Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit Zeit, Lebensgestaltung, Glück, Vergänglichkeit und der Frage nach einem gelingenden Leben. Als Einstieg können die Lernenden spontan den Satz „Alles hat seine Zeit“ vervollständigen oder Situationen sammeln, in denen sie Zeit als knapp, erfüllt, langweilig, wertvoll oder belastend erleben. Anschließend kann Kohelet 3,1 bis 9 gemeinsam gelesen werden. Das Material schlägt vor, die dort genannten gegensätzlichen Erfahrungen zunächst danach zu betrachten, ob sie als positiv oder negativ wahrgenommen werden. Danach wird gefragt, welche Erfahrungen Menschen beeinflussen können und welche sich ihrem Zugriff entziehen. Für den Unterricht lässt sich daraus eine Zuordnungsaufgabe entwickeln. Begriffe aus dem Bibeltext werden auf Karten geschrieben und von den Lernenden geordnet. Anschließend wird diskutiert, ob eine eindeutige Einteilung überhaupt möglich ist. Dadurch kann die zentrale Einsicht vorbereitet werden, dass menschliches Leben aus unterschiedlichen Zeiten besteht und nicht jede schwierige Erfahrung einfach vermieden werden kann. Besonders ergiebig ist eine Verbindung mit der Lebenswelt der Lernenden. Sie können untersuchen, wodurch ihr Umgang mit Zeit geprägt wird und warum es manchmal schwerfällt, einen gegenwärtigen Augenblick bewusst wahrzunehmen. Dabei können Themen wie Leistungsdruck, Freizeit, Langeweile, Zukunftserwartungen und die ständige Planung kommender Aufgaben aufgegriffen werden. Das Medium stellt dieser Haltung Kohelets Einladung gegenüber, die jeweils gegenwärtige Zeit wahr und ernst zu nehmen. Eine weitere Unterrichtseinheit kann Kohelet 9,1 bis 10 gewidmet werden. Hier lässt sich die Frage behandeln, ob die Endlichkeit des Lebens Lebensfreude verhindert oder gerade zu einer bewussteren Wertschätzung des Lebens führen kann. Die Lernenden können zunächst eigene Vorstellungen eines gelingenden Lebens sammeln und diese anschließend mit Kohelets Aufforderung zur Freude vergleichen. Das Material hebt hervor, dass die Bibel zum dankbaren Genießen des von Gott geschenkten Lebens aufruft. Für ältere Lernende bietet sich besonders die vierte Einheit zu Jugend, Alter und Sterben an. Fotografien von Menschen unterschiedlichen Alters können als Einstieg dienen. Die Lernenden wählen ein Bild aus und formulieren Assoziationen zu Jugend, Erwachsensein und Alter. Dabei sollte darauf geachtet werden, stereotype Vorstellungen über Alter nicht zu verstärken. Anschließend kann Kohelet 11,9 bis 12,7 erschlossen werden. Die poetischen Bilder für körperliche Veränderungen im Alter bieten einen anspruchsvollen Zugang zur Symbolsprache biblischer Texte. Das Material erläutert unter anderem das Haus als Bild für den menschlichen Körper, die Wächter des Hauses als Arme, die Müllerinnen als Zähne und die Fenster als Augen. Die Lernenden können diese Bilder entschlüsseln und anschließend eigene Symbole für Lebenszeit, Jugend, Alter oder Vergänglichkeit entwickeln. Besonders geeignet ist auch die Arbeit mit den abschließenden Bildern von der silbernen Schnur, der goldenen Schale, dem Krug an der Quelle und dem zerbrochenen Rad. Das Material regt dazu an, diese Bilder mit persönlichen Zukunftssätzen zu verbinden. Im schulischen Kontext sollte eine solche Aufgabe freiwillige persönliche Aussagen ermöglichen und zugleich eine sachliche Alternative anbieten. Tod, Krankheit und Verlusterfahrungen können für einzelne Lernende biografisch sehr nah sein. Niemand sollte deshalb zur Offenlegung persönlicher Erfahrungen verpflichtet werden. Eine kreative Vertiefung kann durch eine Zeitleiste, eine Bildcollage, ein Zeitfenster mit wichtigen Lebensmomenten oder durch einen eigenen Text unter der Überschrift „Alles hat seine Zeit“ erfolgen. Ebenso können die Lernenden diskutieren, ob ein bewusstes Leben im Augenblick mit langfristigen Zielen und Zukunftsplanung vereinbar ist. Eine abschließende Reflexion kann die Frage aufnehmen, was es bedeutet, Lebenszeit als Geschenk zu verstehen. Dadurch erschließt das Medium das Buch Kohelet nicht nur als historischen Bibeltext, sondern als Gesprächspartner für grundlegende Fragen nach Zeit, Glück, Endlichkeit, Hoffnung und verantwortlicher Lebensgestaltung.