Didaktisch eignet sich das Medium besonders für den Religionsunterricht, weil die Unterscheidung zwischen Meinung und Fakt grundlegende Fragen nach Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Erkenntnis, Verantwortung und Urteilsfähigkeit berührt. Gerade in einer Lebenswelt, die durch digitale Medien und eine große Vielfalt an Informationen geprägt ist, benötigen Lernende Kriterien, um Aussagen einordnen und begründet beurteilen zu können. Das Material definiert eine Meinung als subjektive Einschätzung oder Bewertung, die nicht eindeutig als richtig oder falsch überprüft werden kann. Fakten werden dagegen als objektiv überprüfbare Aussagen beschrieben, die durch Belege oder wissenschaftliche Erkenntnisse nachgewiesen werden können. Diese begriffliche Unterscheidung sollte im Unterricht nicht lediglich vorgegeben, sondern aus den Beispielen des Quiz gemeinsam entwickelt werden. Methodisch bietet sich dazu eine Abstimmung mit Karten oder eine Positionierung im Raum an. Nach jeder Aussage entscheiden sich die Lernenden zunächst selbstständig für Meinung oder Fakt und begründen anschließend ihre Entscheidung. Erst danach sollte die Auflösung erfolgen. Dadurch werden unterschiedliche Denkwege sichtbar und die Lernenden üben, ihre Einschätzungen sprachlich zu begründen. Das Quiz auf Seite 3 greift bewusst unterschiedliche Lebensbereiche auf und verwendet beispielsweise Aussagen zu Schule, sozialen Medien, Klimawandel, Geografie und Meinungsfreiheit. Die Lehrkraft kann die Beispiele entsprechend der Lerngruppe anpassen und durch aktuelle Aussagen ergänzen, wie es auch das Material ausdrücklich vorschlägt. Für den Religionsunterricht ist eine anschließende Vertiefung besonders sinnvoll. Dabei kann gefragt werden, ob jede Aussage entweder eindeutig Meinung oder Fakt sein muss, welche Rolle Belege bei einer sachlichen Diskussion spielen und wie persönliche Überzeugungen begründet werden können. Ebenso lässt sich zwischen überprüfbaren Tatsachenaussagen, persönlichen Werturteilen und religiösen Glaubensaussagen unterscheiden. Dadurch kann verdeutlicht werden, dass eine Glaubensaussage nicht nach denselben Kriterien beurteilt wird wie eine naturwissenschaftlich überprüfbare Tatsachenaussage, aber dennoch begründet, reflektiert und diskutiert werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf dem verantwortungsvollen Umgang mit Informationen liegen. Die Lernenden können untersuchen, welche Folgen es für gesellschaftliche Diskussionen hat, wenn unbelegte Behauptungen als Tatsachen verbreitet werden. Das Material weist darauf hin, dass die Vermischung von Meinung und Fakten das Vertrauen in Wissenschaft und Medien schwächen und demokratische Entscheidungsprozesse gefährden kann. Als methodische Erweiterung können kurze Beiträge aus sozialen Medien, Schlagzeilen oder erfundene Aussagen untersucht und nach Meinung, Fakt und überprüfbarer Quelle geordnet werden. Abschließend bietet sich eine erneute Stellungnahme zum Eingangszitat an. Die Lernenden können begründen, ob sich ihre Einschätzung verändert hat, und einen eigenen Leitsatz für einen verantwortungsvollen Umgang mit Meinungen und Fakten formulieren. Auf diese Weise verbindet das Medium Medienbildung, Demokratiebildung und ethische Urteilsbildung und fördert zugleich einen reflektierten Umgang mit Wahrheit, Information und persönlicher Überzeugung.