Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für biografisches Lernen, da historische Entwicklungen aus der Perspektive eines konkreten Menschen erschlossen werden. Der Einstieg kann über die Begriffe Heimat, Religion, Familie und Zugehörigkeit erfolgen. Lernende formulieren zunächst, wodurch ein Ort zur Heimat werden kann. Die Ergebnisse können nach der Betrachtung des Videos erneut aufgegriffen und mit Erna Goldmanns Erfahrungen verglichen werden. Eine zentrale Leitfrage kann lauten: Wie verändert sich Ernas Verständnis von Heimat im Verlauf ihres Lebens? Dadurch wird verhindert, dass das Video ausschließlich als Informationsquelle zur nationalsozialistischen Verfolgung betrachtet wird. Vielmehr werden jüdisches Alltagsleben, religiöse Praxis, gesellschaftliche Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Migration und die Suche nach einer neuen Heimat miteinander verbunden. Für die Betrachtung empfiehlt sich eine Gliederung in mehrere Abschnitte. Ein erster Abschnitt kann jüdisches Leben in Frankfurt vor 1933 behandeln. Lernende sammeln dabei Hinweise auf religiöses und gesellschaftliches Leben und untersuchen, wie selbstverständlich jüdische Menschen Teil der Stadtgesellschaft waren. Ein zweiter Abschnitt kann Ernas Kindheit und Jugend gewidmet werden. Hier können die Lernenden Aspekte jüdischer Religionspraxis wie koschere Ernährung, Schabbat, Jom Kippur und Synagogenbesuch erfassen. Dabei sollte deutlich gemacht werden, dass Ernas Familie ein individuelles Beispiel jüdischen Lebens darstellt und nicht stellvertretend für alle jüdischen Menschen steht. Gerade Ernas Aussage, dass ihre Familie nicht orthodox lebte, aber einen koscheren Haushalt führte und den Schabbat feierte, eignet sich dazu, die Vielfalt religiöser Identität zu thematisieren. Ein dritter Abschnitt kann die zunehmende Ausgrenzung nach 1933 untersuchen. Die Lernenden erstellen dazu eine chronologische Übersicht und halten fest, wie sich Ernas Handlungsmöglichkeiten Schritt für Schritt verändern. Besonders eindrücklich ist ihr Ausschluss von der Kunstgewerbeschule im Jahr 1935. Dadurch lässt sich der abstrakte Begriff Diskriminierung an einer konkreten biografischen Erfahrung erschließen. Methodisch bietet sich eine Zeitleiste an, auf der persönliche Ereignisse und historische Entwicklungen parallel eingetragen werden. Eine weitere Gruppe kann sich mit Ernas Brüdern, ihrem späteren Ehemann Mosche und ihrem Großvater beschäftigen. Dadurch werden unterschiedliche Reaktionen auf die nationalsozialistische Bedrohung sichtbar. Während jüngere Familienmitglieder früh über Emigration nachdenken, vertraut der Großvater weiterhin darauf, als deutscher Staatsbürger geschützt zu sein. Seine Reaktion auf ein Verbotsschild mit der Vorstellung, er könne damit nicht gemeint sein, eröffnet eine besonders eindrückliche Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und dem Verlust staatsbürgerlicher Sicherheit. Hier können Lernende diskutieren, weshalb Menschen eine zunehmende Gefahr unterschiedlich wahrnehmen. Auf spekulative Fragen wie „Was hättest du damals getan?“ sollte verzichtet werden. Didaktisch angemessener ist die Frage, welche Informationen und Handlungsmöglichkeiten die jeweiligen Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt besaßen. Die Emigration nach Palästina ermöglicht anschließend die Beschäftigung mit Flucht, Migration und Heimatverlust. Lernende können herausarbeiten, was Erna zurücklassen musste und was ihr beim Aufbau eines neuen Lebens half. Ihre Erinnerungen an das deutschsprachig geprägte gesellschaftliche Leben in Tel Aviv zeigen zudem, dass Migration nicht zwangsläufig den vollständigen Verlust bisheriger kultureller Prägungen bedeutet. Die Darstellung der Staatsgründung Israels sollte historisch eingeordnet werden. Das