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Magazin ZeitspRUng

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Geht aus, mit Körper, Geist und Seele, lernt von Bienen und Bäumen

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel von Uwe Marth, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (2/2021), verbindet ökologisches Engagement mit religionspädagogischer Reflexion und stellt konkrete Unterrichtsideen und außerschulische Lernorte zum Thema Bienen, Insekten und Bäume vor. Marth beleuchtet zunächst, dass Bienen in der Bibel – entgegen der von Paul Gerhard geprägten positiven Vorstellung – fast ausschließlich negativ besetzt sind, und problematisiert dabei auch ein vereinfachendes biblisches Schöpfungsverständnis. Er skizziert die ökologische Krise (Insektensterben, Waldverlust, Artenrückgang) und zeigt anhand von vier Praxisbeispielen aus dem Berliner Schulkontext, wie kleine Schritte zu konkretem Schöpfungsengagement beitragen können: Straßenbaumpatenschaften, Imkereibesuche, Lehrpfade sowie die Ausstellung „WALD.BERLIN.KLIMA" im Grunewald. Eine umfangreiche Literaturliste für alle Altersgruppen schließt den Artikel ab.

Das Medium „Geht aus, mit Körper, Geist und Seele, lernt von Bienen und Bäumen“ verbindet Schöpfungstheologie, Umweltbildung und konkrete Möglichkeiten ökologischen Handelns im Religionsunterricht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Bienen in der Bibel nur selten und überwiegend negativ erscheinen, während sich in der christlichen Tradition unter anderem durch Paul Gerhardts Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ ein ausgesprochen positives Bienenbild entwickelt hat. Dem stellt das Medium die gegenwärtige ökologische Bedeutung von Bienen, anderen Insekten und Bäumen gegenüber und nimmt den Verlust von Artenvielfalt und Lebensräumen zum Anlass, nach menschlicher Verantwortung für die Schöpfung zu fragen. Neben grundlegenden Informationen über Honigbienen und Wildbienen stehen vor allem praktische Zugänge im Mittelpunkt. Vorgestellt werden die Pflege von Straßenbäumen durch Lernende, Besuche bei Imkerinnen und Imkern, Bienen und Insektenlehrpfade sowie die Ausstellung „WALD.BERLIN.KLIMA“. Das Medium versteht Umweltfragen ausdrücklich als Thema des Religionsunterrichts und ordnet sie den Fragen nach Schöpfung und Geschöpflichkeit, nach den Grenzen menschlicher Möglichkeiten sowie nach Orientierung, Verheißung, Frieden und Reich Gottes zu.

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Das Medium eignet sich in besonderer Weise für einen Religionsunterricht, der Schöpfung nicht ausschließlich als biblischen Textgegenstand behandelt, sondern die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Natur mit unmittelbaren Erfahrungen und konkretem Handeln verbindet. Die zentrale religionspädagogische Stärke besteht darin, dass Lernende Natur als Lebensraum wahrnehmen, ökologische Zusammenhänge erschließen und daraus Fragen nach Verantwortung, Bewahrung und einem guten Umgang mit der Schöpfung entwickeln können. Dabei sollte der Unterricht nicht bei naturkundlichem Sachwissen über Bienen, Insekten und Bäume stehen bleiben. Vielmehr werden biologische Erkenntnisse zum Ausgangspunkt theologischer und ethischer Fragen: Welchen Wert besitzt nichtmenschliches Leben? Welche Verantwortung trägt der Mensch gegenüber anderen Lebewesen? Was bedeutet Bewahrung der Schöpfung angesichts des Verlustes von Lebensräumen und Arten? Wie kann aus religiöser Überzeugung verantwortliches Handeln entstehen? Das Medium selbst macht deutlich, dass ökologische Fragen im Religionsunterricht mit den Themen Schöpfung und Geschöpflichkeit, Heilung der Welt, Paradies, Bund Gottes mit den Menschen und Reich Gottes verbunden werden können.

Als Einstieg bietet sich eine unmittelbare Begegnung mit Bienen, anderen Insekten oder Bäumen an. Lernende können auf dem Schulgelände, in einem Park, auf einem Friedhof oder im Umfeld der Schule beobachten, welche Pflanzen, Bäume und Insekten vorhanden sind. Beobachtungen können fotografisch, zeichnerisch oder schriftlich dokumentiert werden. Eine solche Erkundung entspricht dem programmatischen Gedanken des Mediums, mit Körper, Geist und Seele nach draußen zu gehen. Wahrnehmungsübungen können diesen Zugang vertiefen. Lernende können beispielsweise einen Baum über einen längeren Zeitraum betrachten, Geräusche wahrnehmen, unterschiedliche Pflanzen suchen oder beobachten, welche Insekten bestimmte Blüten besuchen. Aus der sinnlichen Wahrnehmung entstehen anschließend Fragen, die im Unterricht naturwissenschaftlich, ethisch und theologisch weitergeführt werden.

