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Eulenfisch

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Unter den Himmeln der Unendlichkeit

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel „Unter den Himmeln der Unendlichkeit“ von Knut Wenzel ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 7 Seiten (S. 7–13). Der Text behandelt zentrale theologische Probleme des Heimatbegriffs im Christentum. Dabei wird gefragt, ob und in welchem Sinn Glaube, Religion und Gott für den Menschen Heimat sein können, obwohl biblische Traditionen häufig Aufbruch, Fremdheit und Unterwegssein betonen. Der Artikel diskutiert die Spannung zwischen Heimat, Heimatlosigkeit, Pilgerschaft, Transzendenz und der Vorstellung des Himmels als eigentliche Heimat des Menschen.

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Der Artikel untersucht den Begriff der Heimat aus anthropologischer und theologischer Perspektive. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass menschliche Existenz immer leiblich gebunden ist. Menschen leben an konkreten Orten und in konkreten Zeiten. Der Körper macht das menschliche Leben einzigartig und unverwechselbar, weil Erfahrungen wie Freude, Leid, Erinnerung oder Sehnsucht immer individuell erlebt werden. Aus dieser leiblichen Dimension ergibt sich ein Bedürfnis nach Heimat als Ort der vertrauten Präsenz.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Heimat nicht einfach ein geografischer Ort ist. Sie entsteht aus der Biographie eines Menschen und ist häufig mit der Kindheit verbunden. Diese frühe Heimat ist jedoch verloren und kann nicht wieder erreicht werden. Der Philosoph Ernst Bloch deutet deshalb Heimat als eine noch ausstehende Utopie. Heimat ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch eine Hoffnung auf zukünftige Erfüllung.

Der Artikel stellt diesem Bedürfnis nach Heimat eine zweite Dimension des Menschen gegenüber, nämlich den Geist. Während der Körper an Orte gebunden ist, besitzt der Geist eine Freiheit, die über Orte hinausgeht. Der Geist kann überall sein und sich mit vielem verbinden. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen leiblicher Ortsgebundenheit und geistiger Offenheit. Der Mensch ist deshalb zugleich auf Heimat angewiesen und doch in gewisser Weise heimatlos.

Diese geistige Offenheit zeigt sich besonders in der Liebe. Liebe richtet sich zwar auf eine konkrete Person, öffnet aber gleichzeitig den Blick für das Allgemeine. In dieser Dynamik sieht der Autor eine religiöse Dimension. Die Liebe kann dazu führen, Gott in allen Dingen zu suchen. Damit überschreitet sie jede feste Bindung an einen bestimmten Ort.

Der Text illustriert diese Heimatlosigkeit mit kulturellen Figuren wie dem Flaneur der modernen Großstadt, dem romantischen Wanderer oder dem Hobo der amerikanischen Kulturgeschichte. Diese Figuren bewegen sich ständig unterwegs zwischen Orten und symbolisieren eine Existenz ohne feste Heimat. Auch in der Popkultur zeigt sich diese Sehnsucht nach Bewegung und Transzendenz.

Der Autor verbindet diese Beobachtungen mit Religion. Popkultur und Religion teilen nach seiner Ansicht eine Sehnsucht nach mehr Wirklichkeit, als die gegenwärtige Welt bieten kann. Religion bedeutet daher nicht unbedingt die Bestätigung einer sicheren Identität. Vielmehr kann religiöser Glaube gerade eine Erfahrung von Fremdheit und Heimatlosigkeit beinhalten.

Diese Vorstellung findet der Autor auch in der Bibel. Schon im Alten Testament ist der Aufbruch eine zentrale Erfahrung. Abraham verlässt seine Heimat und folgt einer göttlichen Verheißung. Ebenso erinnert die Geschichte Israels an den Exodus aus Ägypten. Gottes Gegenwart zeigt sich hier nicht im festen Ort, sondern im Aufbruch in die Freiheit.

Auch im Neuen Testament wird diese Dynamik sichtbar. Die Nachfolge Jesu verlangt manchmal den Bruch mit vertrauten sozialen Bindungen. Die frühen Christen verstanden sich deshalb als Fremde in der Welt. Sie sahen sich nicht vollständig zu Hause in der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung.

Trotzdem bedeutet diese Fremdheit keine Ablehnung der Welt. Die Welt bleibt nach christlichem Verständnis Schöpfung Gottes und ist daher grundsätzlich gut. Sie ist jedoch nicht die endgültige Heimat des Menschen.

Die eigentliche Heimat wird in der christlichen Tradition im Himmel gesehen. Dieser Himmel ist jedoch kein geografischer Ort. Er steht für die unendliche Fülle Gottes. Der Mensch streckt sich mit seinem Geist nach dieser unendlichen Wirklichkeit aus, ohne sie vollständig erreichen zu können. Heimat ist daher eher eine transzendente Hoffnung als ein erreichbarer Ort.

Der Artikel schließt mit der Idee, dass der Mensch zwischen zwei Dimensionen lebt. Körperlich ist er an konkrete Orte gebunden. Geistig ist er auf das Unendliche ausgerichtet. Daraus entsteht eine Spannung zwischen Nähe zur Welt und Sehnsucht nach einer größeren Wirklichkeit. In dieser Spannung erscheint Gott als Ziel der menschlichen Sehnsucht. Die wahre Heimat des Menschen liegt daher nicht vollständig in der Welt, sondern im Horizont des Himmels und der unendlichen Gegenwart Gottes.

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7G.3 Gott will die Befreiung. Exodus: Geschenk und Auftrag.

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7.2 Vom Umgang mit Freiheit: Gebot und Gewissen.

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