Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in den Klassen 3 bis 6, weil es religiöses Lernen konsequent mit der Lebenswelt der Lernenden und mit konkreten Erfahrungen von Selbstwirksamkeit verbindet. Nachhaltigkeit wird nicht lediglich als Sachthema vermittelt. Vielmehr sollen Lernende erfahren, dass sie ihre Umwelt wahrnehmen, beurteilen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitgestalten können. Diese Ausrichtung ist religionspädagogisch besonders bedeutsam, weil Fragen nach der Zukunft der Welt mit christlichen Vorstellungen von Schöpfungsverantwortung, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Hoffnung verbunden werden. Das Medium verfolgt damit einen Ansatz, der Wahrnehmen, Nachdenken, Urteilen und Handeln miteinander verknüpft. Die Lernenden sollen nicht nur erfahren, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, sondern Handlungsmöglichkeiten entdecken und die religiösen Motive verantwortlichen Handelns reflektieren.
Als Einstieg eignen sich die beiden vorgeschlagenen Bilderbücher besonders gut. Bilderbücher ermöglichen auch im Religionsunterricht einen emotionalen und narrativen Zugang zu komplexen Fragen. Die Lernenden können sich mit Figuren identifizieren, Konflikte aus deren Perspektive wahrnehmen und eigene Lösungsvorschläge entwickeln. Bei „Das Städtchen Drumherum“ steht der Konflikt zwischen der Erweiterung einer Stadt und dem Erhalt eines Waldes im Mittelpunkt. Die Kinder der Geschichte versuchen zu verhindern, dass der Wald zerstört wird, und erfahren schließlich, dass ihr Handeln Wirkung zeigt. Diese Erzählstruktur eignet sich sehr gut, um die Selbstwirksamkeit der Lernenden zum Unterrichtsgegenstand zu machen. Die Geschichte sollte deshalb nicht vollständig vorgelesen werden. Sinnvoll ist eine Unterbrechung an der Stelle, an der der Bürgermeister seine Pläne vorstellt. Die Lernenden können zunächst Vermutungen über den weiteren Verlauf entwickeln und überlegen, welche Argumente sie selbst gegenüber dem Bürgermeister vorbringen würden.
Die im Medium vorgeschlagene Schreibaufgabe eines Briefes an den Bürgermeister eignet sich zur Vertiefung. Die Lernenden formulieren Gründe für den Erhalt des Waldes und müssen dabei die Perspektive von Menschen, Tieren und Pflanzen berücksichtigen. Anschließend können ausgewählte Briefe vorgelesen und die Argumente gemeinsam geordnet werden. Denkbar sind Kategorien wie Lebensraum, Schönheit, Erholung, Verantwortung, Zukunft und Schöpfung. Auf diese Weise entsteht aus einer zunächst emotionalen Reaktion schrittweise eine begründete ethische Position. Das Material schlägt anschließend vor, darüber nachzudenken, welche weiteren Möglichkeiten die Kinder besitzen könnten, um den Bürgermeister zu überzeugen. Methodisch lässt sich daraus beispielsweise ein Rollenspiel entwickeln, in dem unterschiedliche Interessen vertreten werden. Lernende können die Perspektiven des Bürgermeisters, der Kinder, der Bevölkerung oder symbolisch auch der Tiere und Pflanzen übernehmen. Dadurch werden Perspektivwechsel und ethische Urteilsbildung gefördert.
Das zweite Bilderbuch „Das ist eine wunderschöne Wiese“ ermöglicht eine ähnliche, aber stärker auf menschliches Verhalten ausgerichtete Auseinandersetzung. Eine ursprünglich grüne Wiese wird durch die Nutzung und Bebauung der Menschen zunehmend verändert. Die Geschichte eröffnet damit Fragen nach Bedürfnissen, Grenzen, Verantwortung und dem Umgang mit gemeinsam genutzten Lebensräumen. Besonders geeignet sind philosophische Gespräche. Die Lernenden können beispielsweise überlegen, wem eine Wiese gehört, ob Menschen alles verändern dürfen, was sie nutzen können, und welche Verantwortung gegenüber Pflanzen, Tieren und zukünftigen Generationen besteht. Das Medium schlägt außerdem vor, darüber nachzudenken, ob die Menschen aus ihrem Verhalten gelernt haben und was sie beim nächsten Mal anders machen könnten. Für jüngere Lernende bietet sich eine kreative Vertiefung an, bei der sie ihre eigene Vorstellung einer wunderschönen Wiese malen und anschließend erläutern. Die Bilder können zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammengestellt werden und als Grundlage für Gespräche über eine lebenswerte Umwelt dienen.
