Das Medium eignet sich besonders für einen narrativen und lebensweltorientierten Zugang zur Hidschra. Die Traumgeschichte ermöglicht den Lernenden eine Begegnung mit den historischen Ereignissen aus einer personalisierten Perspektive. Abu Bakr tritt nicht lediglich als historische Person auf, sondern als erzählender Weggefährte, durch dessen Schilderungen Bedrohung, Verfolgung, Abschied, Flucht und Ankunft nachvollziehbar werden. Damit bietet das Material die Möglichkeit, historisches und religionskundliches Lernen mit Fragen nach Vertrauen, Glauben, Schutz, Heimat und Gemeinschaft zu verbinden. Die auf Seite 2 eingesetzte Illustration des über dem Sira Buch eingeschlafenen Kindes unterstützt diesen erzählerischen Zugang und kann bereits vor der Textlektüre als Gesprächsimpuls genutzt werden.
Für den Einstieg bietet es sich an, zunächst den Titel „Aufbruch und Ankunft“ aufzugreifen und Vorwissen sowie Assoziationen der Lernenden zu sammeln. Denkbar ist ein Cluster zu der Frage, warum Menschen ihre Heimat verlassen und was sie dazu bewegen kann, an einem anderen Ort neu anzufangen. Dabei können Gründe des Fortgehens und Gründe für die Wahl eines neuen Ortes unterschieden werden. Das Material selbst schlägt hierzu die Auseinandersetzung mit Pushfaktoren und Pullfaktoren vor. Anschließend kann das Bild des schlafenden Kindes betrachtet werden. Die Lernenden können Vermutungen dazu äußern, was das Kind gelesen hat, wem es im Traum begegnen könnte und welche Geschichte erzählt werden wird. Dadurch wird eine Erwartungshaltung für die anschließende Lektüre aufgebaut.
Die Texterschließung kann abschnittsweise erfolgen. Besonders sinnvoll ist eine strukturierende Sicherung, bei der die Lernenden zentrale Stationen der Erzählung ordnen: Situation in Mekka / Verfolgung der ersten Muslime / Zuflucht in Abessinien / Einladung nach Yasrib / Anschlagsplan / Aufbruch Muhammads und Abu Bakrs / Gefahren während der Reise / Ankunft in Medina / Bedeutung der Hidschra. Auf diese Weise wird aus der umfangreicheren Erzählung eine nachvollziehbare Ereignisfolge. Die im Material enthaltenen Aufgaben unterstützen zunächst das Textverständnis, indem nach einer passenden Überschrift, der Situation Muhammads und der muslimischen Gemeinschaft, den Gründen für die Auswanderung und dem Ziel der Hidschra gefragt wird. Je nach Lerngruppe können Ergebnisse in Partnerarbeit verglichen und anschließend im Plenum gesichert werden.
Für eine vertiefende Bearbeitung eignen sich arbeitsteilige Rechercheaufträge. Gruppen können beispielsweise die Rolle Alis beim geplanten Anschlag, die Reise Muhammads und Abu Bakrs, Gefahren und Hindernisse während der Hidschra, die Entfernung zwischen Mekka und Medina oder die religionsgeschichtliche Bedeutung der Hidschra untersuchen. Diese Themen sind im Material ausdrücklich als weiterführende Arbeitsaufträge vorgesehen. Die Ergebnisse können als kurze Präsentationen, Lernplakate, Zeitstrahl, Reisetagebuch oder Stationen einer gemeinsamen Wanddarstellung aufbereitet werden. Wichtig ist eine angemessene Unterstützung bei Rechercheaufgaben, da das Material selbst darauf hinweist, dass die Lernenden hierfür Materialien, Hinweise und geeignete Informationsquellen benötigen.
Ein besonderes didaktisches Potenzial liegt im Übergang von der Hidschra zu gegenwärtigen Fluchterfahrungen. Die Lernenden können zunächst allgemein untersuchen, aus welchen Gründen Menschen heute ihre Heimat verlassen müssen. Anschließend können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der historischen Hidschra und heutigen Fluchtsituationen herausgearbeitet werden. Das Material regt diesen Vergleich ausdrücklich an und führt ihn bis zu der Frage weiter, welche Haltung sich für Musliminnen und Muslime gegenüber Menschen auf der Flucht ergeben kann. Methodisch bietet sich dafür eine Vergleichstabelle mit Kategorien wie Fluchtgrund / Gefahren / Begleitung / Hoffnung / Aufnahme / Ankunft / Unterstützung / Neuanfang an. Dabei sollte darauf geachtet werden, historische und aktuelle Fluchterfahrungen nicht vorschnell gleichzusetzen. Ziel ist vielmehr, Unterschiede wahrzunehmen und zugleich grundlegende menschliche Erfahrungen wie Verlust von Heimat, Unsicherheit, Schutzbedürftigkeit, Hoffnung und Aufnahme durch andere zu erschließen.
Für eine abschließende Reflexion können die Lernenden die Bedeutung der Hidschra auf mehreren Ebenen formulieren. Neben dem historischen Geschehen kann nach ihrer Bedeutung für Gemeinschaft, Zusammenhalt, Vertrauen und Neuanfang gefragt werden. Auch der im Material genannte Zusammenhang mit der Entstehung einer islamischen Gemeinschaft und dem Hidschra Kalender kann aufgegriffen werden. Als Transfer eignen sich Fragen wie „Was brauchen Menschen, wenn sie ihre Heimat verlassen müssen?“, „Was bedeutet es, jemanden aufzunehmen?“ oder „Welche Verantwortung haben Gemeinschaften gegenüber Menschen, die Schutz suchen?“. So wird die Hidschra nicht ausschließlich als historisches Wissen behandelt, sondern als Ausgangspunkt für religiöse Deutung, Perspektivübernahme und ethische Urteilsbildung.