Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit biblischen Frauenfiguren sowie mit Macht, Selbstbestimmung, Gehorsam, Widerstand und Geschlechterrollen. Ein sinnvoller Einstieg besteht in der gemeinsamen Lektüre von Ester 1,1 bis 22. Dabei können die Lernenden zunächst die beteiligten Personen, ihre Interessen, ihre Handlungsmöglichkeiten und die bestehenden Machtverhältnisse herausarbeiten. Entscheidend ist, Waschtis Verhalten nicht vorschnell als richtig oder falsch zu bewerten. Vielmehr können die Lernenden untersuchen, weshalb der König ihre persönliche Entscheidung als politische Bedrohung wahrnimmt und warum aus einem Konflikt zwischen zwei Personen eine Angelegenheit des gesamten Reiches wird. Besonders geeignet ist hierfür das im Medium vorgeschlagene Rollenspiel in Form einer Talkshow. Die Lernenden übernehmen die Rollen von Waschti, Ahaschwerosch, Memuchan und einer Teilnehmerin des Frauenfestes, während weitere Lernende als Publikum unterschiedliche Perspektiven aus dem persischen Reich einbringen. Das Material stellt dafür auf Seite vier ausführliche Rollenkarten zur Verfügung. Die Rollen regen dazu an, persönliche Interessen, emotionale Betroffenheit, politische Einschätzungen und mögliche Folgen des königlichen Erlasses zu bedenken. Vor dem Spiel sollte ausreichend Zeit zur Rollenfindung eingeplant werden. Nach der Darstellung ist eine bewusste Distanzierung von den Rollen wichtig. Die Lernenden können beschreiben, wie sie ihre Figur erlebt haben, welche Argumente überzeugend wirkten und an welchen Stellen sich ihre ursprüngliche Bewertung verändert hat. Das Medium selbst sieht für die Auswertung Fragen nach dem Erleben der Rollen und nach der Überzeugungskraft der unterschiedlichen Argumentationen vor. In einer weiteren Unterrichtsphase kann der Aktualitätsbezug hergestellt werden. Das Material schlägt hierzu Collagen vor, mit denen nach Situationen gefragt wird, in denen Frauen heute Mut benötigen, nach Reaktionen auf solchen Widerstand und nach erfolgreichen beziehungsweise unterdrückenden Strategien im Umgang mit Macht. Für den schulischen Kontext empfiehlt es sich, diese Fragestellungen zu erweitern und grundsätzlich danach zu fragen, wie Menschen mit Macht umgehen, wann Gehorsam erwartet werden darf und wann Widerstand notwendig werden kann. Dadurch können auch Lernende unabhängig vom eigenen Geschlecht unterschiedliche Erfahrungen und Positionen einbringen. Kreativ kann die Bibelarbeit durch Collagen, Standbilder, innere Monologe oder die Gestaltung einer heutigen Waschti ergänzt werden. Auch eine Gegenüberstellung der Perspektiven Waschtis und Ahaschweroschs bietet sich an. Die Lernenden können beispielsweise dieselbe Situation aus beiden Perspektiven erzählen und anschließend untersuchen, wie sich Wahrnehmung und Bewertung durch einen Perspektivwechsel verändern. Für ältere Lernende bietet sich zusätzlich eine Diskussion darüber an, ob Waschtis Entscheidung bereits als politischer Widerstand verstanden werden kann und welche Bedeutung individuelle Entscheidungen innerhalb ungerechter gesellschaftlicher Strukturen besitzen. Die im Medium angelegte Verbindung von historischer Bibelarbeit, Perspektivübernahme und Gegenwartsbezug ermöglicht damit sowohl bibeldidaktisches als auch ethisches und gesellschaftsbezogenes Lernen.