Didaktisch bietet das Medium einen besonders anschaulichen und handlungsorientierten Zugang zu Demokratie, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit, da die Lernenden nicht lediglich über demokratische Entscheidungsprozesse sprechen, sondern diese selbst vollziehen. Die Planung eines Klassenfestes knüpft unmittelbar an ihre Lebenswelt an und schafft einen konkreten Anlass, eigene Wünsche zu äußern und gleichzeitig wahrzunehmen, dass andere Menschen andere Wünsche haben können. Für den Religionsunterricht lässt sich diese Erfahrung gut mit Fragen nach Gemeinschaft, Rücksichtnahme, Gerechtigkeit, Verantwortung und einem respektvollen Miteinander verbinden. Die Lehrkraft sollte zu Beginn möglichst viele unterschiedliche Vorstellungen zulassen und zunächst darauf verzichten, einzelne Vorschläge vorschnell zu bewerten. Entscheidend ist, dass die Vielfalt der Interessen sichtbar wird und daraus die zentrale Frage entsteht, wie eine Gemeinschaft trotz unterschiedlicher Wünsche zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangen kann. Die auf Seite 1 vorgesehene Sammlung mit zwei verschiedenfarbigen Zetteln unterstützt diesen Prozess, weil alle Lernenden eine eigene Speise und ein eigenes Getränk vorschlagen und ihre Auswahl kurz begründen können. Dadurch werden neben demokratischen Kompetenzen auch sprachliche Fähigkeiten gefördert, da die Lernenden eigene Vorstellungen formulieren, Gründe nennen, anderen zuhören und auf deren Argumente reagieren. Besonders wichtig ist es, Konsens nicht mit dem bloßen Durchsetzen der beliebtesten Idee gleichzusetzen. Die Lernenden sollten erfahren, dass eine gemeinsame Lösung auch bedeuten kann, vom eigenen ursprünglichen Wunsch abzuweichen und nach einer Möglichkeit zu suchen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt. Für eine ausführlichere Durchführung bietet das Material auf Seite 2 eine gestufte Methode an. Zunächst halten die Lernenden ihre eigenen Wünsche fest, anschließend einigen sich jeweils zwei Lernende auf gemeinsame Vorschläge. Dieser Prozess kann in größeren Gruppen fortgesetzt werden, bevor die Ergebnisse der Klasse vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Diese Vorgehensweise eignet sich besonders gut, um den Weg vom individuellen Wunsch zur gemeinschaftlichen Entscheidung erfahrbar zu machen. Die abschließende Reflexion sollte einen hohen Stellenwert erhalten. Die Lernenden können beschreiben, wie sie zu einer Einigung gekommen sind, ob es ihnen leicht oder schwer gefallen ist, von einem eigenen Wunsch abzurücken, wie sie sich beim Zuhören gefühlt haben und wodurch eine gemeinsame Lösung möglich wurde. Das Material schlägt ausdrücklich vor, die Gefühle der Lernenden wahrzunehmen und den Entscheidungsprozess als demokratische Form der Meinungsäußerung und gemeinsamen Entscheidungsfindung zusammenzufassen. Im Religionsunterricht kann daran die weiterführende Frage angeschlossen werden, was eine gute Gemeinschaft auszeichnet und weshalb die eigenen Wünsche ebenso ernst genommen werden sollen wie die Wünsche anderer Menschen. Auch die Bedeutung von Rücksichtnahme, Teilen, Kompromissbereitschaft und Verantwortung kann aufgegriffen werden. Eine Vertiefung ist möglich, indem weitere Entscheidungen rund um das Klassenfest, beispielsweise zu Ort, Zeit, Dekoration oder Programm, gemeinsam getroffen werden. Das Medium weist darauf hin, dass hierfür sowohl Konsensfindung als auch Mehrheitsentscheidungen eingesetzt werden können. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, unterschiedliche demokratische Entscheidungsformen miteinander zu vergleichen und gemeinsam zu überlegen, wann eine Abstimmung sinnvoll ist und wann eine einvernehmliche Lösung angestrebt werden sollte.