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Hubertus Holschbach | ru-digital

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Flucht und Migration

Veröffentlichung:1.1.2019

Die Unterrichtsstunde "Flucht und Migration" reflektiert in einer Doppelstunde auf 26 Seiten mit neun Materialien den Syrien-Konflikt im Zusammenhang mit Flucht und stellt biblischen Bezug her. Eine tabellarische Unterrichtsplanung erleichtert die Anwendung.

Das Medium „Flucht und Migration. Ursachen, politische Maßnahmen, gesellschaftliche Herausforderungen“ von MISEREOR bietet einen kompetenzorientierten Unterrichtsentwurf für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I, insbesondere für die Jahrgangsstufen 7 bis 9. Das Material ist als Doppelstunde konzipiert und verbindet sachliche Informationen über Flucht, Migration und Asyl mit politischen, gesellschaftlichen, ethischen und theologischen Perspektiven. Ziel ist es, zwischen Flucht und Migration zu unterscheiden, Ursachen von Fluchtbewegungen zu verstehen und verbreitete Vorstellungen über Geflüchtete anhand von Fakten kritisch zu prüfen. Zugleich nimmt das Medium die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung gegenüber Menschen in Fluchtsituationen in den Blick. Die Materialsammlung umfasst Bilder und eine Mindmap für den Einstieg, ein Zitat von Papst Franziskus, Grafiken mit Fakten zu Flucht und Asyl sowie Arbeitsblätter zu Fluchtursachen, zur Entscheidung zwischen Bleiben und Gehen, zum Syrienkonflikt, zum Migrationspakt der Vereinten Nationen und zu einer theologischen Perspektive. Einen besonderen religionspädagogischen Schwerpunkt bilden biblische Fluchtgeschichten, etwa die Migration Noomis und ihrer Familie aufgrund einer Hungersnot sowie die Flucht der Familie Jesu nach Ägypten. Diese Texte verdeutlichen, dass Erfahrungen von Fremdsein, Migration, Bedrohung und Flucht auch zentrale Motive der biblischen Überlieferung sind. Die Materialien verbinden diese Perspektive mit der christlichen Vorstellung von der Würde jedes Menschen und der Verantwortung für den Mitmenschen.

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Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Möglichkeiten, Sachlernen, ethische Urteilsbildung, Perspektivübernahme und theologische Reflexion miteinander zu verbinden. Besonders geeignet ist ein Einstieg über die fünf Fotografien des Materials. Die Bilder können zunächst als stummer Impuls präsentiert werden. Die Lernenden erhalten Zeit für eine individuelle Wahrnehmung und äußern anschließend Beobachtungen, Vermutungen, Gefühle und bereits vorhandenes Wissen. Die Ergebnisse können entsprechend der angebotenen Mindmap gesammelt und im weiteren Unterrichtsverlauf ergänzt werden. Das Material selbst sieht für diesen Einstieg etwa zehn bis fünfzehn Minuten vor. Dieses Vorgehen ermöglicht der Lehrkraft zugleich, Vorwissen, Einstellungen und mögliche Vorurteile innerhalb der Lerngruppe wahrzunehmen. Gerade bei einem gesellschaftlich kontrovers diskutierten Thema sollte ein Gesprächsrahmen geschaffen werden, in dem unterschiedliche Positionen geäußert werden können, zugleich aber zwischen begründeten Urteilen, persönlichen Erfahrungen und pauschalisierenden oder abwertenden Aussagen unterschieden wird. Das Medium betont ausdrücklich die Bedeutung faktenbasierter Urteilsbildung und verfolgt das Ziel, Lernende zu einer eigenständigen Positionierung zu befähigen, bei der rationale Einsichten und emotionale Aspekte berücksichtigt werden. Sprachsensibilität besitzt dabei eine besondere Bedeutung. Begriffe wie Flüchtling, Geflüchtete, Migrant, Asylsuchende und Binnenvertriebene sollten gemeinsam geklärt und voneinander unterschieden werden. Zugleich können Lernende untersuchen, welche Wirkung Sprache auf die Wahrnehmung von Menschen ausübt. Das Material problematisiert ausdrücklich polemisierende und angstmachende Begriffe und macht damit Sprache selbst zu einem Gegenstand ethischen Lernens. Nach dem Einstieg eignet sich das Zitat von Papst Franziskus zur Problematisierung. Es eröffnet die Frage, welche Verantwortung sowohl die aufnehmende Gesellschaft als auch neu ankommende Menschen tragen und wie Anerkennung, Integration und gegenseitiges Verständnis gelingen können. Anschließend können die statistischen Darstellungen des Materials ausgewertet werden. Hier sollte die Lehrkraft berücksichtigen, dass das Medium aus dem Jahr 2019 stammt und die enthaltenen Zahlen deshalb historische Daten darstellen. Für eine gegenwartsbezogene Unterrichtsreihe empfiehlt es sich, diese durch aktuelle Zahlen zu ergänzen oder die älteren Daten bewusst als Ausgangspunkt für einen zeitlichen Vergleich einzusetzen. Für die zentrale Erarbeitungsphase bietet sich die im Medium vorgesehene arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Die Aufgaben besitzen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und ermöglichen dadurch eine gezielte Binnendifferenzierung. Eine Gruppe untersucht Ursachen von Flucht und Migration und beschäftigt sich mit Faktoren, die Menschen zum Verlassen ihrer Heimat bewegen oder andere Orte attraktiv erscheinen lassen. Das Material nennt beispielsweise Dürre, fehlende Lebensperspektiven sowie die Hoffnung auf Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit. Religionspädagogisch besonders ergiebig ist hier der Vergleich gegenwärtiger Erfahrungen mit biblischen Fluchtgeschichten. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten und erkennen, dass Hunger, Gewalt, Verfolgung, Unsicherheit und die Hoffnung auf ein besseres Leben epochenübergreifende menschliche Erfahrungen darstellen. Eine weitere Gruppe übernimmt die Perspektive gleichaltriger Jugendlicher und verfasst einen Tagebucheintrag. Diese Methode fördert Perspektivübernahme und Empathie, sollte jedoch sensibel angeleitet werden. Lernende mit eigener Fluchtgeschichte dürfen nicht aufgefordert werden, persönliche oder möglicherweise belastende Erfahrungen offenzulegen. Die fiktiven Situationen des Materials ermöglichen vielmehr eine Annäherung, bei der die Lernenden über Angst, Verlust, Hoffnung, Heimat und Zukunft nachdenken können. Eine weitere Gruppe erschließt den Syrienkonflikt und visualisiert Konfliktparteien und Folgen für die Zivilbevölkerung in einem Schaubild. Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Migrationspakt der Vereinten Nationen und verbindet Sachanalyse mit politischer Urteilsbildung. Eine fünfte Gruppe erschließt schließlich ausdrücklich die theologische Dimension. Sie untersucht Aussagen zum Umgang mit Fremden, diskutiert die gesellschaftliche Realität in Deutschland und entwickelt konkrete Vorschläge für den Umgang mit Geflüchteten und Migranten. Besonders handlungsorientiert ist die Aufgabe, ein eigenes Projekt zu entwerfen, an dem Jugendliche mitwirken könnten. In der Sicherungsphase sollten die Gruppen ihre Ergebnisse nicht lediglich nacheinander präsentieren. Ergiebiger ist eine gemeinsame Leitfrage, etwa: „Welche Verantwortung haben wir gegenüber Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen?“ Die Erkenntnisse der einzelnen Gruppen können dieser Leitfrage zugeordnet und miteinander verknüpft werden. Dadurch treten Sachwissen, politische Bewertung, Empathie und christliche Ethik in einen Dialog. Für eine abschließende theologische Reflexion bietet sich die Frage an, welche Konsequenzen sich aus Menschenwürde, Nächstenliebe und dem biblischen Umgang mit Fremden für christliches Handeln ergeben. Das Medium kann so dazu beitragen, dass Lernende weder ausschließlich emotional noch ausschließlich politisch über Migration sprechen, sondern Fakten prüfen, verschiedene Perspektiven wahrnehmen, biblische und christliche Maßstäbe erschließen und auf dieser Grundlage ein begründetes eigenes Urteil entwickeln.


