RU-digitalRU-digital-logo
Terra X Lesch & Co | ZDF

Terra X Lesch & Co | ZDF

Haben wir eine Seele?

Veröffentlichung:11.3.2026

Die Terra-X-Dokumentation „Haben wir eine Seele?" (ZDF, Terra X Lesch & Co, 2025, ca. 43 Min.) ist eine wissenschaftlich-philosophisch-religiöse Erkundung der Seelenfrage, moderiert von Harald Lesch. In einem rahmenden Faust-Motiv – Lesch spielt auf den teuflischen Seelenpakt an – entfaltet die Dokumentation die Frage, ob es etwas in uns gibt, das über den Tod hinaus existiert oder ob das Ich eine bloße Gehirnillusion ist. Folgende Themenfelder werden behandelt: Das Experiment des Arztes Duncan MacDougall (1907), der die Seele mit 21 Gramm zu wiegen versuchte, und dessen methodische Mängel; die Höhle von Lascaux als möglicher frühester Beleg für Seelenglauben in der Menschheitsgeschichte; der Seelenglauben in den Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus mit Varanasi als heiligem Sterbeort); Nahtoderfahrungen am Beispiel der Zeitzeugin Christine Brekenfeld sowie die wissenschaftliche AWARE-Studie von Sam Parnia; die philosophischen Seelenbegriffe von Aristoteles (Seele als Lebensprinzip aller Lebewesen) und Descartes (Seele als denkendes Ich, cogito ergo sum); neuere Tierforschung zum Bewusstsein (Spiegeltest bei Elefanten, Hummelexperiment von Lars Chittka) und Pflanzenforschung (Boquila trifoliolata, Sehvermögen ohne Augen); Sigmund Freuds Entdeckung des Unbewussten und die Traumdeutung; KI-gestützte Traumvisualisierung am Kyoto-Institut von Professor Kamitani; schließlich Platons Mythos der Kugelmenschen und die Suche nach dem Seelenverwandten als Bild für tiefe menschliche Verbundenheit. Das Fazit ist offen: Die Seele lässt sich empirisch nicht beweisen – aber auch nicht widerlegen. Lesch plädiert für die Seele als gelebte innere Erfahrung, die das Ich im Innersten zusammenhält.


Das Video widmet sich einer der großen Fragen des menschlichen Lebens: Haben wir eine Seele? Ausgangspunkt ist Goethes „Faust“ und dessen Suche nach der Antwort auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält. Daraus entwickelt das Video die Frage, ob der Mensch überhaupt etwas besitzt, das als Seele bezeichnet werden kann. Die Suche nach Antworten führt durch Religion, Philosophie, Psychologie, Archäologie und moderne Naturwissenschaft. Zunächst wird das berühmte Experiment des Arztes Duncan MacDougall vorgestellt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubte, das Gewicht der menschlichen Seele mit 21 Gramm bestimmen zu können. Seine Untersuchungen erweisen sich jedoch aufgrund der geringen Zahl an Versuchspersonen, ungenauer Messungen und spekulativer Schlussfolgerungen als wissenschaftlich nicht haltbar. Anschließend führt das Video zu den Höhlenmalereien von Lascaux und zu frühen Vorstellungen einer vom Körper unterscheidbaren Seele. Es nimmt religiöse Vorstellungen auf und stellt unter anderem den hinduistischen Glauben an Wiedergeburt und die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten vor. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Nahtoderfahrungen. Am Beispiel von Christine Brekenfeld wird die Erfahrung geschildert, den eigenen Körper verlassen und ein helles Licht wahrgenommen zu haben. Wissenschaftliche Untersuchungen können solche Erfahrungen erforschen, liefern im Video jedoch keinen empirischen Beweis für eine unabhängig vom Körper existierende Seele. Mit Aristoteles und René Descartes werden zwei unterschiedliche philosophische Vorstellungen der Seele vorgestellt. Aristoteles versteht sie als Lebensprinzip von Pflanzen, Tieren und Menschen, während Descartes die menschliche Seele eng mit Denken und Selbstbewusstsein verbindet. Erkenntnisse über Tiere, Hummeln und Pflanzen stellen einfache Grenzziehungen zwischen Mensch und anderen Lebewesen infrage. Mit Sigmund Freud richtet sich der Blick schließlich auf das Unbewusste und damit auf eine weitere Vorstellung dessen, was mit Seele gemeint sein könnte. Moderne Forschungen zur Rekonstruktion von Trauminhalten aus Hirnaktivitäten führen diese Fragestellung in die Gegenwart. Das Video endet bewusst ohne eindeutigen wissenschaftlichen Beweis. Es fragt vielmehr, ob Seele möglicherweise als Ausdruck des inneren Selbst, der Gefühle, Hoffnungen, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Menschen verstanden werden kann.

