Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders geeigneten handlungsorientierten, ästhetischen und symbolorientierten Zugang zu Advent, Gottesbildern, Gotteserfahrungen und zur christlichen Bedeutung des Kreuzes. Das Projekt lässt sich sowohl innerhalb einer einzelnen Lerngruppe als auch als gemeinsames Vorhaben mehrerer Klassen oder einer ganzen Schule durchführen. Als Einstieg empfiehlt sich die Leitfrage „Was bedeutet für mich: Gott ist nah?“. Die Lernenden können zunächst Begriffe, Situationen, Bilder und Symbole sammeln, die sie mit Nähe verbinden. Dabei sollte die Frage bewusst offen formuliert werden, damit auch Lernende einbezogen werden, die nicht an Gott glauben, sich ihrer religiösen Überzeugung unsicher sind oder anderen religiösen Traditionen angehören. Mögliche weiterführende Fragen lauten: „Wo erfahren Menschen Nähe und Geborgenheit?“, „Wann kann ein Mensch Gottes Nähe erfahren?“, „Warum erleben Menschen manchmal auch Gottes Ferne?“ und „Welche Bilder verwenden Menschen, wenn sie über Gott sprechen?“. Anschließend bietet sich eine Auseinandersetzung mit Exodus 3 an. Die Selbstoffenbarung Gottes gegenüber Mose kann daraufhin untersucht werden, welches Gottesbild darin sichtbar wird und was die Vorstellung eines gegenwärtigen Gottes für Menschen bedeuten kann. Das Medium selbst stellt diesen Gedanken in das Zentrum und verbindet die Aussage „Ich bin der ICH BIN DA“ mit der Gegenwärtigkeit und Wirksamkeit Gottes. In einem zweiten Schritt sollte die zunächst ungewöhnlich erscheinende Verbindung von Advent und Kreuz thematisiert werden. Lernende verbinden die Adventszeit vermutlich eher mit Licht, Kerzen, Stern, Krippe und Geburt als mit Kreuz und Tod. Gerade dieser mögliche Widerspruch eignet sich für problemorientiertes Lernen. Die Lernenden können zunächst Positionen zu der Frage entwickeln, ob das Kreuz überhaupt ein geeignetes Symbol für die Adventszeit ist. Anschließend werden biblische Texte zur Geburt, zum Wirken, zum Tod und zur Auferstehung Jesu herangezogen. Auf diese Weise kann die christologische Verbindung zwischen Menschwerdung, Leben, Kreuz und Auferstehung erschlossen werden, die auch das Medium ausdrücklich hervorhebt. Danach beginnt die kreative Gestaltung. Jede Gruppe oder Klasse erhält ein Puzzleteil und entwickelt dazu ein Motiv unter der gemeinsamen Überschrift „Gott ist nah“. Vor der praktischen Arbeit sollte ein kurzer Gestaltungsentwurf entstehen. Die Lernenden überlegen, welche Farben, Symbole, Bilder, Bibelverse oder kurzen Texte ihre Vorstellung ausdrücken und begründen ihre Entscheidungen. Besonders wichtig ist, dass nicht alle Teile ähnlich aussehen sollen. Gerade die Unterschiedlichkeit besitzt eine theologische Bedeutung. Das Medium erklärt ausdrücklich, dass Gott nicht wie bei einem gewöhnlichen Puzzle aus einzelnen Teilen zu einem einzigen vollständigen Bild zusammengesetzt werden kann. Vielmehr bleiben die einzelnen Gottesbilder vielfältig. Diese Grundidee eignet sich hervorragend für eine Unterrichtsreflexion über die Grenzen religiöser Sprache: Kein einzelnes Bild und keine einzelne Vorstellung kann Gott vollständig erfassen. Nach und nach können die gestalteten Teile während der Adventszeit an das Kreuz angebracht werden. Das ursprüngliche Projekt verwendet dafür ein mobiles Holzkreuz aus zwei gleich großen Grundformen, wobei eine als Träger und die andere zur Herstellung der 24 einzelnen Puzzleteile dient. Für den schulischen Einsatz sind jedoch auch einfachere Umsetzungen mit Karton, Holzplatten oder anderen geeigneten Materialien möglich. Besonders wirkungsvoll ist eine ritualisierte Präsentation. Jeden Tag oder jede Woche kann eine Gruppe ihr Puzzleteil vorstellen, den theologischen Gedanken erläutern und einen passenden Bibelvers, einen kurzen Gedanken, eine Meditation oder ein Gebet beitragen. Dadurch wächst das Kreuz sichtbar durch die Adventszeit hindurch. Gleichzeitig wächst die Sammlung unterschiedlicher Antworten auf die Frage nach Gottes Nähe. Methodisch lässt sich das Projekt mit einem Galeriegang, Symbolanalysen, kreativem Schreiben, Bibelarbeit und kurzen Präsentationen verbinden. Eine weitere Vertiefung kann die Frage nach Gottes Nähe angesichts von Leid und Erfahrungen der Gottesferne aufnehmen. Gerade weil das Kreuz selbst Leiden und Tod symbolisiert, bietet es sich an, nicht ausschließlich harmonische Gottesvorstellungen zu thematisieren. Lernende können fragen, ob Gott auch dort als nah gedacht werden kann, wo Menschen Angst, Trauer, Einsamkeit oder Unrecht erfahren. Damit gewinnt das Adventsprojekt eine existenzielle Dimension. Der Abschluss kann entsprechend dem vorgestellten Medium in einem Gottesdienst erfolgen. Die Beteiligung an ausdrücklich religiösen oder liturgischen Elementen sollte dabei sensibel gestaltet werden. Im ursprünglichen Projekt war bereits die Teilnahme an den begleitenden Frühschichten freiwillig. Alternativ kann das vollständige Kreuz im Rahmen einer schulischen Adventsfeier präsentiert werden. Abschließend reflektieren die Lernenden, ob und wie sich ihre Vorstellung von Gottes Nähe verändert hat und was die 24 unterschiedlichen Teile über religiöse Vielfalt aussagen. So verbindet das Medium theologisches Lernen, Symbolarbeit, ästhetische Bildung, Gemeinschaftserfahrung und spirituelle Zugänge zu einem sichtbaren Adventsprojekt für die gesamte Schulgemeinschaft.
Ein Holzkreuz eignet sich gut, da auf diesem Material mit einer Vielzahl unterschiedlicher Werkstoffe gearbeitet werden kann. Zudem ist es stabil genug, um vielfachen Transport zu überstehen. Das Kreuz wird zersägt, wobei Vorder- und Rückseite, Oben und Unten markiert werden. So erhält jede Klasse ihr Puzzleteil zur Gestaltung.