RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Schalosch Regalim« und »Hadj

Veröffentlichung:1.1.2024

Der Artikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Schalosch Regalim“ und „Hadj“ enthalten. Im vorliegenden Heftabschnitt umfasst er 8 Seiten von Seite 30 bis Seite 37. Der Fachartikel zeigt, dass Pilgerreisen im Judentum und im Islam fest verankerte religiöse Praktiken sind, sich aber in Formen, Pflichten und Zielen unterscheiden. Zugleich arbeitet er wichtige Gemeinsamkeiten heraus, etwa die Suche nach Gottesnähe, die Bedeutung heiliger Orte, die Erinnerung an Geschichte und die Verbindung von persönlicher Frömmigkeit und gemeinschaftlicher Identität. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem die Fragen nach Pflicht und Freiwilligkeit des Pilgerns, nach Heiligkeit von Orten, nach Erinnerung und kollektiver Identität, nach der Verehrung von Gräbern und Heiligen sowie nach dem Verhältnis von Pilgern, Frömmigkeit und religiösem Tourismus.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel vergleicht die Pilgerpraxis im Judentum und im Islam und zeigt, dass Pilgerreisen in beiden Religionen eine wichtige Rolle spielen, auch wenn sie unterschiedlich ausgestaltet sind. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Menschen beim Thema Pilgern im Judentum vor allem an eine vergangene Tradition denken, während im Islam meist sofort die Hadj nach Mekka genannt wird. Der Beitrag macht deutlich, dass beide Religionen jedoch über ein viel breiteres Spektrum an Pilgerformen verfügen.

Im Judentum hat das Pilgern seinen biblischen Ursprung in den drei Wallfahrtsfesten Pessach, Schawuot und Sukkot, die zusammen als Schalosch Regalim bezeichnet werden. Diese Feste waren mit der Pflicht verbunden, nach Jerusalem zum Tempel zu ziehen, dort Opfer darzubringen und gemeinsam zu feiern. Jedes dieser Feste erinnert an zentrale heilsgeschichtliche Erfahrungen Israels. Pessach steht für Befreiung aus Ägypten, Schawuot für die Offenbarung der Tora am Sinai und Sukkot für die Wüstenwanderung und die Erfahrung vorläufigen Wohnens. Ursprünglich waren diese Feste zudem mit landwirtschaftlichen Rhythmen und Erntedank verbunden, doch im Lauf der Zeit gewann ihre religiöse und historische Bedeutung stärkeres Gewicht.

Mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels veränderte sich die jüdische Pilgerpraxis grundlegend, weil der Tempel als Zentrum des Kultes wegfiel. In der Diaspora verlor das Pilgern seine frühere zentrale Stellung, wurde aber nicht bedeutungslos. Vielmehr entwickelten sich neue Formen. Dazu gehört etwa das Pilgern zu den Gräbern bedeutender Rabbiner und Gerechter, denen besondere spirituelle Kraft zugeschrieben wird. Solche Orte werden aufgesucht, um Segen, Fürbitte, innere Sammlung und spirituelle Vertiefung zu suchen. Im Mittelalter entstanden dadurch neue jüdische Pilgerzentren, besonders in Israel und Osteuropa.

Mit der Gründung des Staates Israel erhielt das jüdische Pilgern eine neue nationale und religiöse Dimension. Jerusalem blieb spirituelles Zentrum und wurde für viele Jüdinnen und Juden zu einem Ziel der Rückkehr, der Sehnsucht und der religiösen Selbstvergewisserung. Besonders die Klagemauer ist bis heute ein zentraler Ort des Gebets. Hinzu kommen weitere Stätten wie der Tempelberg, Hebron, das Grab der Rahel oder Masada. Seit der Shoah haben außerdem Gedenkorte wie Yad Vashem, Dachau oder Buchenwald eine wichtige Bedeutung bekommen. Der Artikel betont, dass solche Besuche nicht einfach als Tourismus verstanden werden dürfen, sondern für viele einen pilgerähnlichen Charakter besitzen, weil sie dem Gedenken, der Trauer und der kollektiven Erinnerung dienen. Insgesamt zeigt sich jüdisches Pilgern heute als freiwillige, vielfältige und individuelle Praxis, die religiöse, historische, kulturelle und identitätsstiftende Funktionen verbindet.

