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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Wie finde ich das Glück in meinem Leben?

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel wurde von Anneliese Hecht unter dem Titel: „Wie finde ich das Glück in meinem Leben? Das berühmte Zeitgedicht Koh 3, 1 bis 8 und 14“ verfasst. Die Autorin ist Referentin für Bibelpastoral beim Katholischen Bibelwerk. Der Text umfasst sechs Seiten und beschäftigt sich mit dem bekannten Zeitgedicht aus dem Buch Kohelet.

Im Mittelpunkt steht die theologische Frage, wie Menschen angesichts der Begrenztheit und Vergänglichkeit des Lebens Glück finden können. Der Artikel behandelt dabei die Spannung zwischen menschlicher Gestaltungsfreiheit und den Grenzen menschlicher Verfügung, zwischen Glück und Unglück, Freude und Trauer, Leben und Tod sowie Zeit und Ewigkeit. Weitere theologische Probleme sind die Frage nach Gottes Wirken im menschlichen Leben, das Verständnis des Lebens als Geschenk Gottes, die Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks und die Ehrfurcht vor Gott. Kohelet macht deutlich, dass der Mensch sein Glück nicht vollständig herstellen und sein Leben nicht vollständig kontrollieren kann.

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Anneliese Hecht beginnt ihre Auslegung mit dem grundlegenden Gedanken des Koheletbuches, dass das menschliche Leben vergänglich ist. Das Leben wird mit einem Windhauch verglichen. Es kann schön sein wie eine Seifenblase, ist aber ebenso zerbrechlich und schnell vorüber. Daraus ergibt sich die zentrale Frage des Artikels: Was bleibt vom menschlichen Leben und wie kann ein Mensch in einem begrenzten und vergänglichen Leben glücklich werden? Diese Frage verbindet Hecht mit dem berühmten Zeitgedicht aus Kohelet 3.

Kohelet betrachtet das Glück nicht als etwas, das Menschen vollständig selbst herstellen können. Glück und Unglück können unerwartet in das Leben eintreten. Menschen verstehen nicht immer, warum bestimmte Ereignisse geschehen. Hecht grenzt diese Sicht von der Vorstellung ab, der Mensch müsse nur positiv denken und sich genügend anstrengen, um sein Glück selbst herzustellen. Niemand besitzt die vollständige Kontrolle über das eigene Leben. Wer glaubt, alles beherrschen zu können, überschätzt seine menschlichen Möglichkeiten.

Die erste grundlegende Bedingung menschlichen Lebens besteht für Kohelet darin, dass das irdische Leben zeitlich begrenzt ist. Alles besitzt seine bestimmte Zeit. Jeder Augenblick steht zwischen Vergangenheit und Zukunft und kann nicht wiederholt werden. Hecht erklärt, dass Zeit immer Begrenzung bedeutet. Jede Zeit ist befristet und trägt ihr Ende bereits in sich. Das gilt für positive und negative Erfahrungen. Glück ist zeitlich begrenzt, aber auch Unglück dauert nicht unbegrenzt an.

Die zweite Bedingung besteht darin, dass menschliches Leben von Gegensätzen bestimmt wird. Das Zeitgedicht beschreibt das gesamte Leben anhand von sieben Doppelstrophen. Die Zahl Sieben steht dabei für Ganzheit und Vollkommenheit. Die verschiedenen Gegensatzpaare umfassen Werden und Vergehen, die Förderung und Schädigung des Lebens, Trauer und Freude, Nähe und Distanz, Bindung und Lösung, Verbindung und Trennung sowie schließlich Liebe und Hass, Krieg und Frieden.

Diese Gegensätze gehören zum menschlichen Leben. Ein Mensch kann nicht alle Möglichkeiten gleichzeitig verwirklichen. Es gibt Zeiten des Weinens und Zeiten des Lachens. Es gibt Liebe und Hass sowie Erfahrungen von Leben und Tod. Auch die Gottesbeziehung kann unterschiedlich erfahren werden. Manchmal erleben Menschen Gott als gegenwärtig und manchmal als schweigend. Das Glück besteht deshalb nicht darin, alle negativen Seiten des Lebens vollständig zu beseitigen. Vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Zeiten des Lebens anzunehmen.

Eine dritte Voraussetzung für Glück ist für Hecht die Erkenntnis, dass der gegenwärtige Augenblick kostbar ist. Weil Zeit vergeht und nicht wiederholt werden kann, besitzt jeder Augenblick einen besonderen Wert. Menschen können Möglichkeiten verpassen, wenn sie ausschließlich in der Vergangenheit oder Zukunft leben. Das Glück des Augenblicks kann nur erfahren werden, wenn ein Mensch tatsächlich in der Gegenwart lebt und wahrnimmt, was ihm gerade geschenkt wird.

Die Autorin verdeutlicht diesen Gedanken mit einem Text von Luise Rinser. Darin beschreibt Rinser ihre Schwierigkeit, einen schönen Augenblick wirklich zu genießen, weil sie bereits während des Erlebens an dessen Ende denkt. Dadurch wird deutlich, dass Menschen einen glücklichen Moment verlieren können, wenn sie gedanklich ständig der Gegenwart voraus sind. Kohelet fordert dagegen dazu auf, die begrenzte Zeit bewusst wahrzunehmen und den jeweiligen Augenblick auszukosten.

