Der Artikel von Clauß Peter Sajak analysiert interreligiöses Lernen als pädagogisches Konzept in der deutschen Grundschule. Da die Grundschule die einzige Schulform ist, die alle Schülerinnen und Schüler besuchen müssen, kommt ihr für interreligiöse Lernprozesse eine besondere Bedeutung zu. Der historische Kontext des Weimarer Schulkompromisses (1920) erklärt die Entstehung von Konfessionsschulen, die heute jedoch durch steigende religiöse Pluralität faktisch zu Gemeinschaftsschulen geworden sind. Interreligiöses Lernen findet nicht nur im formal strukturierten Religionsunterricht, sondern auch im Schulleben durch Begegnungen, Diskussionen und Schulpastoral statt. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) haben explizit Standards für interreligiöses Lernen formuliert, wobei die katholische Seite konkretere Bildungsstandards für die Grundschule entwickelt hat. Der Schwerpunkt liegt auf dem trialogschen Ansatz zwischen Judentum, Christentum und Islam. Der islamische und jüdische Religionsunterricht bewerten die Notwendigkeit interreligiösen Lernens unterschiedlich: während der islamische Unterricht in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen interreligiöse Dimensionen verankert hat, konzentriert sich der jüdische Unterricht zunächst auf die Vermittlung der eigenen Tradition. Für die Gestaltung des interreligiösen Lernens in der Grundschule empfiehlt der Artikel lebensweltliche und ganzheitliche Ansätze, die dem Alter und den Verstehensvoraussetzungen der Kinder entsprechen. Als zentrale methodische Großformen werden die gemeinsame Gestaltung religiöser Feste, personalisierte Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen sowie die Einführung in religiöse Symbole identifiziert.