Der Artikel analysiert das Stolperstein-Projekt als innovative Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Gegensatz zu klassischen monumentalen Denkmälern handelt es sich bei Stolpersteinen um dezentralisierte, alltägliche Erinnerungsmale, die direkt vor den ehemaligen Wohnungen der Opfer in Gehwegen verlegt werden. Jeder Stein trägt die eingravierte Messingplatte mit dem Namen des Opfers, dessen Geburts- und Deportationsdatum sowie Schicksal. Das Projekt folgt dem Motto 'ein Stein – ein Name – ein Mensch' und basiert auf dem Gedanke, dass durch die Nennung des Namens die Identität und Menschenwürde wiederhergestellt wird. Die Nähe zum früheren Lebensmittelpunkt intensiviert die Erinnerungswirkung und hilft, der Verflachung und Entkontextualisierung von Geschichtsdarstellungen entgegenzuwirken. Durch die Nennung individueller Namen stellen die Stolpersteine einen direkten Gegenpol zur Entmenschlichung in Konzentrationslagern dar, wo Häftlinge ihre Namen verloren und nur noch Nummern erhalten haben. Das Projekt trägt zur Gedächtniskorrektur bei und widerspricht Verdrängungsmechanismen und Unwissenheitsbehauptungen der Nachbarn. Seit 2000 wurden ca. 50.000 Stolpersteine in mehreren europäischen Ländern verlegt, wobei die Akzeptanz regional unterschiedlich ausfällt. In pädagogischen Kontexten ermöglichen Stolpersteine vielfältige Lernmöglichkeiten durch Projektmappen und die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an Verlegungen und Pflege. Auch im Religionsunterricht dienen Stolpersteine als Ausgangspunkt für Erinnerungsarbeit und Reflexion über Verfolgung und Widerstand.