Der Einstieg gelingt über fünf Bilder zum Leben von Flüchtlingen als stiller Impuls. Äußerungen werden als Mindmap an der Tafel festgehalten. Ein Zitat von Papst Franziskus ermöglicht den Lerner/innen weitere Perspektiven und erweitert die Mindmap. Statistiken und Tortendiagramme thematisieren Herkunftsländer, Tod bei Flucht und Asylanträge. Zusammenhänge zwischen dem Syrien-Konflikt und Fluchtzahlen werden hergestellt.

Es schließt sich eine Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden mit fünf Materialien an. Die erste Gruppe hat den am wenigsten Komplexen Auftrag, die fünfte den komplexesten. Dabei werden Migrationsgründe als einfachste reproduktive Aufgabe erfasst. Das Leben von jugendlichen Flüchtlingen wird über einen fiktiven Tagebucheintrag zu einer Geschichte thematisiert und gestaltet. Die verworrenen Konfliktparteien im Serienkonflikt werden in Webrecherche und Textarbeit ermittelt und in Textform gebracht. Zum UN Migrationspakt wird ein Plakat gestaltet. Biblische Aussagen zum Thema Flucht werden anhand von Levitikus Verhalten gegenüber Fremden und dem Gleichnis vom Gericht des Menschensohnes über die Völker erarbeitet. Die Gruppe diskutiert das Verhalten der deutschen Gesellschaft gegenüber Flüchtlingen sowie das Verhalten von Christen in Deutschland gegenüber Fremden. Es wird ein Plakat mit Verbesserungsvorschlägen und eigenen Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. Der Kreis schließt sich, wenn nach der Präsentation erneut das Zitat von Papst Franziskus diskutiert wird.


Material:

M 1 Für den Einstieg: Bilder zum Thema „Flucht“ Folie (Beamer, OHP), 5 Bilder

M 2 Brainstorming zum Thema „Flucht und Migration“ Mindmap-Vorlage

M 3 Auszug Papst Franziskus zum Welttag des Flüchtlings (Beamer, OHP)

M 4 Fakten zu Flucht und Asyl Grafische Darstellungen, Ausdruck/Kopie für SuS

M 5 Warum fliehen die Menschen? (Arbeitsgruppe 1)

M 6 Bleiben oder gehen? (Arbeitsgruppe 2)

M 7 Der Syrien-Konflikt (Arbeitsgruppe 3)

M 8 Der UN-Migrationspakt (Arbeitsgruppe 4)

M 9 Die theologische Perspektive (Arbeitsgruppe 5)


Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.3 Königtum und Prophetie. Macht und Kritik.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

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