Im Islam steht die Hadj nach Mekka im Mittelpunkt. Sie gehört zu den fünf Säulen und ist damit grundsätzlich eine religiöse Pflicht, sofern Gläubige gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage sind. Der Artikel beschreibt die Hadj als einen Weg intensiver Gottesnähe, der sorgfältige Vorbereitung und bestimmte rituelle Handlungen verlangt. Dazu gehören Reinigung, weiße Kleidung, innere Sammlung und das Zurückstellen eigener Begierden. Vor Ort werden zentrale Riten vollzogen, etwa das Umkreisen der Kaaba, der Weg zwischen Safa und Marwa, der Aufenthalt auf dem Berg Arafat, das symbolische Steinewerfen und das Opferfest. Daneben gibt es mit der Umra eine kleinere Pilgerfahrt nach Mekka, die nicht verpflichtend ist, aber als verdienstvoll gilt.

Der Beitrag macht deutlich, dass die muslimische Pilgertradition über die Hadj hinausgeht. Eine wichtige Form ist die Ziyarah, also der Besuch heiliger Orte. Dazu gehört insbesondere Jerusalem, das mit dem Felsendom und der Al Aqsa Moschee als drittheiligster Ort des Islam gilt. Innerhalb der islamischen Tradition wurde die Pilgerreise nach Jerusalem unterschiedlich bewertet. Manche Gelehrte lehnten sie ab, andere sahen in ihr eine besonders verdienstvolle Handlung. Vor allem mystische Strömungen des Islam förderten die Bedeutung Jerusalems als Pilgerziel. Mit dem Besuch dieses Ortes verband sich oft der Wunsch, sich von weltlichen Bindungen zu lösen und Gott besonders nahe zu sein.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Grabeswallfahrt in beiden Religionen. Sowohl im Judentum als auch im Islam werden Gräber heiliger oder besonders gerechter Personen aufgesucht, weil man sich dort Segen, spirituelle Kraft und Nähe zu Gott erhofft. Im Islam wird diese Kraft als Baraka bezeichnet. Solche Pilgerorte finden sich im Nahen Osten, im Iran, im Irak, in Afghanistan und im Maghreb. Auch in der jüdischen Tradition haben die Gräber von Tzaddikim eine große Bedeutung. Dort werden Psalmen gesprochen, Kerzen entzündet oder kleine Steine niedergelegt. Der Artikel zeigt besonders eindrücklich, dass es hier Berührungspunkte zwischen Judentum und Islam gibt. Manche Grabstätten werden in beiden Religionen verehrt, etwa im Zusammenhang mit Daniel, Elias, Esra oder Ezechiel. So entstehen gemeinsame oder sich überschneidende Pilgerorte, an denen Menschen verschiedener religiöser Traditionen beten und religiöse Verbundenheit ausdrücken.

Am Ende richtet der Artikel den Blick auf die Gegenwart. Er zeigt, dass heutige Pilgerpraxis zunehmend von äußeren Bedingungen geprägt ist, besonders von Krieg und Klimawandel. Als Beispiele nennt der Beitrag die Einschränkungen während der Corona Pandemie, die große Hitze bei der Hadj mit vielen Todesopfern sowie die anhaltenden Wallfahrten nach Uman in der Ukraine trotz Kriegsgefahr. Dadurch wird deutlich, dass Pilgern für viele Gläubige weiterhin eine so hohe religiöse Bedeutung besitzt, dass selbst extreme Risiken in Kauf genommen werden. Insgesamt verdeutlicht der Artikel, dass Pilgern im Judentum und im Islam weit mehr ist als eine Reise zu einem heiligen Ort. Es ist Ausdruck von Erinnerung, Frömmigkeit, Identität, Gemeinschaft und der Suche nach Gottesnähe unter sich wandelnden historischen Bedingungen.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3. Juden und Christen – eine leidvolle Geschichte. Geschwister im Glauben.

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7G.2 Dem Islam begegnen. Auseinandersetzung und Toleranz.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6.2 Leben mit anderen Religionen: Was die abrahamitischen Religionen verbindet.

Bild, Text

urheberrechtlich geschützt

15.3.2026

Eulenfisch

Menschen & Welt ,Kirche

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.