Products

Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und für Unterrichtseinheiten zu Seele, Menschenbild, Tod, Sterben, Jenseits, Auferstehung, Religion und Naturwissenschaft, Bewusstsein, Identität und der Frage nach dem Wesen des Menschen. Seine besondere religionspädagogische Stärke liegt darin, dass es keine einfache Definition der Seele vorgibt, sondern unterschiedliche Zugänge miteinander ins Gespräch bringt. Die Lernenden begegnen religiösen Überzeugungen ebenso wie philosophischen Modellen, persönlichen Erfahrungen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Dadurch lässt sich exemplarisch zeigen, dass die Frage nach der Seele davon abhängt, was überhaupt unter Seele verstanden wird und welche Art von Erkenntnis gesucht wird.

Als Einstieg bietet sich die Frage „Was ist für dich die Seele?“ an. Die Lernenden können zunächst für sich Begriffe notieren, die sie spontan mit Seele verbinden. Denkbare Assoziationen sind Ich, Persönlichkeit, Gefühle, Gedanken, Bewusstsein, Geist, Leben, Gott, Unsterblichkeit, Liebe, Gewissen oder Erinnerung. Anschließend werden die Begriffe gesammelt und geordnet. Dabei sollte zunächst keine Definition als richtig oder falsch bewertet werden. Vielmehr wird sichtbar gemacht, dass der Begriff Seele bereits im alltäglichen Sprachgebrauch unterschiedliche Bedeutungen besitzt. Das Video greift dies selbst auf, wenn es Redewendungen wie „mit Leib und Seele“, „sich etwas von der Seele reden“ oder „Seelenverwandte“ thematisiert. Die Lernenden können weitere Redewendungen sammeln und daraus erschließen, welche Vorstellungen von Seele in unserer Sprache enthalten sind.

Das Experiment von Duncan MacDougall eignet sich besonders zur Förderung von Urteilsfähigkeit und Medienkompetenz. Vor der Auflösung kann das Video an der Stelle angehalten werden, an der von einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 21 Gramm berichtet wird. Die Lernenden formulieren Vermutungen: Ist damit die Existenz der Seele bewiesen? Welche anderen Erklärungen könnte es geben? Was müsste ein wissenschaftliches Experiment leisten, um eine solche Behauptung zu überprüfen? Erst anschließend wird die Kritik des Videos betrachtet. Dadurch erkennen die Lernenden selbst, weshalb eine geringe Zahl an Versuchspersonen, ungenaue Messverfahren und spekulative Schlussfolgerungen problematisch sind. Religionspädagogisch sollte anschließend die weiterführende Frage gestellt werden, ob eine Seele überhaupt etwas sein müsste, das Gewicht besitzt und mit naturwissenschaftlichen Instrumenten gemessen werden kann.

An diesem Punkt lässt sich grundlegend über das Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft nachdenken. Die Lernenden können die Aussagen „Die Seele kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden“ und „Es gibt keine Seele“ miteinander vergleichen. Das Video betont ausdrücklich, dass ein fehlender Beweis kein Gegenbeweis ist. Die Lernenden sollen erkennen, dass beide Aussagen unterschiedliche Reichweiten besitzen. Daraus lässt sich die Frage entwickeln, ob naturwissenschaftliche Methoden grundsätzlich geeignet sind, Aussagen über Sinn, Transzendenz, Gott oder Seele zu überprüfen. Wichtig ist dabei, weder religiöse Aussagen als naturwissenschaftliche Tatsachen auszugeben noch aus der fehlenden naturwissenschaftlichen Nachweisbarkeit vorschnell auf ihre Bedeutungslosigkeit zu schließen.

