Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten für historisches, ethisches, politisches und interreligiöses Lernen. Besonders sinnvoll ist ein problemorientierter Einstieg über den Titel „Antisemitismus, immer noch?“. Lernende können zunächst Vermutungen formulieren, weshalb Antisemitismus nach der Schoah weiterhin existieren konnte und in welchen Erscheinungsformen er heute auftreten kann. Anschließend sollte zwischen Vorwissen, Vermutungen und belegbaren Aussagen unterschieden werden. Für einen biografischen Zugang eignet sich die Geschichte von Ignatz Bubis besonders gut. Lernende können seine Erfahrungen nach der Befreiung erschließen, Gefühle, Ängste und Hoffnungen formulieren und untersuchen, weshalb er sich später nicht allein für jüdisches Leben, sondern auch gegen die Ausgrenzung anderer Minderheiten engagierte. Das Medium schlägt hierzu ausdrücklich eine Auseinandersetzung mit seinen Gefühlen und Sehnsüchten sowie eine Diskussion über sein gesellschaftliches Engagement vor. Daran lässt sich im Religionsunterricht die Frage nach Menschenwürde, Verantwortung und dem Einsatz für andere Menschen anschließen. Die Seiten zu den Nürnberger Prozessen, zum Auschwitz Prozess und zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ermöglichen eine Verbindung von historischem Lernen und ethischer Urteilsbildung. Lernende können beispielsweise eine Zeitleiste erstellen und untersuchen, welche Konsequenzen nach 1945 aus den nationalsozialistischen Verbrechen gezogen wurden. Das Material regt ausdrücklich dazu an, den Zusammenhang zwischen Holocaust und Menschenrechten zu erschließen und über die Aussage „Nie wieder!?“ zu diskutieren. Für die Beschäftigung mit Antisemitismus nach 1945 bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Gruppen können unterschiedliche Erscheinungsformen wie Leugnung der Schoah, Verharmlosung, Verschwörungsvorstellungen, Schuldabwehr und antisemitische Zuschreibungen untersuchen. Dabei sollte nicht nur gefragt werden, woran Antisemitismus erkannt werden kann, sondern auch, welche Möglichkeiten des Widerspruchs und der Prävention bestehen. Genau diese Verbindung von Analyse und Handlung greift das Medium mit der Aufgabe auf, Formen des Antisemitismus zu sammeln und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Besonders sorgfältig sollte die Unterrichtsarbeit zu Israel, Zionismus und Nahostkonflikt vorbereitet werden. Hier ist es wichtig, jüdische Menschen nicht mit dem Staat Israel gleichzusetzen und zwischen Kritik an konkreten politischen Entscheidungen und antisemitischen Verallgemeinerungen zu unterscheiden. Das Medium bietet hierzu konkrete Arbeitsaufträge, in denen Lernende den Unterschied zwischen sachlicher Kritik und antisemitischen Vorwürfen herausarbeiten. Antisemitische Darstellungen und Verschwörungsvorstellungen sollten dabei niemals unkommentiert präsentiert werden. Empfehlenswert ist eine strukturierte Quellenanalyse mit den Fragen, wer eine Darstellung geschaffen hat, welche Botschaft sie vermittelt, welche Vorurteile verwendet werden, welche Wirkung beabsichtigt ist und wie die Aussage sachlich widerlegt werden kann. Einen besonders geeigneten Zugang zur Perspektivübernahme bietet die Geschichte von Amal und Odelia. Lernende können Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Lebenswelten herausarbeiten und diskutieren, welche Chancen persönliche Begegnungen für den Abbau von Vorurteilen besitzen. Das Material fragt hierzu nach Schwierigkeiten und Vorteilen einer Freundschaft zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Auch die Aussagen junger Juden in Deutschland eignen sich, um Fremdzuschreibungen und stereotype Vorstellungen kritisch zu untersuchen. Dabei kann thematisiert werden, weshalb jüdische Menschen nicht für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden können. Für eine Vertiefung eignet sich die auf Seite 14 dargestellte Befragung von Jugendlichen zum Antisemitismus. Lernende können die Ergebnisse beschreiben, interpretieren und kritisch über die Aussagekraft einer solchen Befragung diskutieren. Methodisch sind Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Gruppenpuzzle, Quellenanalyse, Bildanalyse, Fallanalyse, Perspektivwechsel, Schreibgespräch, Positionslinie, Plakatgestaltung, Präsentation und Projektarbeit möglich. Zum Abschluss einer Unterrichtsreihe empfiehlt sich eine handlungsorientierte Phase. Lernende können einen eigenen Plan gegen Antisemitismus und Diskriminierung entwickeln, Ursachen von Vorurteilen in einer Mindmap sammeln und ein Poster gestalten, das zum Engagement gegen Antisemitismus aufruft. Diese Vorgehensweise ist unmittelbar im Medium angelegt. Dadurch verbleibt die Beschäftigung nicht bei historischem Wissen, sondern führt zu ethischer Reflexion, eigener Urteilsbildung und der Frage, wie Lernende selbst zu Respekt, Menschenwürde und einem diskriminierungsfreien Zusammenleben beitragen können.
Der zweite Baustein beginnt mit Aussagen von Ignaz Bubis zum Leben in Deutschland als Jude. Diese Gedanken werden über vier Fragestellungen zu seinen Hoffnungen, seiner Arbeit gegen Ausgrenzung und seiner Selbsteinschätzung dieser Arbeit untersucht. Die letzte Frage thematisiert die Begriffe Holocaust und Schoah. Auf Basis der erworbenen Kenntnisse wird diskutiert, welcher der beiden zutreffender ist. Der nächste Schritt behandelt die Auschwitzprozesse gegen die Führung des Dritten Reiches. Ein weiteres Material untersucht, warum diese Schrecken von vielen vergessen wurden und wie Menschen sie leugnen können. Der anschließende Schritt thematisiert die Entstehung des jüdischen Staates und den Zionismus. Dazu wird eine Parabel aus Schulbücher der DDR analysiert. Darin wird der Staat Israel als Drache gedeutet, der das palästinensische Land frisst. Auch im folgenden Material wird Palästina behandelt. Dabei wird zwischen Antisemitismus und Kritik an der Politik des Staates Israel differenziert. Ein weiteres Material zeigt Wege zum Frieden im Nahostkonflikt Konflikt auf. Dabei werden auch kritische jüdische Stimmen zu Israels Politik dargestellt. Ein weiteres Material thematisiert ein deutsches Meinungsbild zur Politik Israels und damit verknüpften Antisemitismus. Dieser Themenkomplex wird mit einer Ruflektion abgeschlossen. Dazu wird von jedem Lernenden ein Bild aus den besprochenen Materialien ausgewählt und eine Unterschrift dazu entwickelt. Der letzte Schritt dieses Bausteins zeigt Projekte gegen Antisemitismus und regt dazu an ein eigenes Kleinprojekt zu entwickeln.