Einen geeigneten textbezogenen Einstieg bietet Paul Gerhardts Darstellung der Bienen im Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Diese positive Wahrnehmung kann mit ausgewählten biblischen Textstellen verglichen werden. Das Medium weist darauf hin, dass Bienen in der Bibel nur dreimal ausdrücklich genannt werden und dort jeweils negativ erscheinen. Eine positive Aussage findet sich dagegen im apokryphen Buch Jesus Sirach, wo die kleine Biene aufgrund ihrer süßen Frucht als Beispiel dafür dient, dass äußere Größe und Bedeutung nicht identisch sein müssen. Methodisch können Lernende zunächst Vermutungen über die Bedeutung der Biene in der Bibel formulieren und diese anschließend anhand der Texte überprüfen. Der überraschende Unterschied zwischen gegenwärtiger Wahrnehmung, christlicher Liedtradition und biblischen Texten eignet sich dazu, Vorstellungen über Natur in religiösen Traditionen kritisch zu reflektieren. Dabei kann auch thematisiert werden, dass biblische Naturvorstellungen aus historischen Lebenswelten stammen und nicht unmittelbar mit heutigen ökologischen Erkenntnissen gleichgesetzt werden können.

Besonders wichtig ist die im Medium angelegte Verbindung von Wissen und Begegnung. Sachinformationen über Wildbienen können dazu beitragen, verbreitete Vorstellungen zu überprüfen. Das Material weist etwa auf die große Vielfalt der Bienenarten, unterschiedliche Lebensweisen und die besonderen Anforderungen vieler Wildbienen an Nahrung und Brutplätze hin. Für jüngere Lernende können diese Informationen reduziert und durch Bilder, Beobachtungsaufträge oder kleine Forschungsaufgaben erschlossen werden. Ältere Lernende können ökologische Abhängigkeiten untersuchen und beispielsweise recherchieren, welche Folgen das Verschwinden bestimmter Pflanzenarten für Insekten und weitere Tierarten besitzt. Auf diese Weise lässt sich der Schöpfungsgedanke mit dem Verständnis ökologischer Vernetzung verbinden.

Einen besonders handlungsorientierten Zugang eröffnet die im Medium vorgestellte Pflege von Straßenbäumen. Lernende können Verantwortung für einen Baum oder eine Grünfläche in der Umgebung der Schule übernehmen, Veränderungen beobachten und notwendige Pflegemaßnahmen recherchieren. Das im Medium dargestellte Beispiel verbindet die Bewahrung der Schöpfung ausdrücklich mit einer konkreten Baumbegegnung und Schutzaktion. Religionspädagogisch sollte eine solche Aktion von Reflexionsphasen begleitet werden. Vor dem praktischen Handeln kann geklärt werden, warum der Schutz eines einzelnen Baumes überhaupt bedeutsam sein könnte. Nach der Aktion können die Lernenden darüber nachdenken, ob und wie sich ihre Wahrnehmung des Baumes verändert hat und was Verantwortung für die Schöpfung im eigenen Lebensumfeld bedeutet.

Ebenso geeignet ist ein Besuch bei einer Imkerei. Das Medium betont, dass die direkte Begegnung mit Bienen Respekt fördern und Ängste abbauen kann. Ein solcher Besuch sollte durch Beobachtungsfragen vorbereitet werden. Lernende können beispielsweise untersuchen, welche Lebensbedingungen Bienen benötigen, welche Aufgaben sie innerhalb eines Bienenvolkes übernehmen und welche Bedeutung Bestäubung für Pflanzen und Menschen besitzt. Im Anschluss kann die Erfahrung mit theologischen Vorstellungen von Geschöpflichkeit und gegenseitiger Abhängigkeit verbunden werden. Denkbar ist auch die Frage, ob der Mensch Natur hauptsächlich danach bewerten darf, welchen Nutzen sie für ihn besitzt, oder ob Tiere und Pflanzen unabhängig von ihrem Nutzen einen eigenen Wert haben.

Für projektorientiertes Lernen können Lernende die Umgebung der Schule hinsichtlich ihrer Insektenfreundlichkeit untersuchen. Sie können vorhandene Pflanzen erfassen, mögliche Nahrungsangebote für Insekten dokumentieren und überlegen, welche Veränderungen sinnvoll wären. Daraus können konkrete Projekte wie die Gestaltung einer Blühfläche oder die Verbesserung von Lebensräumen entstehen. Entscheidend ist, dass solche Projekte nicht allein als Umweltaktion verstanden werden. Die Lernenden sollten ihre Entscheidungen mit Vorstellungen von Verantwortung, Ehrfurcht vor dem Leben und Bewahrung der Schöpfung verbinden und kritisch prüfen, was diese Begriffe für das eigene Handeln bedeuten.