Die Höhlenmalereien von Lascaux ermöglichen einen kulturgeschichtlichen Zugang. Die Lernenden können zunächst das dargestellte Motiv beschreiben und verschiedene Deutungsmöglichkeiten entwickeln. Erst danach wird die im Video vorgestellte Interpretation betrachtet, wonach ein Vogel möglicherweise die Seele eines sterbenden Menschen symbolisieren könnte. Das Video kennzeichnet diese Interpretation selbst ausdrücklich als Spekulation. Methodisch ist dies eine gute Gelegenheit, zwischen Beobachtung, Interpretation und gesichertem Wissen zu unterscheiden. Die Lernenden können drei Spalten anlegen: „Das sehen wir“, „Das vermuten wir“ und „Das wissen wir“. Dieses Verfahren lässt sich später auf religiöse und philosophische Aussagen übertragen.

Für interreligiöses Lernen bietet der Abschnitt über religiöse Vorstellungen der Seele Anknüpfungspunkte. Das Video stellt unter anderem hinduistische Vorstellungen von Wiedergeburt und Befreiung vor. Im Unterricht können diese Vorstellungen mit christlichen Vorstellungen von Tod, Auferstehung und ewigem Leben verglichen werden. Dabei sollte jedoch vermieden werden, die komplexen Vorstellungen verschiedener Religionen auf ein einfaches gemeinsames Modell einer unsterblichen Seele zu reduzieren. Gerade für den christlichen Religionsunterricht ist die Unterscheidung von Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung bedeutsam. Als Vertiefung können ausgewählte biblische Texte hinzugezogen werden und die Lernenden untersuchen, welche Vorstellungen vom Menschen, vom Tod und von der Hoffnung über den Tod hinaus darin erkennbar werden.

Der Abschnitt über die Nahtoderfahrung von Christine Brekenfeld besitzt eine hohe emotionale Intensität und sollte deshalb sensibel vorbereitet werden. Die Schilderung verbindet eine lebensbedrohliche medizinische Situation mit dem Verlust eines Kindes und einer außergewöhnlichen persönlichen Erfahrung. Persönliche Erfahrungen der Lernenden mit Tod und Trauer sollten nicht eingefordert werden. Sinnvoll ist eine sachbezogene Fragestellung: Was berichtet die Person? Wie deutet sie ihre Erfahrung? Welche alternativen Erklärungen sind denkbar? Was kann Wissenschaft dazu untersuchen und was kann sie nicht entscheiden? Dadurch wird die persönliche Erfahrung respektiert, ohne ihre individuelle Deutung automatisch als allgemeingültigen Beweis zu übernehmen.

Die anschließende wissenschaftliche Untersuchung von Nahtoderfahrungen ermöglicht genau diese Unterscheidung. Die Lernenden können vor der Betrachtung des Ergebnisses eine Hypothese formulieren: Was müsste geschehen, damit das Experiment tatsächlich einen Hinweis auf eine Wahrnehmung außerhalb des Körpers liefert? Im Video werden Bildtafeln so angebracht, dass sie nur aus erhöhter Perspektive sichtbar wären. Die Untersuchung liefert jedoch keinen entsprechenden Nachweis. Anschließend können die Lernenden unterscheiden zwischen persönlicher Gewissheit, religiösem Glauben und empirischem Wissen. Diese drei Kategorien eignen sich auch für weitere religionspädagogische Fragestellungen.

Besonders ergiebig ist ein Vergleich zwischen Aristoteles und Descartes. Die Lernenden können zunächst die jeweiligen Seelenvorstellungen herausarbeiten. Aristoteles versteht Seele als Lebensprinzip und unterscheidet unterschiedliche Seelenvermögen. Pflanzen besitzen demnach Fähigkeiten zu Wachstum und Fortpflanzung, Tiere zusätzlich Wahrnehmung und Empfindung und Menschen darüber hinaus Vernunft. Descartes hingegen verbindet die menschliche Seele mit dem denkenden Ich und grenzt Tiere aufgrund seiner Vorstellung von Vernunft davon ab. Die Lernenden können anschließend diskutieren, welche Vorstellung sie überzeugender finden und welche Konsequenzen daraus für unser Verhältnis zu Tieren entstehen.

