Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für eine Verbindung von religionskundlichem, historischem und ethischem Lernen. Ein sinnvoller Einstieg bietet sich über die Frage nach Identität und Zugehörigkeit an. Die auf Seite 2 vorgestellten Jugendlichen Joseph und Albina beschreiben sehr unterschiedliche Beziehungen zum Judentum. Dadurch können Lernende erkennen, dass jüdische Identität nicht auf Religionsausübung reduziert werden kann. Die dort angebotene persönliche Karte kann methodisch aufgegriffen werden, wobei Lernende selbst entscheiden sollten, welche Informationen über Herkunft, Religion und persönliche Werte sie teilen möchten. Die anschließenden Aussagen zu Zugehörigkeit auf Seite 3 ermöglichen ein Unterrichtsgespräch darüber, wodurch Identität entsteht und welchen Einfluss Familie, Religion, Herkunft, Sprache und gesellschaftliche Zuschreibungen besitzen. Für die weitere Arbeit bietet sich ein Gruppenpuzzle an. Verschiedene Gruppen können beispielsweise Córdoba, Wilna und Berlin untersuchen und jeweils herausarbeiten, welche Formen jüdischen Lebens sichtbar werden, welche Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe bestanden und wann beziehungsweise warum Ausgrenzung einsetzte. Córdoba eignet sich besonders für interreligiöses Lernen, weil das Material den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen muslimischen, christlichen und jüdischen Gelehrten beschreibt. Die Beispiele können anschließend auf einer gemeinsamen Zeitleiste verortet werden. Dadurch wird verhindert, dass jüdische Geschichte ausschließlich als Geschichte des Holocaust wahrgenommen wird. Lernende begegnen vielmehr religiösem Leben, Kultur, Wissenschaft, Sprache, gesellschaftlicher Beteiligung und Migration ebenso wie Verfolgung und Vernichtung. Eine weitere Unterrichtsmöglichkeit bietet die Beschäftigung mit Vorurteilen. Das Medium erklärt am Beispiel der historischen Beschränkung jüdischer Berufsmöglichkeiten, wie bestimmte antisemitische Vorstellungen entstanden und bis in die Gegenwart fortwirken können. Lernende können dabei zwischen historischen Bedingungen, Vorurteilen und antisemitischen Zuschreibungen unterscheiden und untersuchen, wie aus Verallgemeinerungen Feindbilder entstehen. Die auf Seite 9 vorgesehene Analyse einer antisemitischen Darstellung sollte sensibel begleitet werden. Antisemitische Bilder sollten niemals lediglich gezeigt und beschrieben werden, sondern immer hinsichtlich ihrer manipulativen Absicht, ihrer stereotypen Gestaltung und ihrer Wirkung dekonstruiert werden. Das Material selbst fordert dazu auf, das zugrunde liegende Vorurteil zu benennen, seine Entstehung zu erklären und zu begründen, weshalb es sich um ein Vorurteil handelt. Sehr geeignet ist zudem ein lokalgeschichtlicher Zugang. Lernende können Synagogen, jüdische Friedhöfe, Straßennamen, ehemalige jüdische Einrichtungen oder Erinnerungsorte in ihrer Umgebung recherchieren und ihre Ergebnisse in Form einer Karte, Collage oder Präsentation dokumentieren. Einen entsprechenden Arbeitsauftrag enthält das Medium ausdrücklich. Bei der Behandlung der Schoah sollte der biografische Zugang besondere Bedeutung erhalten. Das Tagebuch des zwölfjährigen Dawid Rubinowicz macht die Verfolgung aus der Perspektive eines jungen Menschen sichtbar und kann dazu beitragen, abstrakte historische Zahlen mit individuellen Lebensgeschichten zu verbinden. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte auf eine altersangemessene Auswahl achten und eine Überwältigung durch Gewaltdarstellungen vermeiden. Für die historische Strukturierung können Lernende den im Material vorgeschlagenen Zeitstrahl von 1933 bis 1945 erstellen und zentrale Schritte von Ausgrenzung, Entrechtung, Deportation und Vernichtung einordnen. Die Frage nach den Begriffen Schoah und Holocaust eröffnet zusätzlich eine sprachsensible Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur. Als Abschluss einer Unterrichtsreihe bietet sich die Reflexion über Antisemitismus in der Gegenwart an. Lernende können untersuchen, wie historische Vorurteile weiterwirken, welche Verantwortung Gesellschaft und Religionen für deren Bekämpfung tragen und welche Bedeutung Menschenwürde, Toleranz und demokratisches Handeln besitzen. Methodisch lässt sich das Medium somit flexibel für Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenpuzzle, Stationenarbeit, Quellenanalyse, Bildanalyse, biografisches Lernen, Zeitleistenarbeit, Kartenarbeit, Recherche, Präsentation, Diskussion und Projektarbeit einsetzen.
Der Einstieg in den ersten Baustein gelingt über die Frage wer ist Jude. Dazu wird eine Karte in Einzelarbeit ausgefüllt, auf der Informationen zur eigenen Biografie eingetragen werden. Diese Angaben werden mit zwei von jüdischen Kindern ausgefüllten Karten verglichen. In einem weiteren Schritt wird Identität thematisiert. Dazu werden fünf Zitate zu ihren Aussagen über das Entstehen von Identität persönlich bewertet. Im Anschluss an die Karten werden Migrationswege der eigenen Familie nachvollzogen und positive wie negative Folgen von Migration gesammelt. Aktuelle Migration wird thematisiert. Im nächsten Schritt wird die Diaspora der Juden behandelt. Am Beispiel Cordoba in Al Andalus dem heutigen Spanien wird das vorteilhafte Zusammenleben von Kulturen und Religionen dargestellt. Ein weiterer Schritt vermittelt am Beispiel Wilna Zufluchtsorte für jüdische Gemeinden in Osteuropa. Dabei werden die Rolle der Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft und Vertreibungen von den Kreuzzügen bis zur Schoah dargestellt. Der nächste Schritt bietet einen Überblick über die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland. Es werden Vorurteile anhand einer Karikatur erfasst. Die Bürgerrechte für Menschen jüdischen Glaubens in Preußen sind Thema und die ihre trotzdem mangelnde Gleichstellung. Es werden jüdische Spuren in der eigenen Lebenswelt gesammelt. Ein anschließender Schritt behandelt modernen Antisemitismus anhand mehrerer Beispiele wie der Dreyfußaffäre und der Protokolle der Weisen von Zion. Eine Karikatur thematisiert die Angst vor einem weltweiten jüdischen Netzwerk. Der anschließende Schritt zeigt die Entwicklung dieser Vorurteile zur Schoah und dem Holocaust auf. Dazu wird ein Zeitstrahl erstellt. Die beiden Begriffe werden thematisiert und in ihrer Darstellung der Ereignisse als Unheil oder Brandopfer mit Bezug auf die KZ erfasst. Der Baustein schließt mit einer Reflexion der Inhalte und der eigenen Erwartungshaltung sowie weitergehenden Interessen.