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Magazin ZeitspRUng

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„Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.“

Zwei Unterrichtseinheiten zu Jakobs und unserem Ringkampf mit Gott

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel aus zeitsprung (1/2020) von Ulrike Rogoll und Isabel Pawletta stellt zwei Unterrichtseinheiten zu Gen 32,23–33 (Jakobs Kampf am Jabbok) vor – eine für Klasse 5/6 (4 Stunden) und eine für Klasse 7/8 (3 Doppelblöcke). Beide Einheiten fragen nach dem Ringen mit Gott als Grundform des Glaubens: Darf man auf Gott wütend sein? Kann Glauben ohne Anfechtung reifen? Die Einheit für Klasse 5/6 geht vom Bibeltext aus und erschließt über szenische Darstellung, Psalm 13, ein Chagall-Gemälde und eigene Segenskarten die Fragen nach Gottesbildern, Klage und Segen. Die Einheit für Klasse 7/8 beginnt mit der persönlichen Glaubensbiografie (Paul Klee, Luther-Zitat), erschließt den Bibeltext über Fotografie der Hände, ein Rembrandt-Gemälde und den Popsong „Dein Hurra" (Bosse) und endet mit dem Segen als Verheißung. Alle Materialien (M1–M13) sind im Artikel abgedruckt.


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Klassenstufe: 5/6 (Lebensfrage 5: Fragen nach dem Unverfügbaren / Sprache für sprachlose Momente) und 7/8 (Lebensfrage 2: Fragen nach dem Umgang mit Veränderungen / Lebenswege), mit je eigenem methodischen Schwerpunkt.

Thematische Einordnung:

Beide Einheiten nehmen die oft ausgeblendete „dunkle Seite" Gottes ernst: Der Gott, der Jakob angreift, verletzt und dann segnet, ist kein „lieber Gott", sondern ein unverfügbarer, geheimnisvoller Gott, dem man begegnen, mit dem man aber auch ringen kann. Diese ehrliche theologische Haltung ist entwicklungspsychologisch für beide Altersstufen bedeutsam: In Klasse 6 beginnen Gottesvorstellungen sich zu differenzieren; in Klasse 7/8 werden Glaubenszweifel und Lebenskrisen konkreter. Beide Einheiten schließen dennoch mit dem Segen als Verheißung – das ist theologisch wichtig und pädagogisch verantwortungsvoll.

Einheit für Klasse 5/6 (4 Stunden):


Stunde 1 – Jakob ringt: Der Text wird in gekürzter Fassung erarbeitet und dann in Slow-Motion-Ringkampf (Dreiergruppen, gefilmt) szenisch umgesetzt. Die Stopp-Karte schützt vor Grenzüberschreitungen. Dass der Kampfpartner zunächst anonym bleibt (V. 29 und 31 fehlen), ist eine kluge dramaturgische Entscheidung: Die Spannung bleibt erhalten.

Stunde 2 – Wer ist der Unbekannte? Fotos aus den Filmen werden ausgedruckt, in Reihenfolge gebracht und mit Emoticons versehen. Die Think-Pair-Share-Aufgabe zu den Gottesvorstellungen ist didaktisch gut abgesichert: Allgemein formuliert („ein Christ"), schützt sie die Privatsphäre. Der selbst gewählte Gottesname am Ende (M6) ist ein starker Abschluss – er bringt die Vielgestaltigkeit des biblischen Gottesbildes auf den Punkt.

Stunde 3 – Klagepsalm: Psalm 13 wird farbig markiert (Stimmungen, Intensität). Die Tagebucheintrag-Aufgabe ermöglicht Perspektivübernahme und schützt gleichzeitig vor zu direkter Selbstoffenbarung. Der eigene Klagepsalm (M9, mit vorgegebenen Satzstrukturen) ist für die Altersstufe gut differenziert.

Stunde 4 – Segen: Das Standbild nach Chagall (nur einem Kind gezeigt, das dann andere positioniert) ist eine methodisch originelle Bilderschließung. Die Segenskarte am Abschluss (M13, internationale Segenssprüche) gibt der Einheit eine persönliche, gestalterische Dimension.


Einheit für Klasse 7/8 (3 Doppelblöcke):


Block 1 – Mit Gott ringen als Christ: Paul Klees „In der Wüste" als Glaubensbild ist ein ungewöhnlicher, aber treffender Einstieg. Das Luther-Zitat (die schlimmste Anfechtung ist, nie eine erlebt zu haben) ermöglicht eine produktive Diskussion über Glaubensreife. Die farbigen Zettel (Glaube und Zweifel) schaffen ein kollektives Klassenbild, ohne Einzelne zu exponieren. Die Glaubensbiografie (M3a/b, bleibt privat) rundet den Block stark ab.

Block 2 – „Ich lasse dich nicht!": Die Vokalübung mit dem Schlüsselsatz eröffnet die Textarbeit kreativ. Die Fotografie der Hände (nur Hände, keine Gesichter) ist methodisch besonders gelungen: Sie schafft zeitlose Bilder, die persönlichen Zugang ermöglichen, ohne zu exponieren. Die Gruppenarbeit (Fotos deuten, sortieren, diskutieren) ist anspruchsvoll und fördert echte theologische Auseinandersetzung. Das Zenetti-Gedicht „Reibung" schließt den Block mit einem poetischen Bild für das Ringen.

Block 3 – Segen: Das Rembrandt-Gemälde wird zweigeteilt in Partnerarbeit erschlossen – eine methodisch elegante Lösung, die Einzelwahrnehmung und Gesamtbild verbindet. Der Popsong „Dein Hurra" (Bosse) ist ein mutiger, zeitgemäßer Zugang: Er wird als mögliche Segenserfahrung angeboten, nicht als christliches Lied verkauft. Die Umformulierung einer Strophe als Segenswunsch (Konjunktiv I) ist eine kreative Abschlussaufgabe.


Methodische Stärken:

Beide Einheiten sind methodisch sehr reich (szenisch, fotografisch, malerisch, lyrisch, musikalisch) und sprechen unterschiedliche Wahrnehmungskanäle an. Der Schutz der Privatsphäre ist konsequent eingebaut (Stopp-Karte, private Blätter, allgemeine Formulierungen). Das Prinzip „erst körperlich/emotional, dann kognitiv/theologisch" ist entwicklungspsychologisch fundiert.

Hinweise zur Vorbereitung:


Für Klasse 5/6: Stopp-Karten vorbereiten; Fotodrucker für Stunden 2 und 4 notwendig; Chagall-Gemälde als Ausschnitt (nur einem Kind zeigen); Segenskarten (M13) ausdrucken.

Für Klasse 7/8: Paul-Klee-Druck, farbige Zettel, Kameras/Handys für die Handfotos, Rembrandt-Gemälde zweigeteilt kopieren; Song „Dein Hurra" (Bosse) als Audiodatei bereitstellen.

Die exegetischen Hinweise im Artikel sind für Lehrkräfte sehr wertvoll – die Eigenheit des hebräischen Verbs „ringen" (abaq) und die Verbindung mit dem Flussnamen Jabbok und Jakobs Namen sollten im Unterricht zumindest angedeutet werden.

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9.3.2026

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Unterrichtsstunde

Bibel & Tradition

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