Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Glück, Lebenszeit, Vergänglichkeit, Lebensgestaltung, Schöpfung und biblischer Weisheit. Ein lebensnaher Einstieg kann über die Frage erfolgen, was für die Lernenden einen glücklichen Augenblick kennzeichnet. Dabei sollte zunächst nicht nach dauerhaftem Glück gefragt werden, sondern nach konkreten Situationen, in denen Menschen Freude, Zufriedenheit oder Verbundenheit erfahren können. Anschließend können die Lernenden überlegen, welche Voraussetzungen für Glück beeinflussbar sind und welche sich menschlicher Kontrolle entziehen. Damit wird eine zentrale Fragestellung des Mediums vorbereitet, denn Kohelet widerspricht der Vorstellung, der Mensch könne sein Glück vollständig selbst herstellen. Das Material betont vielmehr die Grenzen menschlicher Verfügbarkeit und stellt die Frage, welche Haltung gegenüber dem Leben daraus entstehen kann. Zur Erschließung von Kohelet 3,1 bis 8 bietet sich zunächst eine strukturierte Textarbeit an. Die einzelnen Gegensatzpaare können auf Karten geschrieben und im Raum verteilt werden. Die Lernenden ordnen sie nach Themenfeldern wie Werden und Vergehen, Freude und Trauer, Nähe und Distanz, Trennen und Verbinden oder Konflikt und Frieden. Anschließend wird untersucht, welche Lebensbereiche Kohelet anspricht und warum gerade die Gegenüberstellung der Erfahrungen für das Gedicht wichtig ist. Das Material versteht die sieben Doppelstrophen als Darstellung des ganzen Lebens in seinen Gegensätzen und Grenzen. Methodisch kann dies durch eine Linie im Raum vertieft werden. An ihren beiden Enden stehen beispielsweise Weinen und Lachen oder Schweigen und Reden. Die Lernenden überlegen, ob zwischen diesen Polen weitere Erfahrungen liegen und ob die Bewertung einer bestimmten Zeit immer eindeutig möglich ist. Persönliche Erfahrungen müssen dabei nicht offengelegt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit Symbolen. Das Medium selbst verbindet zentrale Gedanken mit einem Maßband für die Begrenztheit der Zeit, einem schwarzen und einem weißen Tuch für die Gegensätze des Lebens, einer Perle für die Kostbarkeit des Augenblicks, einem Licht für die Ewigkeit und einem Geschenk für die Vorstellung des Lebens als Gabe Gottes. Diese Symbolik eignet sich besonders für einen Lernweg mit mehreren Stationen. An jeder Station kann ein Gegenstand mit einem kurzen Abschnitt des Bibeltextes und einer Reflexionsfrage verbunden werden. Beim Maßband kann gefragt werden, was es bedeutet, dass Lebenszeit begrenzt ist. Bei der Perle steht die Kostbarkeit eines Augenblicks im Zentrum. Das Geschenk führt zur Frage, ob Glück etwas ist, das Menschen herstellen, besitzen oder empfangen. Das Licht kann schließlich die Aussage erschließen, dass die zeitliche Wirklichkeit nach Kohelet über sich hinausweist. Für ältere Lernende kann daraus eine vertiefende Diskussion über unterschiedliche Vorstellungen von Glück entstehen. Kohelets Verständnis lässt sich beispielsweise mit der Vorstellung vergleichen, Glück entstehe vor allem durch Erfolg, Besitz, Leistung oder Selbstverwirklichung. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass das Medium Glück ausdrücklich nicht zuerst über das eigene Tun definiert. Glück entsteht vielmehr in der Hinwendung zum Leben und wird als Weise des Seins verstanden. Kreativ können die Lernenden ein eigenes Zeitgedicht verfassen. Sie wählen dafür Gegensatzpaare aus ihrer Lebenswelt und gestalten nach dem Vorbild Kohelets mehrere Verse mit der Formulierung „Eine Zeit zum“. Alternativ kann eine Fotocollage zum Thema „Alles hat seine Zeit“ entstehen. Auch ein persönliches Glückstagebuch für einen begrenzten Zeitraum ist denkbar, sofern die Lernenden selbst entscheiden können, welche Beobachtungen sie teilen möchten. Für eine religiöse Vertiefung bietet sich die Frage an, was sich verändert, wenn Zeit und Glück als Geschenk Gottes verstanden werden. Dabei sollte diese Glaubensdeutung als biblische Perspektive angeboten und nicht als persönliche Überzeugung vorausgesetzt werden. Das Medium endet mit einer Atemübung, bei der Einatmen mit Empfangen und Ausatmen mit Loslassen verbunden wird. Eine solche Übung kann auch im Religionsunterricht eingesetzt werden, sollte jedoch freiwillig sein und als Möglichkeit religiöser oder meditativer Erfahrung angeboten werden. Abschließend können die Lernenden den Satz „Glück bedeutet für Kohelet“ vervollständigen und diesem einen zweiten Satz „Glück bedeutet für mich“ gegenüberstellen. Dadurch werden biblische Textaussage und persönliche Position bewusst voneinander unterschieden. Das Medium ermöglicht so eine Verbindung von Bibelarbeit, Symbolarbeit, philosophischer Reflexion, religiöser Deutung und Lebensweltorientierung und eröffnet den Lernenden einen differenzierten Zugang zu der Frage, wie angesichts von Vergänglichkeit und begrenzter Verfügbarkeit ein glückliches und bewusstes Leben gelingen kann.