Der Artikel behandelt die Disability History als transdisziplinäre Forschungsperspektive, die von den Disability Studies ausgeht und untersucht, wie Behinderung historisch, sozial und kulturell konstruiert wird. Ausgehend von der Beobachtung, dass Schülerinnen und Schüler Behinderung in ihrem persönlichen Umfeld, in der Schule und durch institutionalisierte Praktika wie das Compassion-Projekt erfahren, argumentiert der Artikel, dass diese Erfahrungen durch die Disability-Studies-Perspektive reflektiert werden sollten. Der Artikel kritisiert den dominanten medizinisch-therapeutischen Blick auf Behinderung, der durch Sonderpädagogik geprägt ist, da dieser Normalitätsvorstellungen konstruiert und zementiert. Die Disability History grenzt sich von älteren Meistererzählungen ab, die Behinderung als allgegenwärtige Ausgrenzung darstellen, und betrachtet stattdessen Menschen mit Behinderungen als handelnde Subjekte der Geschichte. Ein zentrales Argument ist, dass Vulnerabilität, Angewiesensein und Bedürftigkeit als anthropologische Grundbestimmungen verstanden werden können, wodurch die Grenzen zwischen Behinderung und Nicht-Behinderung fließend werden. Der Artikel hebt hervor, dass heutige Vorstellungen von Behinderung durch Diskurse der Neuzeit geprägt sind, während Verletzlichkeit und Einschränkungen in früheren Zeiten als normal galten. Die Dis/ability History historisiert Behinderung als kontingente Kategorie und schärft den Blick dafür, dass Körper historisch und kulturell variabel sind. Sie leistet so einen Beitrag, reduktionistische gegenwärtige Sichtweisen auf Behinderung zu hinterfragen und aufzuzeigen, dass es vielfältige historische Varianten des gesellschaftlichen Umgangs mit Alterität gibt. Für die kirchengeschichtsdidaktische Perspektive bedeutet dies, dass Geschichte neu geschrieben werden kann, indem nicht nur Behinderung, sondern auch Normalitäten sichtbar gemacht werden, ähnlich wie in den Gender Studies.