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Magazin ZeitspRUng

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Yunus und der große Fisch - als Thema im islamischen RU

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel von Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (2/2023), stellt die Prophetengeschichte von Yunus (Jona) als Unterrichtsgegenstand für den islamischen Religionsunterricht in der Grundschule vor. Nach einer theologischen Einführung in die koranische Überlieferung von Yunus – verteilt auf mehrere Suren, mit dem Kernthema Schuld, Umkehr und Barmherzigkeit Gottes – werden drei methodische Zugänge für den Unterricht skizziert: ein ästhetischer Zugang über eine persische Miniatur (um 1400), ein narrativer Zugang mit Legematerialien und Szenenunterbrechungen sowie ein performativer Zugang mit Standbildern, Rollenspielen und selbstverfassten Gebetstexten. Der Artikel empfiehlt ergänzend die Nutzung von Sekundärliteratur, da die koranische Version der Geschichte fragmentarisch ist, und verweist auf die biblische Jona-Erzählung als intertextuellen Vergleichstext.

Das Medium „Yunus und der große Fisch als Thema im islamischen Religionsunterricht“ von Naciye Kamcili Yildiz erschließt die koranische Geschichte des Propheten Yunus für den Religionsunterricht und verbindet dabei fachwissenschaftliche Grundlagen mit konkreten Unterrichtsimpulsen. Yunus gehört zu den 25 im Koran namentlich genannten Propheten. Seine Geschichte wird nicht zusammenhängend erzählt, sondern findet sich in verschiedenen Suren. Im Mittelpunkt stehen sein Auftrag als Gesandter Gottes, seine Flucht vor der Verantwortung, die Erfahrung im Bauch des großen Fisches, die Einsicht in das eigene Fehlverhalten, seine Hinwendung zu Gott und schließlich seine Rettung durch Gottes Barmherzigkeit. Besonders hervorgehoben wird der Lernprozess des Yunus: Er erkennt seine Fehlentscheidung, übernimmt Verantwortung für sein Handeln, verändert sich und stellt sich erneut seiner Aufgabe. Damit greift die Erzählung menschliche Grunderfahrungen auf, die auch für Lernende bedeutsam sind, etwa Überforderung, Flucht, Schuld, Nachdenken, Reue, Veränderung und die Erfahrung, eine schwierige Aufgabe schließlich bewältigen zu können. Das Medium entwickelt dazu drei Zugänge für den Unterricht: einen ästhetischen Zugang über eine historische Miniatur mit Yunus und dem großen Fisch, einen narrativen Zugang mit Legematerialien sowie einen performativen Zugang mit Standbildern, szenischen Darstellungen und selbst verfassten Gebeten.

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Das Medium eignet sich insbesondere für den islamischen Religionsunterricht in der Grundschule und eröffnet einen lebensweltlich anschlussfähigen Zugang zu einer koranischen Prophetengeschichte. Prophetengeschichten ermöglichen Lernenden, die Lebenswelt koranischer Gesandter kennenzulernen und deren Erfahrungen auf Fragen des eigenen Glaubens und Lebens zu beziehen. Didaktisch besonders ergiebig ist die Geschichte von Yunus, weil sie nicht bei der Vermittlung religiösen Wissens stehen bleibt. Sie erzählt von einem Menschen, der sich einer Aufgabe zunächst nicht gewachsen fühlt, davonläuft, einen Fehler erkennt und nach einer Phase des Nachdenkens den Mut findet, Verantwortung zu übernehmen. Die Geschichte eröffnet damit Möglichkeiten, religiöse Bildung mit Erfahrungen der Lernenden zu verbinden. Fragen wie „Wann möchte ich einer schwierigen Aufgabe ausweichen?“, „Wie gehe ich mit eigenen Fehlern um?“, „Was hilft mir, einen Fehler einzugestehen?“ oder „Was bedeutet es, eine zweite Chance zu bekommen?“ können die Erzählung für die Lebenswelt der Lernenden öffnen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, die Geschichte nicht auf eine allgemeine moralische Botschaft zu reduzieren. Ihr theologischer Kern liegt ebenso in der Beziehung zwischen Yunus und Gott sowie in Gottes Barmherzigkeit, Schutz, Rettung und Vergebung.

Für die Textarbeit ist zu berücksichtigen, dass die Geschichte des Yunus im Koran nur fragmentarisch über mehrere Suren verteilt erscheint. Das Medium empfiehlt deshalb für schulische Zwecke eine zusammenhängende Darstellung aus geeigneter Sekundärliteratur. Für jüngere Lernende ist dies besonders sinnvoll, da sie sich zunächst auf den Handlungsverlauf konzentrieren können. Im weiteren Unterricht können einzelne koranische Textstellen ergänzend herangezogen werden. Dadurch lässt sich schrittweise zwischen erzählter Geschichte und koranischer Überlieferung unterscheiden. Zugleich können grundlegende Kompetenzen religiöser Bildung wie Wahrnehmen, Beschreiben, Verstehen, Deuten und Kommunizieren entwickelt werden.