Für ältere Lernende lässt sich das Thema stärker ethisch und gesellschaftspolitisch vertiefen. Das im Medium genannte außerschulische Angebot „WALD.BERLIN.KLIMA“ verbindet Fragen nach menschengemachter Erderwärmung, individuellem Kohlenstoffdioxid Abdruck, globaler Verantwortung und Artenschutz. Im Religionsunterricht können daran Fragen nach individueller und gesellschaftlicher Verantwortung anschließen. Dabei sollte vermieden werden, ökologische Verantwortung ausschließlich auf persönliche Konsumentscheidungen zu reduzieren. Vielmehr können individuelle, politische, wirtschaftliche und globale Handlungsebenen unterschieden werden. Eine abschließende Diskussion kann danach fragen, was der christliche Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung heute konkret bedeuten kann und wo Möglichkeiten sowie Grenzen individuellen Handelns liegen.

Das Medium eignet sich schließlich sehr gut für einen fächerübergreifenden Unterricht. Erkenntnisse aus Biologie, Geografie und politischer Bildung können mit religiösen Deutungen und ethischen Fragen verbunden werden. Der besondere Beitrag des Religionsunterrichts besteht dabei in der Frage nach Sinn, Wert und Verantwortung. Das Material formuliert diese Perspektive ausdrücklich, indem die menschengemachte Erderwärmung nicht nur als ökologische Frage, sondern auch als Frage nach Sinn und Auftrag des Lebens verstanden wird. Ein möglicher Abschluss besteht darin, dass Lernende aus ihren Beobachtungen und Erkenntnissen persönliche oder gemeinsame Leitgedanken für einen verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung formulieren. Dadurch verbindet das Medium Naturerfahrung, theologisches Nachdenken, ethische Urteilsbildung und konkretes Handeln.

Klassenstufe: Der Artikel richtet sich an verschiedene Klassenstufen und ist nicht auf eine einzige Jahrgangsstufe festgelegt. Die vier Praxisbeispiele sind je nach Komplexität für Klasse 1–6 (Straßenbaumpatenschaften, Imkereibesuche, Lehrpfade) bis Klasse 6–10 (Ausstellung WALD.BERLIN.KLIMA, ökologisch-theologische Reflexion) geeignet. Marth selbst verweist auf Lehrplanbezüge, die Klassenstufen 1–10 abdecken.

Thematische Verortung im katholischen RU: Obwohl der Artikel aus evangelischem Kontext stammt, ist er für den katholischen Religionsunterricht besonders gut geeignet, da Schöpfungsverantwortung dort einen zentralen Stellenwert einnimmt. Einschlägige Lernbereiche sind: Schöpfung und Schöpfungsverantwortung (Laudato si', Laudate Deum), der Mensch als Mitgeschöpf und Hüter der Erde, Ehrfurcht vor dem Leben (Albert Schweitzer), biblische Schöpfungserzählungen und ihre ökologische Relektüre sowie prophetische und eschatologische Hoffnungsbilder (Noah, Reich Gottes).

Besonderer religionsdidaktischer Wert: Der Artikel leistet zweierlei: Er korrigiert ein verbreitetes Fehlbild (die vermeintlich positive Bienenmetaphorik der Bibel) und öffnet damit den Raum für eine ehrliche, kritisch-theologische Auseinandersetzung mit dem biblischen Schöpfungsverständnis. Diese bibelkritische Perspektive ist für den RU produktiv, weil sie Schüler*innen zu eigenem theologischem Denken herausfordert, anstatt Texte unreflektiert zu harmonisieren.

Außerschulische Lernorte als Methode: Die vier Praxisbeispiele sind konsequent handlungs- und begegnungsorientiert. Besonders die Straßenbaumpatenschaften (Baumscheibenpflege, Wässern) verbinden ästhetische Naturerfahrung mit konkreter Verantwortungsübernahme – eine starke Verbindung von Spiritualität und Praxis im Sinne eines ganzheitlichen Schöpfungsengagements. Imkereibesuche schaffen unmittelbare Begegnungserlebnisse und bauen Berührungsängste ab, was für jüngere Klassen besonders wertvoll ist.

Fächerübergreifendes Potenzial: Das Thema Bienen und Insektensterben bietet starke Verknüpfungspunkte mit Biologie/Naturwissenschaften, Geographie und Sozialkunde. Marth betont ausdrücklich, dass der RU-spezifische Mehrwert in der theologisch-ethischen Rahmung liegt: Fragen nach Ehrfurcht vor dem Leben, Mitgeschöpflichkeit, Schuld und Verantwortung unterscheiden die religionspädagogische Perspektive von rein sachkundlichem Unterricht.

Berliner Kontext und Übertragbarkeit: Einzelne Beispiele (Schulbienen-Netzwerk der Senatsverwaltung, Wildbienen-Schaugarten Treptow, WALD.BERLIN.KLIMA) sind standortspezifisch für Berlin; das didaktische Grundprinzip – außerschulische Naturbegegnung als religiöse Lernmöglichkeit – ist jedoch auf andere Regionen übertragbar, da vergleichbare Lernorte (Imkereien, Naturschutzgebiete, Stadtgärten) deutschlandweit existieren.

Hessen

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Primarstufe | Primarstufe 3/4

Mensch und Welt (Hessen | Primarstufe 3/4).

Rheinland-Pfalz

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Mensch und Welt (Rheinlandpfalz | Primarstufe 3/4).

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9.3.2026

konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

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Menschen & Welt

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