Video vermittelt hier vor allem Ernas persönliche Perspektive und ihre Freude über die Gründung des Staates. Im Unterricht sollte deutlich zwischen biografischer Erinnerung und umfassender historischer Darstellung unterschieden werden. Für eine abschließende Sicherung können Lernende einen biografischen Zeitstrahl, eine Mindmap zu Ernas verschiedenen Vorstellungen von Heimat oder einen fiktiven Museumstext zu ihrer Lebensgeschichte erstellen. Auch ein Schreibauftrag aus der Perspektive einer historischen Person ist möglich, sofern deutlich bleibt, welche Aussagen durch das Video belegt sind und welche Elemente eine vorsichtige historische Imagination darstellen. Besonders geeignet ist schließlich ein Unterrichtsgespräch über die Frage, ob ein Mensch mehrere Heimaten besitzen kann und wie Verfolgung das Verhältnis zur eigenen Herkunft verändern kann. Damit ermöglicht das Medium eine Verbindung von historischem Lernen, religionskundlichem Lernen, biografischem Lernen, Perspektivübernahme und ethischer Urteilsbildung.
Für den Religionsunterricht ist das Video in besonderer Weise geeignet, weil es Geschichte, Religion und Biografie miteinander verbindet. Lernenden begegnen dem Judentum hier nicht nur über Begriffe und Sachinformationen, sondern über eine konkrete Lebensgeschichte. Dadurch wird jüdisches Leben als lebendige Wirklichkeit sichtbar und nicht nur als Thema der Vergangenheit oder der Verfolgung. Didaktisch bietet sich das Medium vor allem für Unterrichtseinheiten zu Judentum, jüdischem Leben in Deutschland, Erinnerungskultur, Identität, Heimat, Exil und Nationalsozialismus an. Methodisch empfiehlt es sich, den Film oder den zugrunde liegenden Text abschnittsweise zu erschließen. So können Lernenden zunächst Stationen aus Ernas Leben ordnen und diese in Beziehung zu historischen Entwicklungen setzen. Sehr sinnvoll ist eine Arbeit mit Leitfragen, etwa wie jüdisches Leben in Frankfurt vor 1933 aussah, welche Rolle religiöse Praxis im Alltag spielte, wie Ausgrenzung erlebt wurde und was Heimat für Erna Goldmann bedeutete. Ebenso kann mit einer Zeitleiste gearbeitet werden, auf der persönliche Lebensereignisse und politische Entwicklungen parallel eingetragen werden. Dadurch erkennen Lernenden besonders gut, wie eng individuelles Schicksal und Geschichte miteinander verflochten sind. Auch eine Perspektivarbeit ist gewinnbringend, etwa durch das Verfassen eines inneren Monologs aus Sicht Ernas vor der Ausreise oder nach der Rückkehr zu einem Besuch nach Frankfurt. Im Unterrichtsgespräch kann außerdem thematisiert werden, wie sich Identität verändert und wie Menschen mehrere Zugehörigkeiten zugleich erleben können. Das Medium eröffnet zudem Möglichkeiten für fächerverbindendes Arbeiten mit Geschichte, Politik und Ethik. Wichtig ist dabei eine sensible Begleitung, weil Flucht, Verlust, Antisemitismus und Verfolgung emotional belastende Themen sein können. Die Lehrkraft sollte deshalb Räume für Reflexion schaffen und darauf achten, dass jüdisches Leben nicht auf Leidensgeschichte reduziert wird, sondern ebenso in seiner kulturellen, religiösen und familiären Vielfalt wahrgenommen wird. So kann das Medium zur historischen Bildung, zur Empathiefähigkeit und zur Auseinandersetzung mit religiöser und kultureller Identität in besonderer Weise beitragen.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Wie wird jüdisches Leben in Frankfurt vor dem Nationalsozialismus dargestellt? Das Video zeigt jüdische Menschen als festen Bestandteil der Frankfurter Stadtgesellschaft. Nach der rechtlichen Gleichstellung im 19. Jahrhundert wirkten jüdische Menschen unter anderem in Wissenschaft, Medizin, Musik, Wirtschaft und Kultur mit. Gleichzeitig bestanden innerhalb der jüdischen Bevölkerung unterschiedliche soziale und religiöse Lebensformen.
