Klassenstufe: Grundschule, Klassen 3–4. Die Methoden (Bibliolog, Rollenspiel, einfache Arbeitsblätter, Kreuzworträtsel), die Themenwahl und die sprachliche Gestaltung weisen eindeutig auf den Primarbereich hin; die Autorin selbst unterrichtet in einer Grundschule.
Thematische Verortung im katholischen RU: Obwohl der Artikel aus evangelischem Kontext stammt, lässt sich die Einheit – mit angemessener Reflexion – auch im katholischen Religionsunterricht fruchtbar machen. Relevante Lernbereiche sind: biblische Erzählungen (Josefsgeschichte als Teil der Vätererzählungen), Gottesbilder und Gottessprache, Identität und Würde jedes Menschen, Schöpfungsvielfalt sowie das Thema Ausgrenzung und Solidarität. Lehrkräfte sollten die queere Perspektive bewusst und altersgerecht einbetten, ohne sie zu überfordern oder zu verschweigen.
Stärken des didaktischen Ansatzes: Die Einheit verbindet bibeltheologische Tiefe (Wortbedeutung von kethoneth passim, vielfältige Gottesbilder in Psalmen und Jesaja) mit einer kindgemäßen, erlebnisorientierten Methodik. Der Bibliolog als Methode ermöglicht Perspektivübernahme und Empathiebildung auf hohem Niveau; er lässt Kinder die biblische Erzählung von innen heraus erschließen. Die Autorin berichtet von überraschend offenen und differenzierten Schülerantworten, die zeigen, dass Grundschulkinder weniger durch Vorurteile blockiert sind als oft angenommen.
Methodische Hinweise: Wer keine Bibliologausbildung besitzt, kann die entsprechenden Phasen durch einfaches Rollenspiel, szenisches Lesen oder Standbilder ersetzen. Das Kinderbuch „An der Arche um Acht" (Ulrich Hub / Jörg Mühle) eignet sich als niedrigschwelliger Einstieg und ist im Buchhandel problemlos verfügbar. Die Arbeitsblätter sind direkt einsetzbar; AB 2 und AB 3 (Pinguin und Taube) können auch als eigenständige Einheit zu Freundschaft und Akzeptanz verwendet werden.
Sensible Begleitung: Die Verknüpfung von Josefsgeschichte und Transidentität ist theologisch begründet, aber im Unterrichtskontext erklärungsbedürftig. Lehrkräfte sollten sich im Vorfeld mit den verwendeten Begriffen (Transidentität, queer) vertraut machen und eine altersgerechte Sprache wählen. Elterninformation oder -einbindung kann – je nach Schulkontext – sinnvoll sein. Wichtig ist, dass die Einheit nicht auf eine „Aufklärungsstunde" reduziert wird, sondern theologisch fundiert bleibt: Im Zentrum steht Gottes Liebe zu jedem Menschen, unabhängig von Geschlecht oder Andersartigkeit.
Verbindung zu Lehrplankompetenzen (exemplarisch, katholisch): Wahrnehmen (Vielfalt als Bestandteil der Schöpfung erkennen), Deuten (biblische Texte auf die eigene Lebenswirklichkeit beziehen), Urteilen (eigene Haltung zu Ausgrenzung und Akzeptanz entwickeln), Kommunizieren (Perspektiven austauschen und begründen), Gestalten (kreative Auseinandersetzung mit biblischen Figuren durch Bibliolog, Rollenspiel, Zeichnen).
Besonderer Wert der letzten Stunde: Die abschließende Einheit zu Gottesbildern (AB 5 und AB 6) ist auch unabhängig vom queeren Kontext einsetzbar – als eigenständige Sequenz zur Sprache von und über Gott in der Grundschule. Die Verwendung der Bibel in gerechter Sprache und die bewusste Wahl weiblicher und neutraler Gottesbezeichnungen bietet einen wertvollen Impuls für das Theologisieren mit Kindern.