Postkoloniale Ansätze werden in der deutschsprachigen Religionspädagogik erst seit Kurzem verstärkt rezipiert. Bei dieser Rezeption ist es wichtig, auch Kritikpunkte an der postkolonialen Theorie mitzuberücksichtigen. Vorliegender Beitrag bietet eine Übersicht über relevante kritische Perspektiven – und beleuchtet vor diesem Hintergrund weiterhin bestehende Potenziale für religiöse Bildungsprozesse. auf postcolonial theory postkoloniale Theorie Abstract Postcolonial approaches have only recently been more widely received in German-language religious education. In this reception, it is important to also take into account points of criticism of postcolonial theory. This article offers an overview of relevant critical perspectives – and, against this background, sheds light on existing potentials for religious education processes. Keywords postcolonial – anti-Semitism – religious education – intersectional Janosch Freuding: Rezeption kritischer Perspektiven auf postkoloniale Theorie ÖRF 31 (2023) 1, 30–47 • DOI: 10.25364/10.31:2023.1.3 32 Große Empörung haben antisemitische Darstellungen auf der documenta fifteen in Kassel ausgelöst. Im Zentrum der Kritik steht vor allem ein Banner mit antisemitischer Bildsprache vom Künstlerkollektiv Taring Padi, doch auch später werden mehrere ähnliche Vorfälle bekannt. Ebenfalls stark kritisiert wird die mangelnde Sensibilität der documenta-Leitung und des Kurator*innenkollektivs Ruangrupa für die sich zeigende Antisemitismus-Problematik.