Eine zentrale methodische Erweiterung besteht darin, den Klassenraum zu verlassen und die direkte Umgebung der Schule zum Lernort zu machen. Das Medium enthält hierzu konkrete Fragen für einen gemeinsamen Spaziergang. Die Lernenden sollen darauf achten, an welchen Orten sie sich wohlfühlen, welche besonderen Plätze sie für Menschen und Tiere entdecken, welche Pflanzen ihnen auffallen, was ihnen nicht gefällt und was verändert werden könnte. Diese Umgebungsanalyse eignet sich besonders, um abstrakte Vorstellungen von Nachhaltigkeit mit konkreten Beobachtungen zu verbinden. Die Lernenden können ihre Wahrnehmungen schriftlich festhalten, zeichnen oder fotografisch dokumentieren. Im Anschluss werden die Ergebnisse gesammelt und danach geordnet, was bewahrt und was verändert werden sollte.
Aus der Erkundung kann ein eigenes Unterrichtsprojekt entstehen. Denkbar sind beispielsweise Maßnahmen zum Schutz eines Lebensraums, Ideen für mehr Grün auf dem Schulgelände oder Aktivitäten, die anderen Menschen zugutekommen. Wichtig ist, dass die Lernenden an der Auswahl und Planung des Projekts beteiligt werden. Gerade diese Beteiligung unterstützt die im Medium hervorgehobene Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Die Lernenden erleben, dass ihre Beobachtungen, Interessen und Ideen ernst genommen werden und zu einer konkreten Veränderung führen können. Das Projekt sollte überschaubar und tatsächlich umsetzbar sein, damit eine reale Erfahrung eigener Handlungsmöglichkeiten entstehen kann.
Das im Medium vorgestellte Lernen durch Engagement bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Zunächst werden die Gegebenheiten in der Umgebung untersucht und problematische Strukturen oder Situationen identifiziert. Danach entwickeln die Lernenden in Kleingruppen Ideen für mögliche Veränderungen, erstellen einen Projektplan, stellen diesen vor und setzen ausgewählte Ideen um. Abschließend wird das Projekt gemeinsam reflektiert. Dabei können ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Religionspädagogisch entscheidend ist die abschließende Reflexion. Ohne diese würde das Projekt vor allem im Bereich allgemeiner Umweltbildung oder sozialen Engagements verbleiben. Im Religionsunterricht sollte deshalb ausdrücklich gefragt werden, welche Verbindung zwischen dem eigenen Handeln und christlichen Vorstellungen von Schöpfung, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Nachfolge besteht.
Als biblischer Bezug wird im Medium Matthäus 25,40 vorgeschlagen. Die Aussage, dass das Handeln gegenüber bedürftigen Menschen zugleich eine besondere religiöse Bedeutung besitzt, kann dazu beitragen, das praktische Engagement theologisch zu erschließen. Je nach Schwerpunkt können weitere biblische Schöpfungs und Hoffnungstexte ergänzend einbezogen werden. Dabei sollte vermieden werden, biblische Texte lediglich als nachträgliche Begründung für bereits feststehende ökologische Forderungen einzusetzen. Produktiver ist es, die Texte als eigenständige Perspektiven zu erschließen und mit den Erfahrungen aus dem Projekt ins Gespräch zu bringen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient schließlich das Hoffnungsverständnis des Mediums. Christliche Hoffnung wird ausdrücklich nicht als Erwartung verstanden, dass Gott die bestehenden Probleme ohne menschliches Zutun lösen werde. Hoffnung soll vielmehr Mut dazu geben, Verantwortung anzunehmen und angesichts von Krisen nicht in Passivität zu verfallen. Für den Religionsunterricht eröffnet dies eine wichtige Abschlussfrage: Was gibt Menschen Hoffnung, wenn Probleme groß erscheinen und das eigene Handeln zunächst klein wirkt? Die Lernenden können eigene Hoffnungsbilder, Zukunftswünsche oder Vorstellungen einer guten Zukunft entwickeln. So verbindet das Medium Bildung für nachhaltige Entwicklung mit einer religiösen Hoffnungsperspektive und ermöglicht einen Religionsunterricht, in dem Lernen, Reflektieren, Engagement und die Erfahrung eigener Gestaltungsmöglichkeiten aufeinander bezogen werden.
