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Magazin ZeitspRUng

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Konsumentscheidungen haben Konsequenzen

Sustainable Development Goal 12 im Religionsunterricht

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Beitrag ist ein vollständiges, vierstufiges Unterrichtskonzept für den Religionsunterricht zu SDG 12 (Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen) der UN-Agenda 2030. Er gliedert sich in einen theologisch-didaktischen Grundlagenteil und ein Bausteinmodell mit direkt einsetzbaren Materialien (M 1–2c, abgedruckt). Der theoretische Teil entfaltet die Spannung zwischen individueller Konsumverantwortung und sozialethischen Systemfragen anhand zweier christlich-ethischer Grundausrichtungen: Option für die Armen (Befreiungstheologie, Laudato Si, Papst Franziskus) und Bewahrung der Schöpfung (Versöhnung, Mitgeschöpflichkeit). Baustein 1 erschließt den ökologischen Fußabdruck durch den Vergleich mit drei authentischen Portraits bangladeschischer Jugendlicher – Akhi Akhter (15), Partho Paul (13) und Khadija Akhter (15) –, erstellt von NETZ Bangladesch. Baustein 2 erarbeitet Armutsbegriffe (absolute, relative, Exklusion/neue Armut; M 2a) und die Option für die Armen (M 2b) im kooperativen Kugellager-Verfahren (M 2c). Baustein 3 ist altersdifferenziert: Jg. 5–7 analysieren die Konsumgüter Jeans und Smartphone hinsichtlich ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit; Jg. 8–10 untersuchen Ernährungsgewohnheiten und globale Klimagerechtigkeit. Baustein 4 weitet den Blick auf Regierungen, Kirchen und lokale Initiativen im Kontext der Agenda 2030.

Der vierzehnseitige Beitrag „Konsumentscheidungen haben Konsequenzen“ von Ulrike Häusler und Clemens Wustmans erschließt das Nachhaltigkeitsziel 12 der Vereinten Nationen für den Religionsunterricht. Im Mittelpunkt stehen nachhaltiger Konsum und verantwortungsvolle Produktionsweisen. Das Medium verbindet alltägliche Konsumentscheidungen mit globaler Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung, Schöpfungsverantwortung und der christlichen Option für arme und benachteiligte Menschen. Es richtet sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten an die Jahrgänge 5 bis 10 und enthält fachliche Grundlagen, Kompetenzbeschreibungen, vier aufeinander bezogene Unterrichtsbausteine sowie unmittelbar einsetzbare Materialien. Im ersten Baustein berechnen die Lernenden ihren ökologischen Fußabdruck und vergleichen ihn mit den ausführlichen Lebensporträts von Akhi Akhter, Partho Paul und Khadija Akhter aus Bangladesch. Der zweite Baustein erklärt absolute Armut, relative Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung und führt in die christliche Option für die Armen ein. Der dritte Baustein untersucht die sozialen und ökologischen Folgen von Jeans, Smartphones und tierischen Lebensmitteln. Die Lernenden recherchieren unter anderem zu Baumwolle, Wasserverbrauch, Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion, Coltanabbau in der Demokratischen Republik Kongo und den Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen. Der vierte Baustein richtet den Blick auf die Agenda 2030 sowie auf die Verantwortung von Regierungen, Parteien, Kirchen und örtlichen Initiativen. Das Medium macht deutlich, dass persönliches Konsumverhalten bedeutsam ist, die Lösung globaler Probleme aber nicht allein einzelnen konsumierenden Menschen übertragen werden darf. Erforderlich sind ebenso politische Entscheidungen, wirtschaftliche Veränderungen und gesellschaftliches Engagement.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe sowie für eine Zusammenarbeit mit Politik, Ethik, Gesellschaftswissenschaften, Wirtschaft und Geografie. Es kann in Unterrichtsreihen zu Schöpfung, Gerechtigkeit, Armut, Verantwortung, Globalisierung, Konsum, Menschenwürde, christlicher Sozialethik und nachhaltiger Entwicklung eingesetzt werden. Die vier Bausteine können einzeln verwendet oder zu einer zusammenhängenden Unterrichtsreihe verbunden werden.