Die Abschnitte über Elefanten, Hummeln und Pflanzen eignen sich für eine problemorientierte Weiterführung. Die Lernenden können vorab Kriterien formulieren, die ihrer Meinung nach dafür sprechen würden, einem Lebewesen eine Seele zuzuschreiben. Genannt werden könnten Selbstbewusstsein, Gefühle, Schmerzempfinden, Lernfähigkeit, Kommunikation, Erinnerung oder Sozialverhalten. Anschließend werden die Beispiele des Videos diesen Kriterien gegenübergestellt. Der Spiegeltest zeigt etwa, dass sich verschiedene Tierarten selbst erkennen können. Die Versuche mit Hummeln verdeutlichen wiederum komplexe Fähigkeiten zur Problemlösung und möglicherweise sogar spielerisches Verhalten. Daraus kann eine ethische Fragestellung entstehen: Verändert unser Wissen über das Innenleben von Tieren auch unsere Verantwortung ihnen gegenüber?

Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Menschenbild eignet sich der Abschnitt zu Sigmund Freud. Seine Vorstellung des Unbewussten widerspricht der Annahme, dass der Mensch sich selbst vollständig durch bewusstes Denken erfassen könne. Das Video beschreibt das Unbewusste als Ort verborgener Sehnsüchte, Ängste und Konflikte. Die Lernenden können überlegen, ob Seele und Psyche dasselbe meinen oder ob der Begriff Seele darüber hinausgeht. Ein Vergleich der Begriffe Seele, Psyche, Geist, Bewusstsein, Ich und Identität hilft dabei, sprachliche und inhaltliche Unterschiede herauszuarbeiten.

Der Abschnitt zur Erforschung von Träumen und Hirnaktivitäten eignet sich besonders für ältere Lernende. Er eröffnet die Frage, ob eine immer genauere naturwissenschaftliche Beschreibung des Gehirns irgendwann auch erklären könnte, was menschliches Bewusstsein und menschliche Identität ausmacht. Das Video berichtet von Versuchen, Zusammenhänge zwischen Hirnaktivität, Begriffen und Bildern zu rekonstruieren. Im Unterricht kann daraus ein Gedankenexperiment entstehen: Angenommen, sämtliche Gedanken, Erinnerungen, Gefühle und Träume eines Menschen könnten technisch sichtbar gemacht werden. Hätten wir dann seine Seele gefunden? Die Antworten ermöglichen eine grundlegende Diskussion über Reduktionismus, Menschenwürde, Identität und die Grenzen naturwissenschaftlicher Erklärungen.

Zur Ergebnissicherung können die Lernenden ihre ursprüngliche Definition von Seele erneut aufgreifen und überarbeiten. Dabei sollten sie mindestens drei im Video kennengelernte Positionen berücksichtigen. Eine mögliche Aufgabe lautet: „Formuliere nach der Betrachtung des Videos eine eigene Antwort auf die Frage, was mit Seele gemeint sein könnte. Beziehe eine religiöse, eine philosophische und eine wissenschaftliche Perspektive ein.“ Alternativ können die Lernenden ein fiktives Streitgespräch zwischen Aristoteles, Descartes, Freud und einer heutigen Neurowissenschaftlerin oder einem heutigen Neurowissenschaftler verfassen.

Das offene Ende des Videos sollte didaktisch bewusst genutzt werden. Es erklärt die Seele nicht abschließend, sondern verweist auf innere Erfahrungen, Beziehungen, Hoffnungen, Träume und das Erleben von Verbundenheit. Zugleich hält es fest, dass die moderne Wissenschaft keinen eindeutigen Nachweis für die Existenz der Seele liefern kann. Für den Religionsunterricht liegt gerade darin eine Stärke: Lernende können erfahren, dass existenzielle Fragen nicht immer durch eine einzige richtige Antwort abgeschlossen werden müssen. Religiöse Bildung bedeutet hier, verschiedene Antworten verstehen, unterscheiden, kritisch prüfen und schließlich eine eigene begründete Position entwickeln zu können.


