Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für ältere Lernende, da es exemplarisch grundlegende Fragen nach Wahrheit, Geschichte, Fiktion und theologischer Aussage biblischer Texte erschließt. Als Einstieg kann die provokante Titelfrage „Erfunden oder wahr?“ präsentiert werden. Die Lernenden positionieren sich zunächst dazu, ob eine biblische Geschichte, die sich historisch nicht so ereignet hat, dennoch wahr sein kann. Die unterschiedlichen Positionen können gesammelt und am Ende der Unterrichtseinheit erneut aufgegriffen werden. Dadurch wird ein Lernprozess sichtbar, bei dem ein einfaches Gegensatzpaar von wahr und falsch durch ein differenzierteres Verständnis von historischer und theologischer Wahrheit erweitert werden kann. Anschließend kann die Erzählung von der Eroberung Jerichos in Josua 6 mit den historischen Informationen des Mediums verglichen werden. Die Lernenden unterscheiden dabei systematisch zwischen erzählter Zeit, möglicher Entstehungszeit und Aussageabsicht. Eine Tabelle mit den Kategorien „Was erzählt der Bibeltext?“, „Was sagt die historische Forschung?“ und „Welche theologische Aussage verfolgt die Erzählung?“ eignet sich zur Ergebnissicherung. Besonders wichtig ist die Auseinandersetzung mit Gewalt. Das Medium fordert dazu auf, die Opfer der biblischen Erzählungen nicht auszublenden und nach einer verantwortungsvollen Lektüre zu fragen. Lernende können die Eroberung Jerichos deshalb aus verschiedenen Perspektiven untersuchen und beispielsweise Wahrnehmungen der Israeliten und der Bewohner Jerichos gegenüberstellen. Dadurch werden Perspektivwechsel und ethische Urteilsbildung gefördert. Zugleich sollte verhindert werden, dass aus der historischen Einordnung die vereinfachende Schlussfolgerung entsteht, die Bibel sei deshalb unwahr. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Funktion eine Erzählung in ihrer Entstehungssituation besitzt. Hier kann der historische Hintergrund der assyrischen Expansion erschlossen werden. Nach Darstellung des Mediums gingen zwischen 733 und 701 große Teile des Landes verloren, wodurch die Frage entstand, ob Israels Gott versagt habe. Die Landnahmeerzählung wird in diesem Zusammenhang als rückblickende Deutung des Landes als Geschenk Gottes verstanden. Methodisch bietet sich dazu eine Gruppenarbeit an, in der Lernende historische Situation, erzählte Geschichte und theologische Botschaft auf Karten festhalten und anschließend miteinander in Beziehung setzen. Eine weitere Vertiefung ermöglicht der Vergleich zwischen Josua und Abraham. Während die Josuaerzählung die Frühzeit Israels als Eroberung gestaltet, zeichnen die Erzelternerzählungen ein Bild friedlich wandernder Menschen mit ihren Herden. Die Lernenden können untersuchen, wie unterschiedlich Herkunft und Landbesitz erzählt werden und welche Vorstellungen von Land, Gott und menschlichem Handeln jeweils sichtbar werden. Besonders geeignet ist auch die Arbeit mit den im Medium genannten Anachronismen. Philister, Aramäer und Kamele dienen als konkrete Beispiele dafür, dass die Erzählungen Verhältnisse aus späteren Jahrhunderten in die erzählte Vergangenheit übertragen. An diesen gut verständlichen Beispielen lässt sich historisch kritische Bibelauslegung einüben. Für fortgeschrittene Lerngruppen kann außerdem untersucht werden, wie unterschiedliche Erzähltraditionen später zu einem großen Geschichtszusammenhang von Schöpfung, Sintflut, Erzeltern, Ägypten, Exodus und Land zusammengeführt wurden. Besondere Sensibilität verlangt der im Medium hergestellte Bezug zum gegenwärtigen Konflikt um Land zwischen Israelis und Palästinensern. Hier sollte der Unterricht historische Bibelauslegung und gegenwärtige politische Fragen sorgfältig unterscheiden und keine einfachen Gleichsetzungen zwischen biblischem Israel, heutigen Israelis, Judentum oder dem modernen Staat Israel vornehmen. Ausgangspunkt kann vielmehr die hermeneutische Frage sein, ob und wie religiöse Texte zur Legitimation heutiger territorialer Ansprüche verwendet werden dürfen. Das Medium selbst kommt zu dem Ergebnis, dass die behandelten Geschichten in ihrem historischen Kontext nicht als Begründung gegenwärtiger Landansprüche gegenüber palästinensischen Bauern gelesen werden können. Als Abschluss können die Lernenden zur Ausgangsfrage „Erfunden oder wahr?“ zurückkehren und eine begründete Antwort verfassen. Dabei können sie zwischen historischer Faktizität, literarischer Gestaltung und theologischer Wahrheit unterscheiden. So ermöglicht das Medium historisches und theologisches Lernen, fördert einen reflektierten Umgang mit schwierigen Bibeltexten und eröffnet grundlegende Einsichten in die Entstehung, Auslegung und gegenwärtige Wirkung biblischer Erzählungen.