Vor dem Einsatz sollte die Lehrkraft berücksichtigen, dass der Beitrag aus dem Jahr 2021 stammt. Internetverweise, politische Dokumente, Angaben zu Einkommen und Armut sowie Zahlen zur ökologischen Belastung müssen deshalb geprüft werden. Insbesondere Wahlprogramme, Regierungsvereinbarungen und Umsetzungsstände der Agenda 2030 verändern sich. Die Materialien eignen sich weiterhin als methodische Grundlage, aktuelle Tatsachenbehauptungen benötigen jedoch eine gegenwärtige Quelle.

Als Einstieg können die Lernenden einen Gegenstand auswählen, den sie in letzter Zeit gekauft oder geschenkt bekommen haben. Sie vermuten, aus welchen Rohstoffen er besteht, wo er hergestellt wurde, wer an seiner Produktion beteiligt war und welche Folgen seine Herstellung haben könnte. Geeignet sind Kleidung, Mobiltelefone, Schuhe, Kosmetik oder Lebensmittel. Dadurch wird deutlich, dass ein alltäglicher Gegenstand Teil einer längeren Produktionskette ist.

Der Begriff Nachhaltigkeit sollte nicht auf Umweltschutz begrenzt werden. Die Lernenden unterscheiden die ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimension. Ökologische Nachhaltigkeit fragt nach Rohstoffen, Energie, Wasser, Klima und Abfall. Soziale Nachhaltigkeit richtet den Blick auf Löhne, Gesundheit, Sicherheit, Bildung, Mitbestimmung und Menschenrechte. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit untersucht Preise, Unternehmensverantwortung, langfristige Versorgung und gerechte Teilhabe.

Das Nachhaltigkeitsziel 12 kann gemeinsam mit weiteren Zielen der Agenda 2030 betrachtet werden. Die Lernenden erkennen Beziehungen zu Armutsbekämpfung, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, menschenwürdiger Arbeit und Klimaschutz. Damit wird sichtbar, dass verantwortlicher Konsum nicht isoliert behandelt werden kann.

Der erste Baustein beginnt mit der Berechnung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. Die Lernenden erfassen Angaben zu Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum. Anschließend sichern sie das Ergebnis und notieren Vorschläge zur Verringerung des eigenen Ressourcenverbrauchs. Die Berechnung sollte als Modell und nicht als exakte Messung vorgestellt werden. Verschiedene Rechner verwenden unterschiedliche Datengrundlagen und Vereinfachungen.

Bei der Auswertung ist besondere Sensibilität erforderlich. Viele Angaben hängen vom Einkommen und von den Entscheidungen der Familie ab. Lernende bestimmen häufig nicht selbst über Wohnungsgröße, Heizung, Auto, Urlaubsreisen oder Lebensmitteleinkauf. Ergebnisse werden deshalb nicht als Rangliste veröffentlicht. Niemand muss persönliche Angaben nennen oder den finanziellen Hintergrund der Familie offenlegen.

Der Fußabdruck darf nicht zu einer moralischen Bewertung einzelner Lernender führen. Ein größerer Wert bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch verantwortungsloser ist. Ein kleinerer Wert kann aus eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten entstehen und muss nicht freiwillig gewählt sein. Die Methode dient zur Untersuchung von Strukturen und Handlungsspielräumen, nicht zur Beschämung.

Die Lebensporträts von Akhi Akhter, Partho Paul und Khadija Akhter eröffnen einen persönlichen Zugang zu Bangladesch. Die Lernenden erschließen die Bereiche Wohnen, Ernährung, Mobilität, Bildung, Arbeit, Freizeit und Konsum. Anschließend vergleichen sie die drei Biografien miteinander. Dabei erkennen sie, dass Menschen in demselben Land sehr unterschiedliche Lebensbedingungen besitzen.

Die Porträts dürfen nicht ausschließlich als Kontrast zu einem vermeintlich einheitlichen europäischen Wohlstand verwendet werden. Bangladesch ist kein bloßes Beispiel für Armut, sondern eine vielfältige Gesellschaft. Die vorgestellten Jugendlichen werden als Personen mit Interessen, Fähigkeiten, Beziehungen und eigenen Entscheidungen wahrgenommen. Ihre Lebensbeschreibungen sollen weder bemitleidet noch romantisiert werden.