Fragestellungen zum Video mit Antworten


Was ist die zentrale Frage des Videos?

Die zentrale Frage lautet: Haben Menschen eine Seele und was könnte mit diesem Begriff gemeint sein? Das Video untersucht dazu religiöse, philosophische, psychologische und naturwissenschaftliche Antworten, ohne eine abschließende Definition vorzugeben.


Kann die Existenz der Seele wissenschaftlich bewiesen werden?

Nach den im Video dargestellten Untersuchungen gibt es keinen empirischen Beweis für die Existenz einer vom Körper unabhängigen Seele. Das Video macht jedoch zugleich deutlich, dass die fehlende Nachweisbarkeit nicht automatisch beweist, dass keine Seele existiert.


Wie wollte Duncan MacDougall die Seele nachweisen?

MacDougall verglich das Gewicht sterbender Menschen vor und nach ihrem Tod. Er glaubte einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von etwa 21 Gramm festgestellt zu haben und deutete diesen als Gewicht der Seele. Seine Untersuchung hatte jedoch erhebliche methodische Mängel und gilt nicht als wissenschaftlicher Nachweis.


Was können die Höhlenmalereien von Lascaux über frühe Vorstellungen der Seele aussagen?

Ein dargestellter Vogel neben einem sterbenden Menschen wird von manchen als Symbol einer den Körper verlassenden Seele interpretiert. Das Video betont jedoch, dass diese Interpretation spekulativ bleibt.


Was sind Nahtoderfahrungen?

Damit werden außergewöhnliche Erfahrungen von Menschen bezeichnet, die sich in lebensbedrohlichen Situationen befanden. Berichtet werden beispielsweise das Gefühl, den eigenen Körper zu verlassen, ein helles Licht wahrzunehmen oder das eigene Leben in besonderer Weise zu erleben. Das Video stellt solche Berichte vor, betrachtet sie aber nicht als wissenschaftlichen Beweis für eine Seele.


Beweisen Nahtoderfahrungen die Existenz einer Seele?

Nein. Sie sind für die betroffenen Menschen bedeutsame Erfahrungen, können nach den im Video dargestellten Untersuchungen jedoch nicht als wissenschaftlicher Beweis für eine unabhängig vom Körper existierende Seele gelten.


Was versteht Aristoteles unter Seele?

Aristoteles versteht die Seele als Lebensprinzip. Deshalb besitzen in seinem Modell Pflanzen, Tiere und Menschen eine Seele, allerdings mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Pflanzen wachsen und vermehren sich, Tiere können zusätzlich wahrnehmen und empfinden und Menschen besitzen darüber hinaus Vernunft.


Was versteht Descartes unter Seele?

Descartes verbindet Seele mit dem denkenden und zweifelnden Ich. Sein berühmter Gedanke „Ich denke, also bin ich“ bringt diese Position zum Ausdruck. Die Seele ist bei ihm eng mit Vernunft und Selbstbewusstsein verbunden.


Haben Tiere eine Seele?

Das Video gibt darauf keine abschließende Antwort. Es zeigt jedoch, dass einige Tiere Fähigkeiten besitzen, die lange ausschließlich Menschen zugeschrieben wurden. Elefanten und verschiedene andere Tierarten können sich beispielsweise im Spiegel selbst erkennen. Forschungen an Hummeln weisen außerdem auf erstaunliche Lernfähigkeiten und komplexes Verhalten hin. Ob solche Fähigkeiten als Seele bezeichnet werden sollen, bleibt eine philosophische und religiöse Frage.


Haben Pflanzen eine Seele?

Aristoteles hätte diese Frage bejaht, weil er Seele als Lebensprinzip verstand. Das Video berichtet zudem über erstaunliche Fähigkeiten von Pflanzen. Daraus folgt jedoch ausdrücklich nicht, dass Pflanzen eine Seele besitzen. Vielmehr verdeutlichen diese Forschungen, wie begrenzt unser Wissen über Lebewesen noch ist.


