreiheit. Die Frage nach Außerirdischen ermöglicht es insbesondere jüngeren Lernenden, zunächst über unterschiedliche Vorstellungen zu sprechen, ohne unmittelbar persönliche religiöse Überzeugungen offenlegen zu müssen. Für den Religionsunterricht ist dieser Zugang besonders interessant, weil von einer spielerischen und fantasieanregenden Frage schrittweise zu der Erkenntnis übergeleitet werden kann, dass Menschen auch bei religiösen Fragen zu unterschiedlichen Vorstellungen und Antworten gelangen. Die Lehrkraft sollte dabei darauf achten, Wissen, Vermutung und Glauben sprachlich differenziert zu behandeln. Nicht jede Vermutung ist im religiösen Sinn Glaube. Gerade deshalb kann die Frage nach Außerirdischen als Gesprächsanlass dienen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was es bedeutet, etwas zu wissen, etwas zu vermuten, sich etwas vorzustellen oder an etwas zu glauben. Das auf Seite 3 dargestellte UFO eignet sich als motivierender visueller Impuls, zu dem zunächst frei assoziiert werden kann. Das Arbeitsblatt auf Seite 4 konkretisiert anschließend die individuelle Auseinandersetzung, indem die Lernenden eine mögliche Darstellung von Außerirdischen auswählen oder zum Ausdruck bringen können, dass sie nicht an deren Existenz glauben. Entscheidend ist hierbei weniger die jeweilige Entscheidung als die anschließende Wahrnehmung der unterschiedlichen Antworten innerhalb der Lerngruppe. Die Frage „Wer von uns hat nun recht?“ eröffnet eine Reflexionsphase, in der die Lernenden erfahren können, dass es Fragen gibt, auf die Menschen unterschiedliche Antworten geben und bei denen sich nicht immer eindeutig feststellen lässt, welche persönliche Vorstellung richtig ist. Für den Religionsunterricht sollte dieser Gedanke behutsam auf religiöse Vorstellungen übertragen werden. Die im Material enthaltene Frage „Wie sieht Gott aus?“ bietet hierfür einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt. Die Lernenden können überlegen, weshalb Menschen unterschiedliche Vorstellungen von Gott entwickeln und warum diese Vorstellungen von persönlichen Erfahrungen, Erzählungen, Bildern und religiösen Traditionen geprägt sein können. Zugleich sollte deutlich werden, dass Glaubensfreiheit nicht nur bedeutet, selbst glauben zu dürfen, sondern ebenso die Freiheit einschließt, einen bestimmten Glauben nicht zu teilen. Methodisch empfiehlt sich deshalb eine Gesprächsatmosphäre, in der keine Lernenden dazu gedrängt werden, persönliche religiöse Überzeugungen offenzulegen. Aussagen wie „Ich glaube das“, „Ich glaube das nicht“ und „Ich weiß es nicht“ sollten gleichermaßen als mögliche Positionen zugelassen werden. Die Lehrkraft kann unterschiedliche Antworten sichtbar sammeln und anschließend nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden fragen. Im weiteren Verlauf bietet sich eine Übertragung auf die Lebenswelt an: Was geschieht, wenn zwei Menschen Unterschiedliches glauben? Darf ich meine eigene Überzeugung behalten? Muss ein anderer Mensch dasselbe glauben wie ich? Wie kann ich zeigen, dass ich eine andere Überzeugung respektiere? Dadurch lässt sich Glaubensfreiheit mit Toleranz, Respekt, Menschenwürde und friedlichem Zusammenleben verbinden. Als Ergebnissicherung kann der im Material vorgeschlagene Satz „Jeder darf an das glauben, was er für richtig hält“ aufgegriffen und im Klassenraum sichtbar gemacht werden. Das Material empfiehlt dazu unter anderem eine Mindmap, die um den Begriff Glaubensfreiheit erweitert werden kann. Für ältere oder sprachlich stärkere Lernende kann abschließend der Bezug zu den genannten Grundrechten vertieft werden. Auf diese Weise verbindet das Medium religiöses Lernen mit Demokratiebildung und unterstützt die Lernenden dabei, Vielfalt von Überzeugungen wahrzunehmen, eigene Vorstellungen auszudrücken und anderen Menschen mit Respekt zu begegnen.