Theologisch untermauert werden solche Feiern sowohl aus katholischer als auch evangelischer Perspektive: Die christliche Tradition bleibt zentral, doch gleichzeitig wird betont, dass Offenheit gegenüber anderen Glaubenszugängen Teil der religiösen Praxis sein kann. Die Handreichung plädiert dafür, religiöse Identität nicht aufzugeben, sondern sie in dialogischer Weise zur Sprache zu bringen – ohne theologische Inhalte zu verwässern oder Andersgläubige zu „vereinheitlichen“.
Wichtig sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen: In Baden-Württemberg schreibt die Landesverfassung vor, dass Schulen Erziehung auf der Basis christlich-abendländischer Werte leisten, zugleich aber frei und offen gegenüber unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Positionen sein müssen. Die gesetzlichen Vorschriften garantieren den Schülerinnen und Schülern das Recht, an religiösen Feiern teilzunehmen oder befreit zu werden, ebenso wie die Freiwilligkeit der Teilnahme.
Im Zentrum der Handreichung stehen vier Modelle religiöser Begegnung in schulischen Feiern:
Liturgische Gastfreundschaft: Mitglieder anderer Religionen sind eingeladen, an einer vom christlichen Profil geprägten Feier als Gäste teilzunehmen. Die christlichen Elemente bleiben deutlich erkennbar.
Teammodell / Multireligiöse Feier im Nebeneinander: Vertreter verschiedener Religionen bringen abwechselnd eigene Gebete, Texte oder Rituale ein, während andere Teilnehmende zuhören. So bleiben die religiösen Unterschiede sichtbar und respektiert.
Schulveranstaltungen mit religiösen Elementen: Bei weltlichen Schulfesten werden religiöse Texte, Lieder oder Beiträge unterschiedlicher Religionen integriert, ohne eine eigenständige religiöse Feier durchzuführen.
Interreligiöse Feier / Gemeinsam beten: Ein gemeinsames Gebet aller Teilnehmenden – mit denselben Worten – wird formuliert. Diese Variante ist in Schulkontexten problematisch, da sie das religiöse Profil verwischen und den Eindruck erwecken kann, einzelne Glaubensformen zu nivellieren. Deshalb wird sie in der Handreichung grundsätzlich nur in Ausnahmesituationen empfohlen.
Die Handreichung enthält einen Leitfaden zur Planung (z. B. Auswahl des Modells, Zusammenstellung des Vorbereitungsteams, Raumgestaltung, liturgische Elemente, Sprache, musikalische Begleitung, symbolische Handlungen) sowie zahlreiche Praxisbeispiele aus Schulalltag (wie Einschulung, Jahresabschluss, Friedensgebet, Trauerfeiern). Diese Beispiele stammen aus konfessionell-kooperativen Projekten, in denen Lehrkräfte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und gelegentlich mit Vertretern anderer Religionen Feiern gestaltet haben.
Ziel der Handreichung ist es, Lehrkräften, Schulleitungen und Religionsfachkräften Orientierung und praktische Impulse zu geben, wie man religiöse Feiern an Schulen so gestalten kann, dass sie inklusiv, respektvoll und identitätsbewusst sind – und gleichzeitig die Pluralität religiöser Positionen ernstnimmt.