Bei der Nutzung des Fußabdruckrechners für die Porträts können methodische Grenzen sichtbar werden. Manche Fragen setzen Lebensweisen und Infrastrukturen wohlhabender Länder voraus. Eine geringe Nutzung von Strom, Verkehr oder Konsum wird dabei als ökologisch günstig bewertet, obwohl sie auch Ausdruck fehlenden Zugangs zu Bildung, Gesundheit, Mobilität oder angemessenem Wohnen sein kann. Die Lernenden sollten deshalb fragen, in welchen Bereichen eine Vergrößerung des Fußabdrucks für ein würdiges Leben gerechtfertigt oder notwendig wäre.

Eine mögliche Ergebnissicherung besteht in einer Gegenüberstellung von ökologischem Verbrauch und menschlichen Grundbedürfnissen. Die Lernenden prüfen, wann ein geringerer Ressourcenverbrauch sinnvoll ist und wann Menschen zunächst einen gerechteren Zugang zu Energie, Nahrung, Wohnraum, Bildung und Mobilität benötigen. So wird Nachhaltigkeit mit Gerechtigkeit verbunden.

Der zweite Baustein führt in unterschiedliche Armutsbegriffe ein. Vor der Lektüre diskutieren die Lernenden Thesen über Nahrung, Wohnung, gesellschaftliche Teilhabe, Reichtum und Armut. Sie wählen eine Aussage aus, der sie zustimmen, und eine, die sie ablehnen. Jede Entscheidung muss begründet werden. Dadurch werden eigene Vorstellungen von Armut sichtbar.

Material 2a unterscheidet absolute Armut, relative Armut und neue Armut beziehungsweise gesellschaftliche Ausgrenzung. Die Texte können arbeitsteilig gelesen werden. Die Lernenden fassen jeden Begriff in eigenen Worten zusammen und entwickeln ein Beispiel. Aktuelle Grenzwerte und Zahlen sollten ersetzt oder mit einem klaren Bezugsjahr versehen werden.

Die Behandlung relativer Armut verhindert, dass Armut ausschließlich als Problem ferner Länder erscheint. Menschen können auch in wohlhabenden Gesellschaften vom sozialen, kulturellen oder politischen Leben ausgeschlossen sein. Die Lernenden untersuchen, welche Bedeutung Wohnort, Familiengröße, Einkommen, Zeit, Bildung, Gesundheit und öffentliche Infrastruktur für gesellschaftliche Teilhabe besitzen.

Material 2b erschließt die Option für die Armen. Der Begriff stammt aus der Theologie der Befreiung und bezeichnet die besondere Aufmerksamkeit für Menschen, die von Armut, Ausbeutung und Entrechtung betroffen sind. Es geht nicht nur um Spenden oder einzelne Hilfsleistungen, sondern um die Veränderung ungerechter gesellschaftlicher Strukturen.

Die biblische Grundlage kann mit Texten aus Exodus, Deuteronomium, Levitikus, den Psalmen und dem Lukasevangelium vertieft werden. Die Lernenden untersuchen, wie arme, fremde und benachteiligte Menschen geschützt werden. Sie erkennen, dass sich die Treue zu Gott nach biblischer Überlieferung auch im gerechten Umgang mit gefährdeten Menschen zeigt.

Die Option für die Armen darf nicht bedeuten, über betroffene Menschen zu entscheiden. Ihre Erfahrungen und Interessen werden zum Ausgangspunkt der ethischen Bewertung. Die Leitfrage lautet daher nicht nur: Wie können wir helfen? Ebenso wichtig ist die Frage: Welche Strukturen verursachen Benachteiligung, und welche Veränderungen fordern die betroffenen Menschen selbst?

Für die Sicherung der beiden Texte schlägt das Medium ein Kugellager vor. Eine Hälfte der Lerngruppe bearbeitet die Armutsbegriffe, die andere die Option für die Armen. In wechselnden Gesprächspaaren erklären die Lernenden einander ihre Ergebnisse und ergänzen ein gemeinsames Raster. Die Methode fördert sprachliche Präzision, aktives Zuhören und die mehrfache Wiederholung wichtiger Inhalte.

