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Was denkt die Kirche vom Menschen?

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Was denkt die Kirche vom Menschen?“ von Norbert Witsch ist im Heft ru heute 01 2010 unter dem Titel „Was denkt die Kirche vom Menschen?“ erschienen und umfasst die Seiten 9 bis 13, also insgesamt fünf Seiten.

Der Artikel stellt die Grundzüge des christlichen Menschenbildes aus Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils dar. Behandelt werden zentrale theologische Probleme wie die Würde der menschlichen Person, die Gottebenbildlichkeit, Sünde und Erlösung, das Verhältnis von Leib und Seele, Gewissen und Freiheit sowie die Frage nach Tod und Heil in Christus. Der Beitrag zeigt, dass das Konzil den Menschen in der Spannung von Schöpfung, Sünde und Heil versteht.

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Der Artikel entfaltet das christliche Menschenbild auf Grundlage der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes des Zweiten Vatikanischen Konzils, das von Papst Johannes dem Dreiundzwanzigsten einberufen wurde. Kaum ein anderes Konzil hat sich so ausführlich mit der Frage nach dem Menschen befasst. Ausgangspunkt ist die anthropozentrische Wende der Neuzeit, in der der Mensch im Zentrum der Wirklichkeitsdeutung steht. Zugleich bleibt der Mensch sich selbst eine offene und ambivalente Frage. Unterschiedliche und gegensätzliche Selbstdeutungen führen zu Unsicherheit und Angst. Das Konzil antwortet darauf mit einem biblisch geprägten Verständnis des Menschen, das seine Größe und sein Elend gleichermaßen ernst nimmt.

Im Mittelpunkt steht die Würde der menschlichen Person. Diese gründet nicht gegen Gott, sondern in Gott selbst. Die Anerkennung Gottes widerspricht der Menschenwürde nicht, sondern vollendet sie. Grundlage dieser Würde ist die Gottebenbildlichkeit. Der Mensch ist als Geschöpf nach dem Bild Gottes geschaffen und dadurch fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben. Diese Gottbezogenheit bestimmt seine Sonderstellung in der Schöpfung. Zugleich ist der Mensch als Mann und Frau auf personale Gemeinschaft angelegt. Er ist von seiner Natur her ein soziales Wesen, das sich nur in Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Welt entfalten kann. So entsteht eine personale und relationale Anthropologie.

Diese positive Sicht wird jedoch durch die geschichtliche Realität der Sünde ergänzt. Das Konzil spricht von einer grundlegenden Auflehnung gegen Gott am Beginn der Menschheitsgeschichte. Durch diese Abkehr wird die Gottebenbildlichkeit verunstaltet. Der Mensch gerät in Konflikt mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der Schöpfung. Das menschliche Leben erscheint als dramatischer Kampf zwischen Gut und Böse. Der Mensch erfährt sich als innerlich gebunden und unfähig, das Böse aus eigener Kraft zu überwinden. Christliche Anthropologie verschweigt daher weder das Elend noch die Zerrissenheit des Menschen.

Das Konzil beschreibt den Menschen als in Leib und Seele einer. Damit wird jeder Dualismus zurückgewiesen. Der Leib ist kein minderwertiger Teil, sondern konstitutiv für die Person und Teilhabe an der Gottebenbildlichkeit. Zugleich übersteigt der Mensch durch seine Geistigkeit die bloß materielle Welt. Seine Vernunft ist Teilnahme am Licht des göttlichen Geistes und befähigt ihn zur Erkenntnis tieferer Strukturen der Wirklichkeit. Doch auch die Vernunft ist durch die Sünde geschwächt und bedarf der Weisheit, um wahrhaft menschlich zu bleiben.

Ein zentraler Ort der Begegnung mit Gott ist das Gewissen. Es ist die innerste Mitte der Person. Im Gewissen erfährt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern das Gott in sein Herz eingeschrieben hat. Dieses Gesetz konkretisiert sich im Doppelgebot der Gottes und Nächstenliebe. In der Treue zum Gewissen verbindet sich der Christ mit allen Menschen guten Willens. Zugleich bleibt das Gewissen durch Irrtum und Gewöhnung an die Sünde gefährdet.

Eng damit verbunden ist die Freiheit. Sie ist ein erhabenes Kennzeichen der Gottebenbildlichkeit. Wahre Freiheit ist nicht Beliebigkeit, sondern die bewusste Entscheidung für das Gute. Freiheit verwirklicht sich von innen her und nicht unter blindem Trieb oder äußerem Zwang. Aufgrund der Verwundung durch die Sünde kann der Mensch diese Freiheit jedoch nicht aus eigener Kraft voll verwirklichen, sondern ist auf die Gnade Gottes angewiesen.

Die tiefste Zuspitzung der menschlichen Existenz zeigt sich im Tod. Der Mensch erfährt seine Begrenztheit und fürchtet das endgültige Verlöschen. Zugleich trägt er einen Keim der Ewigkeit in sich, der sich gegen den Tod auflehnt. Hier zeigt sich das Rätsel des menschlichen Daseins in besonderer Schärfe. Dieses Rätsel kann der Mensch nicht selbst lösen.

Die endgültige Antwort findet sich nach dem Konzil allein in Jesus Christus. Im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes klärt sich das Geheimnis des Menschen. Christus offenbart sowohl Gott als auch den Menschen sich selbst. Als neuer Adam stellt er die verunstaltete Gottebenbildlichkeit wieder her und führt sie zur Vollendung. Durch Inkarnation, Kreuz und Auferstehung wird das Menschsein aller Menschen berührt und zum Heil gerufen. In Christus erhalten Leid und Tod eine neue Bedeutung. Das Wirken des Geistes eröffnet allen Menschen guten Willens die Möglichkeit zum Heil.

Zusammenfassend sieht die Kirche den Menschen weder naiv optimistisch noch pessimistisch. Sie versteht ihn in der Spannung von Schöpfung, Sünde und Heil. Die unzerstörbare Grundlage seiner Würde bleibt die Gottebenbildlichkeit, die trotz aller Verfehlung durch Gottes Treue bewahrt und in Christus vollendet wird.

Hessen

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Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.3 Aspekte christlicher Anthropologie.

Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 6. Der Mensch als das sich transzendierende Wesen.

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