Der Artikel befasst sich mit der Notwendigkeit und Möglichkeit, kooperative Formate im Religionsunterricht über das Christentum hinaus zu erweitern. Die Autoren argumentieren, dass die konfessionelle Kooperation zwischen evangelischem und katholischem Religionsunterricht, die seit den 1990er Jahren entwickelt wurde, aus mehreren Gründen nicht mehr ausreicht: Religionsdemografisch hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung rapide verändert, mit sinkenden Kirchenmitgliedschaften und wachsendem Anteil von Menschen mit anderen Religionszugehörigkeiten. Gesellschaftlich führen Pluralisierung, Individualisierung und Globalisierung zu neuen Religiosität ohne institutionelle Bindung. Theologisch haben sich die christlichen Kirchen nach dem Holocaust dem interreligiösen Dialog geöffnet, und es liegen zahlreiche Entwürfe einer „Theologie des Zusammenlebens" vor. Religionspädagogisch wird authentische Begegnung als „Königsweg" des interreligiösen Lernens verstanden. Der Artikel präsentiert verschiedene bestehende Kooperationsformate: die Kooperation von Religions- und Ethikunterricht, die zwischen christlichem, jüdischem und islamischem Religionsunterricht, sowie Modellprojekte wie das fächerkooperierende interreligiöse Begegnungslernen in Heidelberg (IrBL) und der religionskooperative Religionsunterricht in Westfalen (ReKoRU). Besondere Aufmerksamkeit wird der Kooperation in der Ausbildung gewidmet, mit Beispielen aus Österreich und Deutschland. Die Autoren diskutieren empirische Befunde, die sowohl Potenziale als auch Konfliktfelder zeigen. Sie argumentieren, dass eine interreligiöse Kooperation als Weiterentwicklung der konfessionellen Kooperation mit verschiedenen Unterrichtsfächern als Ausgangspunkt gestaltet werden sollte, nicht als gemeinsames Schulfach „für alle". Abschließend werden Aufgaben einer wissenschaftlichen Begleitung solcher Kooperationen skizziert, um auf Erfahrungsbasis evidenzbasierte Modelle zu entwickeln.