Klassenstufe: Klassen 3–6 (explizit im Artikel angegeben). Die Bilderbücher eignen sich vorrangig für Klasse 3–4; die reflektierteren Aufgaben (Projektplan, Service Learning, theologische Vertiefung) sind eher für Klasse 5–6 geeignet.Thematische Verortung im katholischen RU: Der Artikel stammt aus österreichisch-evangelischem Kontext, ist aber im katholischen Religionsunterricht ohne Anpassungsbedarf einsetzbar. Relevante Lernbereiche sind: Schöpfung und Schöpfungsverantwortung (Laudato si'), Nachfolge Jesu und Nächstenliebe, Reich-Gottes-Botschaft und christliche Hoffnung, diakonisches Lernen sowie Mt 25,40 als Leitvers für soziales und ökologisches Engagement. Der Artikel bietet damit eine seltene Verbindung von ökologischer und sozialer Dimension der Nachhaltigkeit im RU.Selbstwirksamkeit als zentrales didaktisches Prinzip: Jakob betont überzeugend, dass das Erleben eigener Wirksamkeit eine Schlüsselrolle für nachhaltiges Lernen und Handeln spielt. Beide Bilderbücher inszenieren Kinder als handelnde Subjekte, die Erwachsene überzeugen und Lebensräume schützen – ein starkes Identifikationsangebot, das Schüler*innen ermutigt, ihr eigenes Tun ernst zu nehmen. Lehrkräfte sollten diesen Aspekt in der Nachbereitung der Geschichten explizit ansprechen.Bilderbücher als theologisches Medium: Beide Bilderbücher eignen sich nicht nur als ökologische Impulse, sondern auch als Einstieg in theologische Grundfragen: Was bedeutet Verantwortung? Was schulden wir der Schöpfung? Was hat unser Handeln mit Glaube und Nachfolge zu tun? Die vorgeschlagene Methode, die Geschichte an bestimmten Stellen zu unterbrechen und Schüler*innen in eine aktive Rolle zu versetzen (Brief an den Bürgermeister), ist ein bewährtes erzähldidaktisches Mittel, das das Theologisieren mit Kindern fördert.Service Learning als religionspädagogische Methode: Die Verknüpfung von diakonischem Lernen und Service Learning ist für den katholischen RU besonders anschlussfähig, da Caritas und Nächstenliebe zentrale Bestandteile des katholischen Selbstverständnisses sind. Der dreischrittige Aufbau – Umgebungsanalyse, Projektentwicklung, Reflexion – gibt dem Unterricht eine klare Struktur und macht abstrakte Werte wie Solidarität und Gerechtigkeit in der Lebenswelt der Schüler*innen konkret erfahrbar.Arbeitsblatt Schulspaziergang (M1): Das Arbeitsblatt zur Umgebungsanalyse ist niedrigschwellig, für alle Klassenstufen geeignet und kann sowohl als Einstieg in eine längere Einheit als auch als eigenständige Einheit eingesetzt werden. Es schult Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit und legt den Grundstein für eigenverantwortliches Handeln.Theologische Rahmung: Jakobs Hoffnungsbegriff – nicht naiv, sondern als Handlungsimpuls – ist für den RU besonders wertvoll, weil er die Spannung zwischen Schöpfungsglaube und ökologischer Krise produktiv hält, ohne in Resignation oder Aktivismus zu verfallen. Mt 25,40 als Abschlussimpuls verankert das ökologische Engagement spirituell und gibt ihm einen explizit christlichen Sinn.