Welche Bedeutung hat Sigmund Freud für die Frage nach der Seele?

Freud richtet den Blick auf das Unbewusste. Für ihn wird menschliches Verhalten nicht ausschließlich vom bewussten Denken bestimmt. Verborgene Wünsche, Ängste und Konflikte beeinflussen den Menschen ebenfalls. Damit erweitert sich die Frage nach der Seele um die Dimension der Psyche und des Unbewussten.


Sind Seele, Bewusstsein und Gehirn dasselbe?

Das Video beantwortet diese Frage nicht eindeutig. Gehirn bezeichnet zunächst ein körperliches Organ, Bewusstsein die subjektive Wahrnehmung des eigenen Erlebens. Seele kann je nach religiöser oder philosophischer Position wesentlich umfassender verstanden werden. Gerade die Frage, wie diese Bereiche zusammenhängen, gehört zu den zentralen Problemen des Videos.


Was haben Liebe und Seelenverwandtschaft mit der Frage nach der Seele zu tun?

Das Video verbindet die Vorstellung der Seele auch mit Erfahrungen tiefer menschlicher Verbundenheit. Dazu wird Platons Mythos von den Kugelmenschen aufgegriffen, nach dem Menschen nach ihrer verlorenen Hälfte suchen. Liebe, Freundschaft und intensive Verbundenheit werden damit zu Erfahrungen, in denen Menschen das wahrzunehmen glauben, was sie als Seele bezeichnen.


Was bedeutet die Seele aus christlicher Perspektive?

Das Video greift christliche Vorstellungen auf, entwickelt jedoch keine umfassende christliche Seelenlehre. Für den Religionsunterricht ist deshalb eine Ergänzung durch biblische und theologische Texte sinnvoll. Dabei kann untersucht werden, ob der Mensch in christlicher Perspektive aus getrennten Bestandteilen besteht oder als ganze Person in Beziehung zu Gott verstanden wird.


Welche Antwort gibt das Video am Ende auf die Frage nach der Seele?

Eine eindeutige Antwort wird bewusst vermieden. Wissenschaftlich lässt sich die Seele nach Darstellung des Videos nicht nachweisen. Gleichzeitig verweist das Video auf die menschliche Erfahrung eines inneren Selbst, das sich in Gefühlen, Hoffnungen, Träumen, Beziehungen und persönlicher Entwicklung ausdrückt.


Kann etwas wirklich sein, obwohl es wissenschaftlich nicht messbar ist?

Das ist eine zentrale weiterführende Frage des Videos. Naturwissenschaftliche Messbarkeit ist eine wichtige Form der Erkenntnis, aber nicht jede philosophische, religiöse oder existentielle Aussage ist eine naturwissenschaftliche Aussage. Im Religionsunterricht kann deshalb diskutiert werden, welche unterschiedlichen Wege Menschen nutzen, um Wirklichkeit zu erkennen und zu deuten.


Klassenstufe

Die Dokumentation ist primär für die Sekundarstufe II (Jahrgangsstufen 11–13) geeignet, da sie philosophische Argumentationsstrukturen, wissenschaftstheoretische Reflexion und religionsvergleichende Kompetenz voraussetzt. Ausgewählte Kapitel – insbesondere die Geschichte der Höhle von Lascaux, Nahtoderfahrungen, der Spiegeltest und der Platón-Mythos – lassen sich mit entsprechender didaktischer Aufbereitung auch in der Sekundarstufe I (Klassen 8–10) einsetzen, etwa in Einheiten zur Frage nach dem Sinn des Lebens, zum Tod und zur Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Die Gesamtlänge von ca. 43 Minuten empfiehlt sich für eine Doppelstunde oder als gezielte Ausschnittsarbeit.

Thematische Verortung im katholischen RU

Die Dokumentation berührt eine Vielzahl von Kernthemen des katholischen Religionsunterrichts in der Sekundarstufe II, die im Folgenden einzeln ausgeführt werden.