Die vierte Bedingung für Glück verbindet Hecht mit der Aussage Kohelets, dass Gott die Ewigkeit in alles hineingelegt hat. Das zeitlich begrenzte Leben enthält damit etwas, das über seine eigene Begrenztheit hinausweist. Die Autorin beschreibt persönliche Erfahrungen, in denen sie eine tiefe Verbundenheit mit Gott und der gesamten Schöpfung erlebt hat. Auch alltägliche Menschen und Dinge können in einer solchen Perspektive eine besondere Würde und Schönheit erhalten.

Gleichzeitig bleiben dem Menschen Grenzen gesetzt. Menschen können Beziehungen nicht vollständig kontrollieren. Sie können weder ihre eigene Geburt noch ihren Tod bestimmen. Auch Liebe lässt sich nicht erzwingen. Gerade in diesen Grenzen kann nach Hecht die Spur Gottes entdeckt werden. Der Mensch muss nicht alles selbst beherrschen. Er kann wahrnehmen, dass sein Leben von einer Wirklichkeit getragen wird, die seine eigenen Möglichkeiten übersteigt.

Nach diesen Überlegungen fragt Hecht, wie Menschen konkret Glück in ihrem Tun finden können. Entscheidend ist für Kohelet die Perspektive. Menschen sollen ihr Leben von Gott her betrachten. Arbeit und menschliches Schaffen besitzen einen Wert, weil der Mensch den Auftrag erhalten hat, die Erde zu gestalten und zu bewahren. Menschliches Tun kann deshalb Freude und Befriedigung schenken.

Das eigentliche Glück entsteht nach Kohelet jedoch nicht zuerst durch Leistung oder Arbeit. Es entsteht durch die Hinwendung zum Leben. Menschen sollen das gegenwärtige Leben genießen, sich anderen Menschen zuwenden und die Möglichkeiten des Augenblicks wahrnehmen. Hecht betont deshalb, dass Glück keine Form des Besitzes ist. Ein Mensch besitzt Glück nicht wie einen Gegenstand. Glück ist vielmehr eine Weise des Seins.

Noch grundlegender ist die Erkenntnis, dass das Leben selbst ein Geschenk Gottes ist. Glück besteht darin, dieses Geschenk wahrzunehmen und anzunehmen. Ein glücklicher Mensch betrachtet das Gute nicht ausschließlich als Ergebnis der eigenen Leistung. Er kann sagen, dass ihm etwas geschenkt wurde. Diese Haltung verändert den Blick auf den Alltag. Essen, Trinken, Beziehungen, Natur und schöne Erfahrungen können als Gaben Gottes wahrgenommen werden.

Hecht fasst mehrere Antworten Kohelets auf die Frage nach dem Glück zusammen. Menschen können glücklich sein, wenn sie Freude an ihrem Tun haben, Gottes Gaben im Alltag genießen und das Göttliche in der Wirklichkeit wahrnehmen. Glück entsteht auch daraus, nicht selbst Gott spielen zu müssen. Menschen dürfen darauf vertrauen, dass nicht alles von ihnen abhängt. Zur glücklichen Lebenshaltung gehört deshalb auch die Ehrfurcht vor Gott. Der Mensch kann Verantwortung übernehmen, muss aber nicht die vollständige Kontrolle über die Geschichte besitzen. Diese bleibt bei Gott.

Zum Abschluss fragt Hecht, wie eine solche Haltung eingeübt werden kann. Sie verwendet dafür das Bild des Atmens. Beim Einatmen kann der Mensch Gottes Ja zu seinem Leben annehmen. Beim Ausatmen kann er Vergangenes loslassen und sich dafür öffnen, Neues zu empfangen. Einatmen und Ausatmen werden so zu einem Symbol für das menschliche Leben zwischen Empfangen und Loslassen.

Die zentrale Botschaft des Artikels lautet damit, dass Glück nicht durch vollständige Kontrolle über das Leben entsteht. Das menschliche Leben bleibt zeitlich begrenzt und von Gegensätzen geprägt. Gerade deshalb soll der Mensch den gegenwärtigen Augenblick bewusst wahrnehmen, das Gute genießen und das Leben als Geschenk Gottes annehmen. Das Zeitgedicht zeigt, dass alles seine Zeit besitzt und der Mensch nicht alles verstehen oder beherrschen kann. Zugleich liegt in der begrenzten Wirklichkeit eine Spur der Ewigkeit Gottes. Im Anhang wird diese Botschaft nochmals im Zeitgedicht zusammengefasst. Dort wird Glück ausdrücklich als Geschenk Gottes verstanden.

Für den Religionsunterricht bietet der Text zahlreiche Anknüpfungspunkte. Lernende können sich mit der Frage auseinandersetzen, was Glück bedeutet und ob Menschen ihr Glück selbst herstellen können. Sie können die Gegensatzpaare des Zeitgedichtes auf eigene Lebenserfahrungen beziehen und über Vergänglichkeit, Zeit, Tod, Freude, Trauer und Hoffnung nachdenken. Ebenso kann diskutiert werden, was es bedeutet, das Leben als Geschenk Gottes zu verstehen und menschliche Grenzen anzunehmen.

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