Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Schuld, Sünde, Vergebung, Versöhnung, Menschenbildern und dem Handeln Jesu. Ein geeigneter Einstieg ist die im Material vorgeschlagene Auseinandersetzung mit dem Etikettieren von Menschen. Die Lernenden können sammeln, mit welchen Begriffen Menschen heute ausgegrenzt, abgewertet oder auf ein bestimmtes Verhalten reduziert werden. Anschließend kann reflektiert werden, wie solche Zuschreibungen entstehen, was sie bei Betroffenen bewirken und weshalb es schwierig sein kann, sich von einem einmal vergebenen Etikett zu lösen. Das Material schlägt hierzu eine räumliche Darstellung vor, bei der Nähe und Distanz zur biblischen Figur durch die Position im Raum sowie durch Körperhaltung und Gestik ausgedrückt werden. Im schulischen Kontext sollte diese Methode sensibel angeleitet werden. Persönliche Erfahrungen mit Beschämung, Ausgrenzung und eigener Schuld dürfen nicht eingefordert werden. Fiktive Beispiele oder vorgegebene Situationen ermöglichen eine geschützte Auseinandersetzung. Für die eigentliche Texterschließung bietet sich das mehrmalige Lesen von Lk 7,36 bis 50 mit verteilten Rollen an. Die Lernenden können den Text zunächst aus der Perspektive Simons und anschließend aus der Perspektive Jesu wahrnehmen und Unterschiede notieren. Danach können Gruppen die Beziehungen zwischen Jesus, Simon und der Frau untersuchen. Möglich sind ein Beziehungsdreieck auf einem Plakat, die Charakterisierung der Figuren anhand ausgewählter Textstellen oder Standbilder, mit denen Nähe, Distanz, Ablehnung, Zuwendung und Veränderung sichtbar gemacht werden. Eine besondere Vertiefung ermöglicht das Gleichnis von den zwei Schuldnern. Die Lernenden können untersuchen, welches Verständnis von Schuld darin zum Ausdruck kommt und weshalb Jesus das Gleichnis gegenüber Simon erzählt. Dabei sollte deutlich werden, dass Jesus Simon nicht lediglich verurteilt, sondern ihm einen eigenen Erkenntnisprozess ermöglicht. Die Waage auf Seite 2 kann anschließend als visueller Impuls genutzt werden. Die Lernenden beschriften oder erläutern selbst, wie Schuld, Vergebung, Beziehung und Liebe miteinander verbunden sind. Ergänzend bietet der Sachtext auf Seite 3 die Möglichkeit, den alltagssprachlichen Begriff der Sünde mit dem biblischen Verständnis zu vergleichen. Besonders ergiebig ist die Vorstellung, dass Sünde Bindungen zerreißt und damit nicht nur einzelne Handlungen, sondern Beziehungen und deren Folgen in den Blick kommen. Für ältere Lernende können die drei im Material erläuterten Grundbilder Zielverfehlung, Verkehrung und Verkrümmung sowie Bruch erschlossen und auf Fallbeispiele übertragen werden. Zur Aktualisierung eignen sich die auf Seite 3 vorgeschlagenen Formen des Rollengesprächs und des Dyadengesprächs. Beim Rollengespräch können Lernende Fragen an Jesus, Simon, die Frau oder die Gäste richten und aus deren Perspektive antworten. Beim Dyadengespräch wählen jeweils zwei Lernende zentrale Begriffe aus dem Text aus, erläutern ihre Gedanken und hören einander bewusst zu. Eine geeignete Ergebnissicherung besteht darin, die Leitfrage des Mediums „Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?“ individuell beantworten zu lassen. Abschließend können die Lernenden einen zunächst abwertenden oder distanzierenden Satz so umformulieren, dass darin Verständnis, Respekt, Nähe und Annahme erkennbar werden. Damit führt die Unterrichtsarbeit von der Analyse eines biblischen Textes zu einer Reflexion der eigenen Urteilsbildung und eröffnet zugleich die theologische Frage, wie Vergebung Beziehungen und Menschen verändern kann.