Der Text behandelt die Herausforderung, Religionspädagogik in säkularen, pluralen Gesellschaften neu zu positionieren. Grümme geht von der These aus, dass Religion trotz Säkularisierungstheorien nicht verschwunden ist, sondern vielmehr auf verschiedenen Feldern öffentlich beansprucht wird. Der Autor analysiert drei zentrale Felder: erstens die Öffentlichkeit im Sinne Habermas' als Kommunikationsraum gleichberechtigter Bürger, zweitens die Zivilreligion als staatlich getragenes Bindeglied in pluralen Gesellschaften, und drittens Bildungstheoretische Entwicklungen, besonders die PISA-Studie mit ihrem multidimensionalen Rationalitätsbegriff. Daraus leitet er Anforderungen an eine Öffentliche Religionspädagogik ab: Sie muss diskursfähig werden, d.h. die Eigenlogik religiöser Rationalität wahren und zugleich argumentativ überzeugen; sie muss kontextuell werden und ihren Wahrheitsanspruch im Lichte der Reich-Gottes-Botschaft kritisch-produktiv geltend machen; sie muss subjektorientiert sein als Sprachschule der Freiheit und Mündigkeit. Die religiöse Bildung wird als kommunikativer, in Geschichte situierter Prozess gegenseitiger Anerkennung entfaltet, der auf universale Solidarität zielt. Abschließend diskutiert Grümme die Übersetzungsproblematik: Wie lassen sich religiöse Gehalte in säkulare Sprache übersetzen, ohne ihre Eigenlogik zu verlieren? Er plädiert für eine „dichte Beschreibung" erfahrungsgesättigter Beobachtung und bewahrt damit den authentischen Charakter religiöser Rede in der Öffentlichkeit.