Bei ungerader Zahl oder eingeschränktem Platz kann das Kugellager durch wechselnde Gesprächspaare ersetzt werden. Lernende mit Unterstützungsbedarf erhalten Satzanfänge, Begriffskarten oder gekürzte Textabschnitte. Leistungsstärkere Lernende können die Armutsbegriffe kritisch vergleichen und Grenzfälle entwickeln.

Der dritte Baustein untersucht für die Jahrgänge 5 bis 7 Jeans und Smartphones. Die Lerngruppe kann in zwei große Bereiche aufgeteilt werden. Innerhalb der Bereiche übernehmen Kleingruppen die Themen Rohstoffe, Herstellung, Arbeitsbedingungen, Transport, Nutzung und Entsorgung. Die Ergebnisse werden zu einer Produktionskette zusammengefügt.

Beim Thema Jeans recherchieren die Lernenden zu Baumwollanbau, Wasserverbrauch, Färbung, Transport, Löhnen und Verteilung des Verkaufspreises. Eine Umfrage zur Zahl der gekauften Jeans sollte freiwillig und anonym erfolgen, da sie familiäre Einkommen und Konsumgewohnheiten sichtbar machen kann. Sinnvoller als ein Wettbewerb ist die gemeinsame Berechnung eines anonymisierten Klassenwertes.

Die Lernenden prüfen, welche Handlungsmöglichkeiten beim Kleidungskonsum bestehen. Dazu gehören längere Nutzung, Reparatur, Tausch, Weitergabe, Kauf gebrauchter Kleidung und Beachtung glaubwürdiger Sozialstandards. Zugleich wird besprochen, dass nachhaltige Produkte nicht für alle Menschen finanziell zugänglich sind. Politische und unternehmerische Verantwortung darf deshalb nicht auf eine Kaufentscheidung reduziert werden.

Beim Smartphone stehen Rohstoffe, insbesondere Coltan, im Mittelpunkt. Die Lernenden untersuchen Abbau, Arbeitsbedingungen, bewaffnete Konflikte, Umweltfolgen und internationale Handelswege. Die Bezeichnung Coltan als seltene Erde sollte fachlich korrigiert werden. Coltan ist ein Erz, aus dem unter anderem Tantal gewonnen wird, gehört aber nicht zur Gruppe der seltenen Erden.

Die Demokratische Republik Kongo darf nicht auf Krieg, Armut und Rohstoffabbau reduziert werden. Ergänzende Informationen zu Kultur, Städten, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Religion und lokalen Friedensinitiativen verhindern eine einseitige Darstellung. Die Lernenden sollen erkennen, dass Menschen vor Ort nicht nur Opfer sind, sondern für Rechte, Frieden und verantwortliche Rohstoffgewinnung eintreten.

Als Handlungsmöglichkeiten beim Smartphone können lange Nutzungsdauer, Reparatur, Kauf eines gebrauchten Geräts, fachgerechte Rückgabe und Recycling behandelt werden. Die Lernenden prüfen zugleich die Grenzen des individuellen Handelns. Fehlende Ersatzteile, kurze Unterstützung durch Software, schwer austauschbare Akkus und undurchsichtige Lieferketten sind strukturelle Probleme.

Für die Jahrgänge 8 bis 10 richtet sich der dritte Baustein auf Ernährung. Die Lernenden vergleichen verschiedene Ernährungsweisen und untersuchen deren Auswirkungen auf Klima, Flächennutzung, Wasser, Tierhaltung und globale Gerechtigkeit. Persönliche Ernährungsweisen werden nicht öffentlich bewertet. Religiöse Gebote, gesundheitliche Bedürfnisse, Essstörungen, Allergien und finanzielle Möglichkeiten sind zu respektieren.

Eine Erhebung zum Fleischkonsum kann anonym durchgeführt werden. Die Auswertung richtet sich auf gesellschaftliche Muster und nicht auf einzelne Personen. Die Lernenden recherchieren, warum Tierart, Futtermittel, Haltung, Transport, Verarbeitung und Lebensmittelverschwendung für die Umweltwirkung bedeutsam sind.