Seele und Menschenbild: Die Seelenfrage ist im katholischen Glauben und in der theologischen Anthropologie fundamental verankert. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 362–368) lehrt, dass der Mensch eine Einheit aus Leib und Seele ist, wobei die Seele als das geistige Prinzip des Menschen gilt, das von Gott erschaffen, unsterblich und zur Gottesgemeinschaft berufen ist. Die Dokumentation bietet einen hervorragenden Ausgangspunkt, um dieses Verständnis von anderen Seelenbegriffen abzugrenzen: dem aristotelischen Stufenmodell, dem cartesianischen Dualismus, dem freudschen Unbewussten sowie dem empirisch-naturwissenschaftlichen Negativbefund. Gerade der Kontrast zwischen dem naturwissenschaftlichen Unvermögen, die Seele nachzuweisen, und der religiösen Überzeugung von ihrer Realität ermöglicht eine differenzierte Diskussion über den Unterschied zwischen empirischem Wissen und Glaubensüberzeugung.

Tod, Auferstehung und Eschatologie: Das Kapitel zu Nahtoderfahrungen ist für den kath. RU besonders fruchtbar, weil es die Spannung zwischen wissenschaftlicher Erklärung (Hirnaktivität in Extremsituationen) und religiöser Deutung (Seele verlässt den Körper) unmittelbar erfahrbar macht. Die AWARE-Studie von Sam Parnia ist ein hervorragendes Beispiel für den ernsthaften wissenschaftlichen Umgang mit religiös bedeutsamen Phänomenen. Im kath. RU kann daran die Frage nach der Auferstehung des Leibes und dem Leben nach dem Tod angeknüpft werden (KKK 988–1019): Was meint christliche Auferstehungshoffnung – und wie unterscheidet sie sich von einer bloßen Unsterblichkeit der Seele? Das Zeugnis von Christine Brekenfeld ist dabei als persönlicher Erfahrungsbericht besonders bewegend und geeignet, die existenzielle Dimension der Frage zu erschließen.

Interreligiöser Vergleich: Das Kapitel zu den Weltreligionen bietet in kompakter Form einen vergleichenden Überblick über unterschiedliche Jenseits- und Seelenvorstellungen. Die hinduistische Vorstellung von der Seele als unsterblichem Kern (Atman) und dem Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara) sowie dem Befreiungsziel (Moksha) lässt sich produktiv mit dem christlichen Auferstehungsglauben vergleichen. Die Sequenz in Varanasi bietet dazu eindrückliche Bilder. Im kath. RU kann dieser Vergleich für eine Einheit zum interreligiösen Dialog genutzt werden, etwa im Sinne der konziliaren Erklärung Nostra Aetate, die die spirituellen Reichtümer anderer Religionen würdigt.

Gottebenbildlichkeit und Würde des Menschen: Die philosophischen Seelenbegriffe von Aristoteles und Descartes eröffnen eine Diskussion über das, was den Menschen auszeichnet. Dabei ist besonders interessant, dass neuere Tierforschung (Spiegeltest, Hummeln, Boquila-Pflanze) die klassische Sonderstellung des Menschen in Frage stellt. Für den kath. RU bietet das die Gelegenheit, das Konzept der Gottebenbildlichkeit (imago Dei, Gen 1,26–27) nicht als biologische Überlegenheitsbehauptung, sondern als relationale Bestimmung zu entfalten: Der Mensch ist zur Beziehung mit Gott berufen – das ist seine besondere Würde, nicht seine kognitive Überlegenheit gegenüber anderen Lebewesen.

Schöpfungstheologie und Naturwissenschaft: Die Boquila-Sequenz und das Hummelexperiment bieten einen faszinierenden Ausblick auf die Komplexität der belebten Welt, der theologisch als Zeichen der Fülle und Weisheit der Schöpfung gedeutet werden kann. Der forschende Zugang der Wissenschaft und die staunende Haltung des Glaubens werden in der Dokumentation als komplementär und nicht als widersprüchlich dargestellt – eine wichtige Botschaft für den RU.