Welche Rolle spielte Religion in Erna Goldmanns Familie? Erna beschreibt ihre Familie als nicht orthodox. Dennoch führte die Familie einen koscheren Haushalt, feierte jeden Freitag den Schabbat und besuchte an Jom Kippur die Synagoge. Religion war damit ein wichtiger Bestandteil des Familienlebens, ohne dass Ernas Familie alle religiösen Traditionen in gleicher Weise praktizierte.
Wie verstand Erna ihre jüdische und deutsche Identität? Ihre Schulbildung sollte ausdrücklich religiöse jüdische Identität und Verbundenheit mit Deutschland miteinander verbinden. Das Video zeigt damit, dass diese Zugehörigkeiten für Erna und andere jüdische Menschen keineswegs als Gegensatz verstanden werden mussten.
Welche Unterschiede gab es innerhalb der jüdischen Bevölkerung? Das Video berichtet unter anderem von jüdischen Menschen, die bereits seit Generationen in Deutschland lebten, und von jüdischen Familien, die aus Osteuropa eingewandert waren. Zwischen diesen Gruppen bestanden teilweise gesellschaftliche Abgrenzungen.
Wie veränderte das Jahr 1933 Ernas Leben? Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden jüdische Menschen zunehmend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Für Erna und ihre Familie wurde die Frage nach Emigration immer dringlicher. Mehrere Familienmitglieder verließen Deutschland.
Wie erlebte Erna konkrete Diskriminierung? Erna berichtet, dass sie 1935 die Frankfurter Kunstgewerbeschule verlassen musste, weil dort keine jüdischen Lernenden mehr bleiben durften. Das Beispiel zeigt, wie staatliche Ausgrenzung unmittelbar in Bildung und persönliche Lebensplanung eingriff.
Warum wollte Ernas Großvater Deutschland nicht verlassen? Er verstand Deutschland als seine Heimat und fühlte sich als deutscher Staatsbürger. Deshalb glaubte er lange, dass ihm persönlich nichts geschehen werde. Seine Geschichte macht deutlich, wie tief die Verbundenheit vieler jüdischer Menschen mit Deutschland war.
Warum emigrierte Erna nach Palästina? Der zunehmende Antisemitismus und die nationalsozialistische Ausgrenzung ließen sie erkennen, dass ihre Zukunft in Deutschland bedroht war. Nachdem sie ein notwendiges Zertifikat erhalten hatte, verließ sie 1937 gemeinsam mit ihrer Mutter Deutschland.
Wie erlebte Erna ihr neues Leben in Tel Aviv? Sie traf dort Familie, Freunde und viele deutschsprachige Bekannte wieder. Sie heiratete Mosche, gründete eine Familie und baute sich schrittweise ein neues Leben auf.
Welche Bedeutung hatte die Gründung Israels für Erna? Die Staatsgründung 1948 war für Erna ein bewegendes Ereignis. Ihre Schilderung macht deutlich, dass sie die politische Selbstständigkeit und die Möglichkeit legaler jüdischer Einwanderung als besonders bedeutsam empfand.
Was bedeutet Heimat für Erna am Ende ihres Lebens? Bei ihrem späteren Besuch in Frankfurt kehren viele Erinnerungen zurück. Dennoch empfindet sie Frankfurt nicht mehr als ihre Heimat. Diese hatte sie in Tel Aviv gefunden, wo sie geheiratet, eine Familie gegründet und ein neues Leben aufgebaut hatte.