Als Einstieg bietet sich der im Medium vorgeschlagene ästhetische Zugang an. Die auf Seite 14 abgebildete persische Miniatur zeigt Yunus nach seiner Rettung aus dem großen Fisch. Ein Engel nähert sich und reicht ihm ein Gewand. Das Bild sollte zunächst ohne ausführliche Erklärung präsentiert werden, damit die Lernenden eigene Beobachtungen, Vermutungen und Fragen entwickeln können. Die im Medium vorgeschlagene Bilderschließung führt von der spontanen Wahrnehmung über die Untersuchung von Farben und Formen sowie persönlichen Gefühlen und Assoziationen zur Deutung des Bildes und schließlich zur Frage nach der eigenen Position. Besonders interessant ist die Idee, die Lernenden ihren eigenen Ort innerhalb des Bildes bestimmen zu lassen. Wird die Miniatur vergrößert, können sie ihren Namen an der gewählten Stelle platzieren und ihre Entscheidung begründen. Am Ende der Unterrichtssequenz kann diese Positionierung erneut vorgenommen werden. Ein Vergleich macht sichtbar, ob und warum sich Wahrnehmungen und Deutungen im Verlauf des Lernprozesses verändert haben. Damit wird das Bild nicht nur zum Einstieg, sondern zugleich zu einem Instrument der Lernprozessreflexion.

Für die weitere Erarbeitung bietet sich der narrative Zugang mit Legematerialien an. Die Geschichte kann in einzelne Sinnabschnitte gegliedert und schrittweise erzählt werden. Nach jeder Szene wird das Erzählen unterbrochen und die Situation gemeinsam erschlossen. Dieses Vorgehen ermöglicht es den Lernenden, Vermutungen über den Fortgang anzustellen, Gefühle und Motive der Figuren zu benennen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Beim Auftrag des Yunus kann beispielsweise danach gefragt werden, welche Verantwortung er übernimmt. Bei der Ablehnung durch sein Volk können die Lernenden überlegen, wie Yunus reagieren könnte und welchen Rat sie ihm geben würden. Besonders intensiv lässt sich die Situation im Bauch des Fisches bearbeiten. Fragen nach den Gefühlen, Gedanken und möglichen Einsichten des Yunus führen von der äußeren Handlung zu seiner inneren Entwicklung. Nach seiner Rettung können die Lernenden schließlich die Veränderungen bei Yunus und seinem Volk vergleichen.

Eine wichtige religionsdidaktische Methode ist dabei das Theologisieren mit Lernenden. Die einzelnen Szenen können Ausgangspunkte für offene religiöse Fragen sein: Warum lässt Gott Yunus nicht allein? Was bedeutet Barmherzigkeit? Warum bekommt Yunus eine neue Chance? Muss man einen Fehler zuerst erkennen, bevor Vergebung möglich wird? Was verändert ein Gebet? Solche Fragen sollten nicht vorschnell durch die Lehrkraft beantwortet werden. Vielmehr können unterschiedliche Vorstellungen gesammelt, miteinander verglichen und anschließend auf die Geschichte bezogen werden. So entwickeln die Lernenden eigene theologische Gedanken und lernen zugleich, ihre Auffassungen zu begründen.

Der performative Zugang eignet sich besonders für Lerngruppen mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen. Das Medium schlägt vor, Gefühle und Verhaltensweisen der Figuren durch Standbilder darzustellen. Auf diese Weise können auch Lernende beteiligt werden, denen eine ausführliche sprachliche Auseinandersetzung schwerfällt. Vor einem Standbild kann zunächst geklärt werden, welche Körperhaltung, welcher Gesichtsausdruck und welche räumliche Position zur jeweiligen Situation passen. Anschließend beschreiben die Betrachtenden, was sie wahrnehmen. Die Darstellenden können danach erläutern, welche Gefühle oder Gedanken sie ausdrücken wollten. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich von Standbildern vor und nach der Veränderung des Yunus. So werden Reue, Einsicht, Hoffnung und neuer Mut körperlich und räumlich erfahrbar.

Eine weitere Vertiefung bietet das Verfassen eines Gebetes aus der Perspektive des Yunus. Die Lernenden versetzen sich gedanklich in seine Situation im Inneren des Fisches und bringen Angst, Einsamkeit, Reue, Hoffnung und Vertrauen in eigenen Worten zum Ausdruck. Nach der Rettung kann ein zweiter Gebetstext entstehen, der Dankbarkeit und Erleichterung aufnimmt. Der Vergleich beider Texte kann den inneren Wandel des Yunus sichtbar machen. Für einen sprachsensiblen Religionsunterricht können Satzanfänge und einzelne Formulierungshilfen bereitgestellt werden, wie es auch das Medium ausdrücklich vorschlägt.

