Der Artikel behandelt die Herausforderung der Kontroversität und Pluralität im islamischen Religionsunterricht an österreichischen und deutschen Schulen. Tuna argumentiert, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler unterschiedliche kulturelle und religiöse Traditionen, Lehren und Perspektiven in den Unterricht mitbringen, was sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet. Der Autor entwickelt zunächst einen konzeptionellen Rahmen für das Verständnis von Kontroversen, indem er verschiedene akademische Traditionen (Dearden, Hand, Stradling, Beutelsbacher Konsens, Schwerte Konsent, Coblenz Konsent) analysiert. Anschließend untersucht er die historischen und theologischen Grundlagen von Kontroversität (ikhtilāf) in islamischen Diskursen und zeigt auf, wie islamische Traditionen Meinungsverschiedenheiten als Merkmal der Rechtskultur legitimiert haben. Der Artikel behandelt auch die ethischen Aspekte des Umgangs mit Kontroversen basierend auf Al-Alwanis Konzept der 'Ethics of Disagreement'. Im Kern schlägt Tuna vor, 'Positionelle Kontroversität' als pädagogisches Prinzip zu etablieren, das controverses Themen so adressiert, dass divergierende Positionen sichtbar, kritisch prüfbar und diskutierbar gemacht werden, ohne eine bestimmte Position als normativ vorzuschreiben. Dies erfordert von Lehrkräften denominationale und individual-religiöse Positionalität sowie reflektiertes Bewusstsein ihrer eigenen Standpunkte. Der Autor betont, dass fundamentalistische Positionen nicht gleichberechtigt behandelt werden sollten, um Indoktrination und Überwältigung zu vermeiden. Abschließend argumentiert Tuna, dass durch die Integration von Kontroversität als Unterrichtsprinzip der islamische Religionsunterricht Schülerinnen und Schüler befähigt, ihre eigenen Positionen zu entwickeln und mit Pluralität innerhalb und außerhalb ihrer religiösen Traditionen konstruktiv umzugehen.