Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit Schöpfungsverantwortung, Tierethik und der Frage nach der besonderen Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung. Als Einstieg können die kurzen Bibelzitate auf der ersten Seite einzeln an Lernende oder Kleingruppen verteilt werden. Die Lernenden können zunächst herausarbeiten, welches Verhältnis zwischen Gott, Mensch und Tier im jeweiligen Vers erkennbar wird. Anschließend lässt sich das im Material vorgeschlagene Beziehungsdreieck mit den Polen Gott, Mensch und Tier einsetzen. Die Beziehungen werden mit Begriffen versehen und danach mit heutigen Vorstellungen verglichen. Dadurch werden Vorwissen und persönliche Einstellungen aktiviert, während zugleich deutlich wird, dass einzelne Bibelverse nicht isoliert betrachtet werden sollten. In einer vertiefenden Bibelarbeit zu Genesis 9,1–11 können die Lernenden Aussagen über Menschen und Tiere unterschiedlich markieren, irritierende oder zustimmungsfähige Aussagen kennzeichnen und anschließend begründet diskutieren. Gerade schwierige Aussagen über Herrschaft, Gewalt und die Tötung von Tieren bieten die Möglichkeit, einen reflektierten Umgang mit biblischen Texten einzuüben. Der Kommentar sollte dabei nicht einfach als fertige Deutung vorgegeben werden, sondern als Erschließungshilfe dienen. Die Lernenden können zunächst eigene Deutungen entwickeln und diese anschließend mit dem Kommentar vergleichen. Dabei lässt sich herausarbeiten, dass menschliche Herrschaft im Material nicht als schrankenlose Verfügung über die Natur verstanden wird, sondern mit dem Auftrag zum Schutz des Lebensraums verbunden ist. Für eine ethische Vertiefung können die Aussagen des Bibeltextes auf gegenwärtige Fragen des Umgangs mit Tieren, des Fleischkonsums, der Landwirtschaft, des Konsumverhaltens und der Verantwortung für natürliche Lebensgrundlagen bezogen werden. Besonders produktiv ist die Leitfrage, welche Konsequenzen es hat, Tiere als Mitgeschöpfe und als Teil des Bundes Gottes zu verstehen. Der Text zur Genügsamkeit ermöglicht darüber hinaus eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil und verbindet Schöpfungstheologie mit konkreter Alltagsethik. Als kreativer Abschluss eignet sich das auf Seite IV dargestellte Motiv der Schöpfung als „Lebenshaus“. Die mittelalterliche Arche kann zunächst gemeinsam betrachtet und gedeutet werden. Danach gestalten die Lernenden ein eigenes Lebenshaus der Gegenwart und überlegen, wer darin Platz findet, wie Menschen und Tiere miteinander leben und wo symbolisch „Renovierungsbedarf“ besteht. Die Ergebnisse können in einem Galeriegang präsentiert und miteinander verglichen werden. Auf diese Weise verbindet das Medium kognitive Texterschließung mit ethischer Urteilsbildung, Perspektivwechsel, persönlicher Positionierung und kreativem Gestalten. Für höhere Jahrgangsstufen bietet sich zusätzlich eine kontroverse Diskussion darüber an, ob die Nutzung und Tötung von Tieren mit dem biblischen Gedanken des Lebenshauses vereinbar ist und welche Grenzen menschlicher Verfügungsgewalt sich aus Genesis 9 ableiten lassen.