Die soziale Dimension wird durch die Frage erschlossen, welche Bevölkerungsgruppen besonders stark unter den Folgen der Klimakrise leiden. Die Lernenden beziehen ihre Erkenntnisse auf die Option für die Armen. Dabei sollte vermieden werden, globale Gerechtigkeit ausschließlich über individuellen Fleischverzicht zu behandeln. Agrarpolitik, Subventionen, Unternehmensmacht, Arbeitsbedingungen und Zugang zu Land gehören ebenfalls zur Analyse.

Als Ergebnissicherung kann ein kurzer Film entstehen. Die Lernenden formulieren eine zentrale Erkenntnis, belegen sie mit einer verlässlichen Quelle, stellen unterschiedliche Verantwortungsbereiche dar und entwickeln realistische Lösungsmöglichkeiten. Für verwendete Bilder, Musik und persönliche Daten gelten Urheberrecht und Datenschutz.

Online Recherchen benötigen klare Qualitätskriterien. Die Lernenden prüfen Urheberschaft, Erscheinungsdatum, Quellenangaben, Interessen und sprachliche Darstellung. Die im Medium genannten Internetseiten müssen vorab auf Erreichbarkeit und Aktualität kontrolliert werden. Für jüngere Lerngruppen empfiehlt sich eine begrenzte Auswahl geprüfter Quellen.

Der vierte Baustein erweitert die Perspektive auf Agenda 2030, Regierungen, Parteien, Kirchen und örtliche Initiativen. Da sich politische Programme seit 2021 verändert haben, recherchieren die Lernenden in aktuellen Regierungsdokumenten, Parteiprogrammen und Berichten zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele. Politische Positionen werden sachlich verglichen und nicht parteipolitisch bewertet.

Eine Erkundung örtlicher Initiativen schafft einen konkreten Lebensweltbezug. Mögliche Gesprächspartner sind Kirchengemeinden, Weltläden, Reparaturinitiativen, Gemeinschaftsgärten, Lebensmittelrettungen oder Nachhaltigkeitsstellen. Vor einer Einladung entwickeln die Lernenden Fragen zu Zielen, Arbeitsweise, Finanzierung, Erfolgen und Schwierigkeiten.

Die kirchliche Verantwortung kann anhand von Beschaffung, Geldanlagen, Gebäuden, Mobilität, Bildungsarbeit und politischem Engagement untersucht werden. Die Lernenden prüfen, ob kirchliche Einrichtungen ihren ethischen Ansprüchen gerecht werden. So erscheint Kirche nicht nur als moralische Mahnerin, sondern selbst als verantwortliche Akteurin.

Eine abschließende Verantwortungstabelle kann die Ebenen Person, Familie, Schule, Unternehmen, Staat, Kirche und internationale Gemeinschaft unterscheiden. Für jede Ebene werden Möglichkeiten und Grenzen festgehalten. Dadurch erkennen die Lernenden, dass persönliches Handeln wichtig ist, aber systemische Veränderungen benötigt.

Das Medium sollte nicht zur Erzeugung von Konsumschuld verwendet werden. Konsum besitzt auch Funktionen für Zugehörigkeit, Identität und Freude. Jugendliche mit geringem Budget dürfen nicht dafür beschämt werden, günstige Produkte zu kaufen. Ziel ist ein begründetes ethisches Urteil über Handlungsspielräume und Strukturen.

Die theologische Reflexion kann mit dem Motiv des Menschen als Mitgeschöpf verbunden werden. Der Mensch steht nicht uneingeschränkt im Zentrum, trägt aber eine besondere Verantwortung. Bebauen und Bewahren aus Genesis Kapitel 2 Vers 15, Befreiung in der Exoduserzählung, prophetische Gerechtigkeitskritik und Jesu Zuwendung zu benachteiligten Menschen bieten dafür geeignete Zugänge.

Als Abschluss können die Lernenden einen persönlichen und politischen Aktionsplan entwickeln. Darin nennen sie eine freiwillige Veränderung im Alltag, eine Forderung an Unternehmen oder Politik und eine gemeinsame Idee für Schule oder Kirchengemeinde. Jede Maßnahme wird auf Wirkung, Gerechtigkeit, Umsetzbarkeit und mögliche unbeabsichtigte Folgen geprüft.


