Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Themen Stammbaum Jesu, Frauen in der Bibel, biblische Frauengestalten, Herkunft Jesu, Verheißungsgeschichte, Geschlechterrollen, Macht, Solidarität, Gerechtigkeit und christliche Identität. Ein geeigneter Einstieg besteht in der Frage, welche Bedeutung Herkunft und Familiengeschichte für die Identität eines Menschen besitzen können. Die Lernenden können zunächst überlegen, welche Informationen ein Stammbaum normalerweise enthält und was ein Stammbaum über eine Person erzählen kann. Dabei sollte ausdrücklich keine Offenlegung der eigenen Familiengeschichte verlangt werden, da Herkunft, Trennung, Adoption, Verlust oder familiäre Konflikte sensible Themen darstellen können. Stattdessen kann mit einem erfundenen Stammbaum gearbeitet werden. Anschließend bietet sich die vom Medium vorgeschlagene Bildbetrachtung an. Die Lernenden betrachten die unterschiedlichen künstlerischen Darstellungen des Stammbaums Jesu und äußern zunächst nur Beobachtungen, danach Gefühle und Assoziationen und schließlich mögliche Deutungen. Das Material selbst schlägt die Fragen vor, was wahrgenommen und empfunden wird und welche Aussagen die unterschiedlichen Stammbäume über Jesus treffen. Besonders das auf Seite drei abgebildete farbige Kunstwerk kann dazu genutzt werden, einen Stammbaum nicht nur als nüchterne Namensliste, sondern als verdichtete Darstellung von Beziehungen, Geschichte und Identität wahrzunehmen. Erst danach sollte Matthäus 1,1 bis 17 gelesen werden. Die Lernenden erhalten den Auftrag, alle Frauennamen zu markieren und zu untersuchen, warum diese wenigen Frauen innerhalb der langen Reihe männlicher Namen besonders auffallen. Für die vertiefende Erarbeitung bietet sich die im Medium vorgesehene Aufteilung in vier Gruppen an. Jede Gruppe beschäftigt sich mit Tamar, Rahab, Rut oder Batseba und erschließt die jeweilige Lebensgeschichte. Die Ergebnisse können auf großen Figurenumrissen festgehalten werden. Außerhalb der Figur werden wichtige Lebensstationen notiert, innerhalb der Figur Eigenschaften, Fähigkeiten, Gefühle und mögliche Motive. Diese Methode ermöglicht eine klare Unterscheidung zwischen äußeren Lebensbedingungen und der Deutung einer Person. Zugleich sollte kritisch darauf geachtet werden, den Frauen keine Gefühle oder Motive zuzuschreiben, die der biblische Text selbst nicht nennt. Gerade bei Batseba ist dies wichtig, denn das Medium weist darauf hin, dass der biblische Text hinsichtlich ihrer Gefühle auffällig zurückhaltend bleibt. Damit eröffnet sich eine wichtige methodische Frage nach der Grenze zwischen Textbeobachtung und Interpretation. Eine weitere geeignete Methode ist das Standbild. Das Medium schlägt vor, dass jeweils eine Person eine der vier Frauen verkörpert und die Gruppe gemeinsam über Körperhaltung und Symbolik entscheidet. Im Religionsunterricht können mehrere Standbilder zu derselben Frau entstehen. Anschließend wird verglichen, warum eine Gruppe Tamar beispielsweise selbstbewusst, eine andere dagegen verletzlich darstellt. Dadurch erkennen die Lernenden, dass biblische Figuren unterschiedlich interpretiert werden können. Bei Tamar und Batseba müssen die Themen Sexualität, Abhängigkeit, Macht und Gewalt besonders sensibel behandelt werden. Tamar sollte nicht vorschnell moralisch anhand heutiger Kategorien beurteilt werden, sondern vor dem Hintergrund ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Situation betrachtet werden. Bei Batseba ist darauf zu achten, die Machtposition Davids und seine Verantwortung nicht durch die Frage zu relativieren, ob Batseba ihn möglicherweise verführt habe. Für ältere Lernende kann gerade daraus eine kritische Untersuchung von Machtverhältnissen, Geschlechterrollen und der Wirkung späterer Darstellungen biblischer Frauen entstehen. Bei Rut bietet sich dagegen eine Vertiefung zu Solidarität, Migration, Fremdheit und neuer Heimat an. Bei Rahab können Mut, eigenständige Entscheidungen, gesellschaftliche Außenseiterpositionen und die Frage nach Zugehörigkeit thematisiert werden. Nach der Gruppenarbeit sollte die gemeinsame Frage stehen, was Tamar, Rahab, Rut und Batseba miteinander verbindet und weshalb Matthäus gerade diese Frauen nennt. Das Medium selbst deutet ihre Geschichten als Einbruch des Unerwarteten und Ungewöhnlichen in eine scheinbar geordnete Geschichte. Gerade diese Frauen werden zu notwendigen Akteurinnen der Verheißungsgeschichte. Diese Perspektive kann für die Lernenden durch eine Sammlung von Gegensatzpaaren erschlossen werden: erwartet und unerwartet, angesehen und ausgegrenzt, mächtig und machtlos, angepasst und eigenständig, bekannt und fremd. Anschließend kann diskutiert werden, ob Gottes Wirken nach der Darstellung des Matthäusevangeliums nur in geordneten und erwartbaren Lebenswegen sichtbar wird. Für ältere Lernende bietet sich zusätzlich eine kritische Auseinandersetzung mit der im Material vertretenen theologischen Deutung an. Die Lernenden können prüfen, welche Aussagen unmittelbar aus den biblischen Texten hervorgehen und welche Aussagen bereits Interpretation darstellen. Dadurch werden zugleich Kompetenzen im Umgang mit Bibeltexten und theologischen Deutungen gefördert. Eine weitere Vertiefung kann die Verbindung zu Maria herstellen. Das Medium versteht die vier Frauen als Vorbereitung darauf, dass auch Maria auf ungewöhnliche Weise Teil der Verheißungsgeschichte wird. Die Lernenden können untersuchen, weshalb Matthäus seinen Stammbaum unmittelbar auf die Geburt Jesu zulaufen lässt und welches Jesusbild dadurch bereits vor der eigentlichen Geburtsgeschichte entsteht. Zum Abschluss eignet sich die im Medium vorgeschlagene räumliche Positionierung. Im Klassenraum werden vier Orte mit den Namen Tamar, Rahab, Rut und Batseba eingerichtet. Die Lernenden wählen die Frau aus, deren Geschichte sie besonders interessiert, irritiert oder zum Nachdenken bringt, und begründen ihre Wahl. Alternativ können sie einen kurzen Text aus der Perspektive einer der Frauen verfassen oder einen fiktiven fünften Platz in einem symbolischen Stammbaum gestalten und begründen, welche Eigenschaften eine Person besitzen müsste, die dort stehen könnte. Auf diese Weise ermöglicht das Medium eine Verbindung von Bibelarbeit, historischer Kontextualisierung, Bildarbeit, Perspektivübernahme, Geschlechterreflexion und theologischer Urteilsbildung. Es macht sichtbar, dass die Vorgeschichte Jesu im Matthäusevangelium von Frauen mitgeprägt wird, deren Lebensgeschichten von Mut, Gefährdung, Fremdheit, Solidarität, Macht, Selbstbehauptung und unerwarteten Wendungen erzählen.