Die entstandenen Gebete können schließlich zum Ausgangspunkt einer theologischen Auseinandersetzung mit Gottesvorstellungen werden. Die Lernenden untersuchen, welche Eigenschaften Gottes in der Geschichte sichtbar werden. Das Medium hebt besonders Gottes Barmherzigkeit sowie seine Rolle als Beschützer, Retter und Verzeihender hervor. Begriffe für verschiedene Eigenschaften Gottes können im Raum ausgelegt werden. Die Lernenden positionieren sich zu dem Begriff, der ihrer Ansicht nach besonders gut zur Yunus Geschichte passt, und begründen ihre Entscheidung. So verbindet die Methode Bewegung, individuelle Positionierung, Kommunikation und theologisches Lernen. Insgesamt ermöglicht das Medium einen abwechslungsreichen Religionsunterricht, in dem koranische Textarbeit, ästhetisches Lernen, Erzählen, szenisches Gestalten, biografische Reflexion und theologisches Gespräch miteinander verbunden werden.


Kurze Inhaltsbeschreibung

Der Artikel von Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (2/2023), stellt die Prophetengeschichte von Yunus (Jona) als Unterrichtsgegenstand für den islamischen Religionsunterricht in der Grundschule vor. Nach einer theologischen Einführung in die koranische Überlieferung von Yunus – verteilt auf mehrere Suren, mit dem Kernthema Schuld, Umkehr und Barmherzigkeit Gottes – werden drei methodische Zugänge für den Unterricht skizziert: ein ästhetischer Zugang über eine persische Miniatur (um 1400), ein narrativer Zugang mit Legematerialien und Szenenunterbrechungen sowie ein performativer Zugang mit Standbildern, Rollenspielen und selbstverfassten Gebetstexten. Der Artikel empfiehlt ergänzend die Nutzung von Sekundärliteratur, da die koranische Version der Geschichte fragmentarisch ist, und verweist auf die biblische Jona-Erzählung als intertextuellen Vergleichstext.


Didaktisch-methodische Hinweise

Klassenstufe: Grundschule (explizit angegeben). Die beschriebenen Methoden (Legematerialien, Standbilder, Sprechblasen-Gebetstexte, Bildbeschreibung nach Günther Lange) sind auf die Primarstufe zugeschnitten; mit Anpassungen sind Teile der Einheit auch für Klasse 5–6 geeignet.

Relevanz für den katholischen und evangelischen RU: Obwohl der Artikel explizit für den islamischen Religionsunterricht verfasst ist, bietet er erhebliches Potenzial für interreligiöses und kooperatives Lernen. Die biblische Jona-Erzählung und die koranische Yunus-Geschichte sind eng verwandt und eignen sich hervorragend für einen Vergleich im Rahmen konfessionell-kooperativen oder interreligiösen Unterrichts. Im katholischen RU können Lernbereiche wie prophetische Überlieferung, Schuld und Vergebung, Gottesbilder (Barmherzigkeit, Errettung) sowie der Dialog mit dem Islam angesprochen werden. Der von Kamcili-Yildiz selbst empfohlene Titel Jona als Schlüssel zu Bibel und Koran (Julia Bubenheim, Stuttgart 2022) bietet eine fundierte Grundlage für die konfessionelle Erweiterung.

Ästhetischer Zugang (Miniatur): Die fünf Schritte nach Günther Lange sind ein bewährtes bildhermeneutisches Verfahren, das im RU aller Konfessionen eingesetzt wird. Besonders der fünfte Schritt (Identifikation: „Wo ist mein Ort im Bild?") und der abschließende Vergleich am Ende der Einheit (Hat sich mein Ort verschoben?) schaffen eine persönliche Lernkurve, die über das reine Textverstehen hinausgeht. Lehrkräfte sollten die Miniatur in guter Qualität und ausreichender Größe (A3) bereitstellen.

Narrativer Zugang (Legematerialien): Das Unterbrechen der Erzählung an Schlüsselstellen und das Einladen zum Theologisieren ist eine erprobte Methode des Theologisierens mit Kindern (vgl. Schweitzer, Bucher). Die vorgeschlagenen Impulsfragen sind theologisch präzise und altersgerecht formuliert; sie fördern Perspektivübernahme, ethisches Urteilen und die Reflexion über Schuld und Umkehr. Im konfessionellen RU können diese Fragen um eine christliche Gottesbildperspektive erweitert werden.

Performativer Zugang (Standbilder, Gebetstext): Die Verbindung von Körperarbeit (Standbild, Rollenspiel) und schriftlicher Reflexion (Gebetstext, Satzbausteine für sprachlich schwächere Schüler*innen) ist ein Beispiel gelungener Differenzierung. Die theologisierende Auswertung über Gottesattribute (Barmherzigkeit, Schutz, Verzeihung) am Ende der Einheit verankert die Erfahrungen in einem religiösen Deutungsrahmen.

Interreligiöses Potenzial: Die Parallelität von Yunus und Jona eröffnet einmalige Möglichkeiten für interreligiöses Lernen. Ein gemeinsam durchgeführter Unterricht – islamische und christliche Schüler*innen erkunden dieselbe Figur aus verschiedenen Überlieferungen – kann das Bewusstsein für gemeinsame abrahamische Wurzeln schärfen und zur gegenseitigen Wertschätzung beitragen.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6G.2 Religiöses Leben an unserem Ort. Religiöse Symbole entdecken und deuten.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6.2 Leben mit anderen Religionen: Was die abrahamitischen Religionen verbindet.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Elemente der Abrahamserzählung

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