Klassenstufe: Klassen 5–10 (Sek I), mit expliziter Altersdifferenzierung: Jg. 5–7 (Baustein 3a: Jeans/Smartphone) und Jg. 8–10 (Baustein 3b: Ernährung). Das Kompetenzraster orientiert sich am RLP der EKBO; die Inhalte sind für den katholischen RU vollständig adaptierbar (Soziallehre, Laudato Si, Prophetie). Für die Sek II (Grundkurs) eignen sich Baustein 2 und die sozialethische Rahmung als vertiefende Lektüre.

Curriculare Einbettung: SDG 12 / Agenda 2030 / Schöpfungsbewahrung / Sozialethik / Option für die Armen / Befreiungstheologie / Laudato Si / Globale Gerechtigkeit / Konsum und Lebensstil / prophetische Überlieferung (Ex 23; Jer; Lk 4; Mt 25). Fächerübergreifend: Gesellschaftswissenschaften (Armut, Konsum, Globalisierung), Politische Bildung (Lieferketten, Agenda 2030), Ethik (Freiheit und Verantwortung), WAT (Ernährung, Gesundheit, Konsum). Verbindung zu Laudato Si (Art. der Schöpfungsverantwortung, Option für die Armen) macht den Beitrag besonders anschlussfähig für den katholischen Kontext.

Methodische Stärken: Das Bausteinmodell ist modular einsetzbar und insgesamt zu einer vollständigen Unterrichtsreihe integrierbar. Besonders stark: die drei Fußabdruckportraits bangladeschischer Gleichaltriger, die SuS in direkte imaginäre Begegnung mit der globalen Ungleichheit bringen und eine kontrastive Perspektivübernahme ermöglichen, ohne ins Pädagogik-Klischee des „armen Kindes aus dem Süden" abzugleiten (die Portraits sind differenziert und individuell). Die Kugellager-Methode (Baustein 2) fördert kooperatives Lernen, Auskunftsfähigkeit und wechselseitige Ergebnissicherung auf hohem Niveau. Die Altersdifferenzierung in Baustein 3 ist sauber didaktisch begründet. Alle Materialien sind vollständig abgedruckt und sofort einsetzbar.

Mögliche Unterrichtsszenarien: Kurzeinheit (2–3 Std.): Baustein 1 (Fußabdruck-Vergleich mit einem Portrait) + Reflexionsgespräch über globale Ungleichheit. Mittlere Einheit (4–6 Std.): Baustein 1 + Baustein 2 (Kugellager mit M 2a/2b/2c). Vollständige Reihe (8–12 Std.): alle vier Bausteine, ggf. mit Rechercheaufträgen zu lokalen Initiativen und Einladung einer externen Person (Kirchengemeinde, Repair Café, Urban Gardening). Sek II: Baustein 2 als Textgrundlage für eine vertiefte Diskussion Individualethik vs. Sozialethik der Konsumentscheidungen, ergänzt durch Primärtexte aus Laudato Si.

Differenzierung: Binnendifferenzierung ist explizit eingebaut: M 2a (Was ist Armut?) für eine Hälfte der Lerngruppe, das anspruchsvollere M 2b (Option für die Armen) für die andere Hälfte. Baustein 3 ist klar altersdifferenziert. Für leistungsschwächere SuS: Reduktion auf die Portraits und eine narrative Erschließung (Was würdest du dir für Akhi/Partho/Khadija wünschen?). Die Autoren weisen selbst auf die Sensibilität bei sozial heterogenen Klassen hin, da der Fußabdruckvergleich Wohlstandsdifferenzen innerhalb der Lerngruppe sichtbar machen kann.

Limitationen: Die Kompetenzformulierungen beziehen sich auf den RLP der EKBO; Übertragung auf andere Bundesländer und konfessionelle Lehrpläne ist notwendig. Einige Internet-Links (Fußabdruckrechner fussabdruck.de, Brot-für-die-Welt-Materialien) sind auf Aktualität zu prüfen. Das Konzept ist ursprünglich evangelisch geprägt; Anpassung der Kompetenzformulierungen für den katholischen Kontext empfehlenswert.

Methoden:

Kugellager

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.2 Darf man alles, was man kann? Fortschritt und menschliche Zukunft.

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