Psychologie, Traumdeutung und Selbsterkenntnis: Das Kapitel zu Freud und der KI-gestützten Traumvisualisierung ist anschlussfähig an Fragen nach Selbstwahrnehmung, Identität und dem Verhältnis von bewusstem und unbewusstem Erleben. Im kath. RU kann es theologisch vertieft werden durch Augustinus' Diktum „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir" (Confessiones I,1) – die Seele als jener innere Ort, der über das Bewusste hinausgeht und sich letztlich nur in der Gottesbeziehung findet.

Methodische Einsatzmöglichkeiten

Für den Gesamteinsatz in einer Doppelstunde empfiehlt sich folgender Aufbau: Als Einstieg eignet sich eine stille Reflexionsaufgabe: „Was verstehst du unter Seele – und woher kommt diese Vorstellung?" Die Antworten können auf Karten gesammelt und an der Tafel geclustert werden. Dann folgt die Sichtung der Dokumentation mit einem arbeitsteiligen Beobachtungsauftrag: Gruppe 1 notiert naturwissenschaftliche Positionen zur Seele, Gruppe 2 philosophische Positionen, Gruppe 3 religiöse Positionen. Die Auswertung erfolgt in einem Strukturlegemodell oder einer Tafelsystematik, die die drei Zugänge gegenüberstellt. Als Transferaufgabe bietet sich die Frage an: „Welches der vorgestellten Seelenkonzepte steht dem christlichen Verständnis am nächsten – und wo liegen die Unterschiede?"

Für die Ausschnittsarbeit bieten sich folgende Sequenzen besonders an. Das Kapitel zu Nahtoderfahrungen und Christine Brekenfeld (ca. 13:24–19:22) eignet sich als Einstieg in eine Einheit zu Tod, Auferstehung und Jenseitsvorstellungen. Es ist emotional berührend, ohne reißerisch zu sein, und ermöglicht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, was beim Sterben geschieht. Das Kapitel zu den Weltreligionen (ca. 10:59–13:08) bietet sich als kompakter Einstieg in eine Einheit zum interreligiösen Vergleich von Jenseitsvorstellungen an. Das Kapitel zu Aristoteles und Descartes (ca. 19:50–23:20) eignet sich für eine philosophieorientierte Vertiefung in der Oberstufe, etwa im Zusammenhang mit dem Thema Menschenwürde und theologischer Anthropologie. Der Platón-Mythos der Kugelmenschen (ca. 39:09–41:14) ist ein besonders gesprächsanregender Abschluss für eine Unterrichtsstunde zur Frage nach Liebe, Verbundenheit und Seelenverwandtschaft – mit klarem Bezug zur christlichen Vorstellung von der Sehnsucht nach Gott als dem letzten Seelenverwandten.

Als kreative Methode kann das Lesch-Fazit aufgegriffen werden: Schüler*innen formulieren ihren eigenen „Seelenbrief" – eine kurze Selbstreflexion, was für sie die Seele ist, ob sie glauben, eine zu haben, und was sie als ihren tiefsten inneren Kern erleben. Dieser Brief kann theologisch angereichert werden durch einen Kurztext aus Augustinus oder aus dem Buch der Psalmen (z. B. Ps 42: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.").

Hinweise zur Differenzierung

Für leistungsstärkere Kurse empfiehlt sich die philosophische Vertiefung des Leib-Seele-Problems (Dualismus vs. Monismus), etwa durch einen ergänzenden Text von Thomas von Aquin zur forma corporis oder einen Kurztext aus Karl Rahners Grundkurs des Glaubens zur transzendentalen Erfahrung. Für leistungsschwächere Gruppen eignet sich die narrative Arbeit mit Christine Brekenfelds Erfahrungsbericht sowie die Bild-zu-Text-Aufgabe zur Höhle von Lascaux: Was könnten die Menschen damals gedacht haben, als sie das Vogel-Bild malten?

Hinweis zum Einsatz im Unterricht

Die Dokumentation ist auf YouTube über den Kanal Terra X Lesch & Co frei zugänglich. Die Kombination mit der anderen Terra-X-Dokumentation zur Schicksalsfrage (ebenfalls Lesch, 2025) liegt thematisch nahe und kann für eine kohärente Unterrichtsreihe zu den „großen Fragen" genutzt werden: Schicksal – Seele – Sinn des Lebens.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.